Vom Korn zum Brot

Patrizia Schallert
am Donnerstag, 23.08.2018 - 15:13

Besuch auf dem Erlebnisbauernhof-Betrieb Keis

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 Für mehr als 40 Jahre lag die Brunnenmühle im Dornröschenschlaf, bevor sie von der Familie Keis wachgeküsst wurde. Seit zwei Jahren klappert die liebevoll renovierte Mühle wieder am Brunnenbach zwischen Mörslingen und Finningen. Gewerblich Getreide gemahlen wird in dem historischen Gebäude allerdings nicht mehr, sie dient als Schaumühle für die Bevölkerung und ist Teil des „Lernorts Bauernhof“. Die alte Mühlentechnik fasziniert auch 26 Mädchen und Buben aus der Grundschule Höchstädt, die den Betrieb Keis im Rahmen der Projektwochen „Sommer.Erlebnis.Bauernhof“ besuchen.

Die Projektwochen sind ein Modul des Programms „Erlebnis.Bauernhof“ und sollen in den Monaten Juni und Juli die Aufmerksamkeit der Schulen und Lehrkräfte auf das Programm des bayerischen Landwirtschaftsministeriums lenken, erklärt Kerstin Kranzfelder vom AELF Wertingen. Im Landkreis Dillingen bieten acht zertifizierte Bauernhöfe jeweils auf ihren Betrieb zugeschnittene Lernprogramme an, beispielsweise „Feldarbeit im Jahreskreis“, „Rund ums Ei“ oder „Vom Schaf zur Wolle“. Die Wertinger Landwirtschaftsbehörde konnte auch den Betrieb der Familie Keis in Finningen ins Boot holen. Mit der alten, aufwendig renovierten Erlebnismühle ist ihr Bauernhof ein idealer Lernort für das Thema „Vom Korn zum Brot“.

Die Brunnenmühle wurde erstmals im Jahr 1280 urkundlich erwähnt und gehörte bis 1652 zum Dominikanerkloster Maria Medingen. 1898 erwarb der Müllersohn Leonhard Keis das Anwesen, heiratete die Bauerntochter Viktoria Lipp und führte mit ihr die Mühle und den Hof weiter. Eine Quelle versorgt den neben der Mühle gelegenen Weiher. Der Quelltopf gleicht einem Brunnen und führte wohl deshalb zur Namensgebung der Mühle und des Bachs, der aus dem Weiher abfließt. 1923 wurde das Mühlengebäude umgebaut und das Mühlenrad ausgetauscht. 30 Jahre später stand es wieder still. Eine Turbinenanlage sollte die Wirtschaftlichkeit der Mühle erhöhen. Doch der ständige Mangel an zuströmendem Wasser führte nicht zum gewünschten Erfolg. Auch ein mit Wasserkraft angetriebener Generator zur Stromerzeugung lieferte nur bescheidene Ergebnisse. So wurde der Mühlbetrieb 1972 gänzlich eingestellt und der Einödhof nur noch als landwirtschaftlicher Betrieb weitergeführt.

Heimat bewahren

Ein Jahr später übernahm Michael Keis mit seiner Frau Maria Teresa den Milchvieh- und Schweinezuchtbetrieb seiner Eltern. Für das Paar war es eine schöne und lohnende Aufgabe, mit der Renovierung des Kleinods ein jahrhundertealtes Stück Heimat zu bewahren. Finanziell gefördert wurde ihr Projekt durch das bayerische Landwirtschaftsministerium und den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Seit 2016 ist die Schaumühle von Mai bis Oktober einmal monatlich an einem Sonntag ab 14 Uhr geöffnet. Im Mühlenmuseum „Vom Korn zum Mehl“ erleben die Besucher, welchen Weg verschiedene Getreidesorten bis in die Mehlpackung im Supermarktregal zurücklegen.

Maria Teresa und Michael Keis möchten mit ihrer Mühle aber nicht nur Erwachsene ansprechen, ihnen liegt vor allem die Aufklärung der Kinder über die bäuerliche Urproduktion am Herzen. So ist der Betrieb am ALEF Wertingen inzwischen nicht nur unter „Erlebnis.Bauernhof“ gelistet, der Betriebsleiter hat auch die Qualifizierung zum „Erlebnisbauern“ absolviert. Die Mädchen und Buben der Grundschul- und Übergangsklassen der Jahrgangsstufen zwei bis vier und alle Jahrgangsstufen der Förderschulklassen erwartet ein interessantes Programm auf der „Brunnenmühle“. Wie spannend es auf einem Betrieb auch ohne Tiere zugehen kann, erfuhren die Kinder aus der Klasse 2a der Grundschule Höchstädt.

Nach ihrer Begrüßung durch Schulamtsdirektor Wilhelm Martin, Grundschulrektor Helmut Herreiner, Dr. Cornelia Stadlmayr vom AELF Wertingen und das Betriebsleiterpaar fährt Michael Keis mit seinem Schlepper und einer Gruppe Kinder auf dem Anhänger zu einem Emmer- und einem Weizenfeld. Anschließend dürfen die Schülerinnen und Schüler Erde in kleine Behälter füllen, selbst Getreide aussäen und in der Mühle Mehl mahlen. Maria Teresa Keis hat bereits frühmorgens einen Weizen-, Hefe- und Vollkornteig vorbereitet und zeigt den Sieben- bis Achtjährigen das Formen von Brötchen und Nußhörnchen, die anschließend im Steinbackofen bei 280° C gebacken werden.

Die 61-jährige Hauswirtschaftsmeisterin hat ein Händchen für Kinder und weiß, wie man einen „Sack Flöhe“ in Schach hält. Das Programm „Erlebnis.Bauernhof“ ist nur ein Teil ihres Engagements für die Verbraucher von morgen. „Mit 50 habe ich mich entschlossen, das Montessori-Diplom zu absolvieren und mich über das Jugendamt zur pädagogischen Fachkraft qualifiziert“, sagt Keis. Seither betreut sie als Tagesmutter auf dem Bauernhof Kinder verschiedenen Alters. „Ich wollte schon immer weitergeben, was ich selber kann.“