Virtueller Rundgang

Kräutergarten: Praktisch und modern

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Toni Ledermann
am Mittwoch, 20.05.2020 - 08:18

Der vlf Unterallgäu führt einen virtuellen Spaziergang durch den Kräutergarten durch.

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Schwaighausen/Lks. Unterallgäu - Vielen Bäuerinnen kochen leidenschaftlich gerne. Gerne auch mit gesunden Kräutern, die das Essen aufwerten und darüber hinaus auch gesund sind. Doch nicht immer ist bekannt, wie mit den Kräutern umgegangen werden muss, um ihren Wert zu erhalten. Deshalb organisierte die Unterallgäuer vlf-Frauengruppe mit ihrer Sprecherin Gerlinde Rauh einen sehr informativen Info-Nachmittag zum Thema „Mein Kräutergärtlein“. Landwirtschaftsrätin Christine Egle vom AELF Mindelheim war im Gasthof Adler (Schwaighausen) Referentin.

„Was nutzen die vielfältigsten Küchenkräuter im Garten, wenn ich sie nicht verwende?“, meinte Egle bei der Eröffnung. Gewohnt engagiert informierte sie über viele verschiedene Kräuter und Gewürze. Zu ihrem Vortrag hatte sie mehrere Büschel von diversen Kräutern mitgebracht, die sie kenntnisreich vorstellte und auch deren Wirkung aufzeigte.

Schon im Altertum sehr geschätzt

In früheren Jahrhunderten sei oft kein Platz im Gemüsegarten für Würzkräuter gewesen, sagte Egle. Der Platz war für Obst und Gemüse reserviert. Lebensmittel, von denen man satt werden konnte. Doch habe sich dies in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Man lernte fremde Kochrezepte kennen. Vielfalt auf dem Esstisch war plötzlich gefragt und dazu gehörten die entsprechenden Gewürze.

Egle bemühte gar die alten Ägypter. Wie aus deren alten Kräuterbüchern oder Papyrusrollen um 1600 vor Christus hervorgehe, hatten Kräuter dort bereits einen hohen Stellenwert in der Küchenpraxis. Später, im 12. Jahrhundert, schrieb Hildegard von Bingen in dem Buch „Physica“ von über 200 verschiedenen Kräutern. Der große heimische Heilkundige Pfarrer Sebastian Kneipp befasste sich ebenso mit Kräutern, und von ihm stammt die wegweisende Erkenntnis: „Es gibt keine Unkräuter, sondern nur Kräuter.“ Oder auch: „Ich habe die alten, verlassenen und vergessenen Kräutlein wieder aufgesucht, habe ihre Heilkraft erprobt und manchen geheilt von schweren und langjährigen Leiden.“
Die Referentin wies auch auf die Inhaltsstoffe in den einzelnen Kräutern hin, die auch in ganz unterschiedlichen Mischungsverhältnissen vorkommen, etwa Bitter- und Gerbstoffe, Farbstoffe, ätherische Öle, Vitamine und Mineralstoffe. und je nachdem mit mehr oder weniger medizinischem und kulinarischem „Nutzen“.

Thymian hilft bei Husten und wirkt desinfizierend

Auf mehrere Kräuter und deren Nutzen ging Egle näher ein. Wie auf den Thymian, der nicht nur eine interessante Gewürzpflanze, sondern auch eine wichtige Heilpflanze im Bereich Husten und Desinfektion ist. Der ausdauernde Thymian wachse Jahr für Jahr tapfer im Kräutergarten und dufte würzig vor sich hin. Bis in den Winter hinein könne man frische Blätter ernten. „Als Heilpflanze ist der Thymian der reinste Tausendsassa,“ so Egle.

Interessant seien auch die Geschichten, die sich um die „Liebeskräuter“ wie Majoran und Rosmarin rankten: Bei Hochzeiten wurde den Gästen gerne ein Sträußlein mit Rosmarin angesteckt. Zuhause wurden die Stecklinge dann eingepflanzt. Auch im Brautkranz wurde Rosmarin eingeflochten, um Glück zu bringen. „Ein Brautkranz gewunden aus Rosmarin erhält die Liebe ewig grün“, heiße es. Zur Minze wusste Egle: Sie ist das Symbol der Gastfreundschaft und Aufmunterung.

Überhaupt, so Egle weiter, sprießen Kräuter anspruchslos aus dem Boden und benötigen nur wenig Düngung. Kräuter mögen meist sonnige Standorte und sollten möglichst vor der Blüte geerntet werden. Können sie geschnitten werden, soll dies bodennah erfolgen – „Ausnahmen bestätigen die Regel“, setzte Egle vorsichtshalber hinzu.
Passend zur Jahreszeit besprach die Expertin den Bärlauch etwas genauer. Bärlauch sei oft in Laubwäldern zu finden und soll die Frühjahrsmüdigkeit vertreiben. Er riecht etwas nach Knoblauch, sei aber „urgesund“ und sollte vor dem Erblühen geerntet werden. Um auf der sicheren Seite zu sein – Verwechslungsgefahr – soll er möglichst erhitzt werden. Denn: Die ähnlich aussehenden Maiglöckchen, Herbstzeitlose und Aronstab sind dagegen in allen Teilen giftig. Interessant ist auch, dass die gesamte Pflanze gegessen werden kann. In diesem Zusammenhang riet die Referentin grundsätzlich dazu, die Kräuter genau anzuschauen und nur bekannte Pflanzen zu ernten.

Arzneipflanze Dill ist ein Uraltgewürz

Interessant waren auch ihre Ausführungen zum „Uraltgewürz“, der Arzneipflanze Dill. Es handelt sich dabei um einen Lichtkeimer, der ursprünglich aus dem Orient stammt. Trocknen funktioniere beim Dill nicht, da er dann wie Heu schmecke. Deshalb: frisch essen oder eingefrieren. Dill hilft bei Blähungen und Appetitlosigkeit – ist aber auch dekorativ in Flaschen anzuschauen.

Egle kam auch auf die hierzulande gut bekannte Petersilie zu sprechen, die appetitanregend und verdauungsfördernd ist. Sie soll nicht mitgekocht werden und verfügt über viel Vitamin C. Auch als Tellerdeko ist Petersilie oft zu finden.
Basilikum ist einjährig und verträgt keine Temperaturen unter 10 Grad C. Es gibt Basilikum in etwa 160 verschiedenen Sorten.
Zitronenmelisse mag feuchte Erde und soll immer wieder knapp über dem Boden abgeschnitten werden. Sie ist als Deko für Süßspeisen sehr gut geeignet und wird im Sommer im Tee oder als Kühlgetränk sehr geschätzt.

Ein leckeres Schnittlauchbrot

Noch zu vielen weitere Kräutern teilte die Referentin den Frauen wichtige Einzelheiten mit. Alle Pflanzen zeigte sie auch in großformatigen Dias. Am Schluss überraschte Egle die Frauen mit einem ganz besonderen Bild: Groß war ein Schnittlauchbrot abgebildet und dazu führte Egle aus: „Trotz Kuchen und vielem mehr gibt’s für mich nichts Besseres“, und wünschte allen guten Appetit, wenn es wieder soweit ist!
Egle erläuterte auch den Aufbau von Kräuterspiralen und Hochbeeten und hatte dazu Informationsmaterial mitgebracht. Ebenso über leckere Rezepte in denen Kräuter eine wichtige Rolle spielen.
Zu Beginn erinnerte Gerlinde Rauh an verschiedene Veranstaltungen im abgelaufenen Jahr, wobei die Frauen u.a. zur Bäuerlichen Familienberatung und über „Sicherheit auf dem Bauernhof“ informiert wurden. Erfreulich sei, so Rauh, dass Hauswirtschaftsleiterin Ursula Bronner zur stellvertretenden Behördenleiterin des AELF Mindelheim ernannt wurde. „Für diese große Aufgabe gratulieren wir recht herzlich“, sagte Rauh, und die Bäuerinnen unterstrichen dies mit regem Beifall.
Bronner sprach in ihrem Grußwort die verschiedenen Aktivitäten des AELF Mindelheim an und hoffte, dass möglichst viele junge Leute den vorgezogenen Anmeldeschluss zur Betriebsleiterausbildung an den heimischen Landwirtschaftsschulen genutzt haben. Nicht zuletzt auch, um den Fortbestand Landwirtschaftsschulen in Mindelheim und Memmingen zu sichern! Sie erinnerte daran, dass die Teilzeitschule für Hauswirtschaft in diesem Jahr in Memmingen am 10. September beginnt. Dazu könne man sich jetzt anmelden.