Prognosen

Kohlenstoffdioxid-Steuer treibt die Kosten

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Michael Ammich
am Donnerstag, 20.05.2021 - 11:27

Die Trocknung Leibi rechnet mit einem fünfstelligen Mehrbetrag. Auch die ständig wachsenden gesetzlichen Anforderungen machen zu schaffen.

Pflanzen lassen sich nun einmal nur mit starker Hitze trocknen. Deshalb gehören Trocknungswerke zu den besonders energieintensiven Betrieben, die finanziell unter dem Klimawandel leiden. Und das nicht nur, weil es nach heißen Sommermonaten weniger zu trocknen gäbe, sondern vor allem auch, weil die Kohlendioxidsteuer den Einsatz von fossilen Energien immer teurer macht. Konrad Wolf, der Geschäftsführer des Trocknungswerks Leibi (Lks. Neu-Ulm), sagt: „Allein für das laufende Jahr rechnen wir mit einem ordentlichen fünfstelligen Betrag, den wir als Kohlendioxidsteuer entrichten müssen.“

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Dabei macht allein schon der Bezug von Gas und Strom mehr als die Hälfte der Produktionskosten in Leibi aus. „Dass wir jetzt auch noch eine Kohlendioxidsteuer abführen müssen, verwundert mich“, sagt Wolf. „Schließlich stellen die Trocknungswerke Produkte für die Landwirtschaft her, die wiederum mit ihren Feldfrüchten große Mengen an Kohlendioxid binden.“ Immerhin, so sieht es Georg Henseler, wird die heimische Produktion von Eiweißfuttermitteln umso interessanter, je mehr die Kohlendioxidsteuer steigt. Der Vorsitzende der Trocknungsgenossenschaft Leibi hat dabei vor allem die Rodung der Regenwälder in Südamerika und die hohen Kosten für die energieintensiven Transporte von Soja im Auge.

Henseler und Wolf blicken dennoch optimistisch in die Zukunft der Genossenschaft. Während sich die Futtermittel, insbesondere Sojaschrot verteuern, bleiben die Erlöse aus der Landwirtschaft im langjährigen Mittel bestenfalls gleich oder sinken sogar. „Unsere heimischen Trocknungswerke tragen also auch zur Versorgungssicherheit bei“, stellt Henseler fest.

Der Strukturwandel ist deutlich

Auf der anderen Seite macht sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft auch bei den Trocknungswerken bemerkbar. Je größer die Betriebe werden, desto mehr lohnt sich für sie das Silieren von Mais und Gras mit schlagkräftiger Technik anstelle der Cobsproduktion. „Das Silieren geht schneller und der Landwirt muss seine Ernte nicht erst zum Trocknungswerk transportieren.“

Aber auch ohne Strukturwandel und Kohlendioxidsteuer machen den Trocknungen die ständig wachsenden gesetzlichen Anforderungen zu schaffen. So mussten in Leibi im vergangenen Jahr rund 230 000 € in einen neuen Trommelreiniger für die Maistrocknung investiert werden, der Brandschutz hat diese Maßnahme verlangt. Ohne den Trommelreiniger könnten Maisstängel den Trockner verstopfen und sich dann stark erwärmen – bis hin zum Brand.

Als wäre das nicht genug an Kosten, werden auch die Ersatzteile immer teurer. „Was wir im vergangenen Jahr gekauft haben, das kostet heute oft schon zwanzig Prozent mehr“, klagt Wolf. Der Geschäftsführer macht die Störung der internationalen Lieferketten für diese Preissteigerungen verantwortlich. Die Coronapandemie hat ganz nebenbei auch dafür gesorgt, dass heuer zum zweiten Mal hintereinander die alljährlich im April stattfindende Generalversammlung der Trocknungsgenossenschaft abgesagt werden musste. Dasselbe gilt für die lange geplante 50-Jahr-Feier des Trocknungswerks, die eigentlich 2020 mit einem Tag der offenen Tür über die Bühne hätte gehen sollen.

Kalte Temperaturen sorgen für Verzögerung

Das Trocknungsjahr 2021 hätte ebenfalls besser anlaufen können. Üblicherweise startet das Werk in Leibi in der letzten Aprilwoche mit der Grastrocknung. Doch heuer verzögert sich aufgrund der kalten Frühjahrstemperaturen der Grasaufwuchs, so dass erst in der zweiten Maiwoche mit der Grastrocknung begonnen werden kann. „Alles, was im Mai nicht getrocknet wird, lässt sich das Jahr über nicht mehr hereinholen“, sagt Wolf.

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Vorsitzender Henseler baut indes darauf, dass „der eine oder andere Landwirt heuer mehr Gras trocknen lässt als Eiweißersatz für den teuren Sojaschrot“. Außerdem steigen viele Schweinehalter von Stroh oder Heu als Raufutter auf Grascobs um, weil Stroh und Heu aus der Raufe oft über den Spaltenboden in den Güllekanal fallen und diesen dann verstopfen können.

Während die Landwirte mit Blick auf die zu erwartende Trockenheit wohl auch heuer wieder weniger Gras am Werk in Leibi anliefern werden, rechnet Wolf mit einer ordentlichen Menge an Mais. Die Trocknung von Getreide spielt dagegen eine immer geringere Rolle. „Die Mähdrescher sind heute so schlagkräftig, dass meist das gesamte Korn zum optimalen Termin geerntet werden kann“, erklärt Henseler.

Vor neue Herausforderungen stellt das Trocknungswerk die zunehmende Menge an Kleegras aus Biobetrieben. Weil es deutlich mehr Wasser enthält als Wiesengras, fallen höhere Energiekosten an. Hier wird das Trocknungswerk seine Gebühren je nach Wassergehalt des Kleegrases anpassen müssen, nachdem die CO2-Steuer zu einem wesentlichen Kostenfaktor geworden ist.
Im vergangenen Jahr wurden in Leibi erstmals auch Lupinen getrocknet. Wolf rechnet hier auf absehbare Zeit mit einem wachsenden Volumen, da die Lupine als hervorragende Eiweißquelle gilt und auch von der Lebensmittelindustrie vermehrt nachgefragt wird.
Derzeit sind der Genossenschaft Leibi 580 Mitglieder angeschlossen, fünf weniger als im Vorjahr. 2020 wurden insgesamt 184 988 dt Nassgut angeliefert, die zu 94 934 dt Trockengut verarbeitet wurden. Damit ging die Trockengutmenge gegenüber dem Vorjahr um rund 3500 dt zurück. Im einzelnen wurden 2020 folgende Trockengutmengen erzeugt:
  • Wiesengras: 13 597 dt konventionell und 882 dt bio,
  • Luzerne: 4988 dt konv. und 4961 dt bio,
  • Klee- und Weidelgras: 1645 dt konv. und 3461 dt bio,
  • Ganzpflanzencobs: 145 dt konv.,
  • Maiscobs: 12 497 dt konv. und 148 dt bio,
  • Körnermais: 48 949 konv. und 1819 dt bio,
  • Getreide: 291 dt konv., 354 dt bio,
  • Ackerbohnen: 702 dt bio,
  • Erbsen: 254 dt konv.,
  • Soja: 122 dt konv.,
  • Sonstiges: 116 dt bio.

Die drei mobilen Mahl- und Mischanlagen des Trocknungswerks Leibi verarbeiteten im vergangenen Jahr insgesamt 199 244 dt Futtermittel. Das entspricht ungefähr dem Vorjahresergebnis. Außerdem wurden im Trocknungswerk 75 000 l Rapsöl produziert. Michael Ammich