Klimawandel

Klimaschutz: Landwirten kommt wichtige Rolle zu

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Toni Ledermann
am Freitag, 02.10.2020 - 05:57

Bayerischer Landschaftspflegetag stellt neues Berufsbild „Moor-Klimawirt“ vor

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Klimaschutz durch Landschaftspflege stand beim „Bayerischen Landschaftspflegetag“ im Vordergrund. Nicolas Liebig, Landessprecher der bayerischen Landschaftspflegeverbände (LPV) wies in Memmingen im Landkreis darauf hin, dass Moore klimarelevante Multitalente sind.

Doch von den ursprünglich über 200.0000 ha Moorflächen können heute nur noch knapp 11.000 ha als intakt angesehen werden. Der Schutz des Klimas sei neben dem Erhalt der Biodiversität die drängendste gesellschaftliche Herausforderung, so der LPV-Sprecher. Derzeit seien aber etwa 95 % der Moorböden in Bayern entwässert und zum größten Teil in land- und forstwirtschaftlicher Nutzung. „Der Landwirtschaft kommt somit eine entscheidende Rolle zu“, sagte Liebig. Gegen Corona werde es bald einen Impfstoff geben – gegen den Klimawandel jedoch nicht!

Landbewirtschaftende und Kommunen sind als Eigentümer und Nutzer von Moorflächen wichtige Partner der LPV, sagte Liebig und fordert auch mit Blick auf den schwäbischen BBV-Präsidenten Alfred Enderle: „Die Klimaschutzleistungen eines Landwirts, der Flächen wieder vernässt und damit Treibhausgasemissionen mindert, müssen allerdings entsprechend finanziert werden!“

Bauernfamilien sind bereit für Verantwortung

Die Land- und Forstwirtschaft sei Betroffene der Klimaveränderungen und nicht das Problem – sondern Teil der Lösung, betonte Enderle, der auch Vorsitzender des BBV-Arbeitskreises Grünland ist. „Der Landtag müsse entsprechend Mittel zur Verfügung stellen. Wir sind der einzige Bereich der CO2 bindet. Unsere Bauernfamilien sind bereit, Verantwortung zu tragen. Allerdings müssen die Rahmenbedingungen praktikabel und wirtschaftlich gestaltet sein – denn wir Bauern müssen von unserem Tun und Handeln leben können!“ Landwirte verursachten 7 % der Treibhausgasemissionen. Auch Grünland spiele eine wichtige Rolle bei der CO2-Speicherung, so Enderle.
Die Zusammenarbeit mit dem LPV sei gut, es würden gemeinsam sehr gute Projekte durchgeführt, lobte der schwäbische BBV-Bezirkspräsident. Für ihn ist es wichtig, dass für die hochwertigen Nahrungsmittel hochpreisige Absatzwege wie Direktvermarktung notwendig und zu unterstützen sind.
In einer Videobotschaft betonte Dr. Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, dass der LPV für die Staatsregierung ein wichtiger Ansprechpartner sei. Mit ihm arbeite man gut zusammen, er trage die Impulse in den Landtag. Insgesamt sind 3000 Landwirte und 1300 Kommunen für diese Organisation aktiv. Dies sind stolze 80 % der Landschaft, so der Staatsminister. Die Mittel des Freistaats von 40 Mio. € „sind gut angelegtes Geld, da der LPV hervorragende Arbeit leistet“.

Ein neues Berufsbild: Moor-Klimawirt

DVL-Projektleiterin „Moor- und Klimaschutz“ Liselotte Unseld erläuterte, dass der Deutsche Verband für Landschaftsschutz (DVL) ein Berufsbild für Landbewirtschaftende in Mooren erarbeitet: den Moor-Klimawirt (www.mokli.de). Beispielhaft wirtschaftende Bäuerinnen und Bauern werden in einer Broschüre vorgestellt, die Anfang 2021 erscheint.
Professor Dr. Alois Heißenhuber von der Technischen Universität München, Lehrstuhl für Produktions- und Ressourcen-Ökonomie, forderte statt pauschaler Flächenprämien die Umweltleistungen der Landwirtschaft gezielt zu honorieren. Um die gesellschaftlichen Ansprüche nach mehr Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz zusammenzuführen, brauche es dringend einen moderierten Prozess, an dem alle betroffenen Akteure mitwirken. Das Ergebnis könne ein von einer breiten Mehrheit getragenes Zukunftsbild im Sinne eines Gesellschaftsvertrages sein.

Kommunen kommt eine Schlüsselrolle zu

Dass die Kommunen als großer Flächeneigentümer eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz haben, sagte Stefan Graf vom Bayerischen Gemeindetag. „Immer mehr Gemeinden machen sich auf den Weg zur Klimaneutralität. Da sie dafür auch Kompensationsmaßnahmen brauchen, liegt ein Fokus beispielsweise auf gut geplanten Aufforstungen und Moor-Renaturierungen. Dafür sind Fördermittel und starke Partner wie die Landschaftspflegeverbände notwendig.“
Unterallgäus Landrat Alex Eder, gleichzeitig auch Vorsitzender des LPV Unterallgäu, erläuterte die Arbeit vor Ort. „Wir haben den BBV und viele Umweltorganisationen im Boot, die die eigenen Flächen pflegen. Vor kurzem konnte mit dem Ankauf einer ehemaligen Sendeanlage bei Türkheim wichtiger Grund angekauft werden, der seit Jahrzehnten in Ruhe gelassen worden war.
Am Nachmittag ging es hinaus ins Unterallgäuer Hundsmoor bei Westerheim. Das Projekt „Natürlich Bayern – insektenreiche Lebensräume“ des Deutschen Verbands für Landschaftspflege als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt zeichnete Ministerialrat Wolfram Güthler, Referatsleiter für Landschaftspflege und Naturschutzförderung im Umweltministerium, aus. Mit „Natürlich Bayern“ schaffen wir gemeinsam mit Gemeinden und Landwirten neue Lebensräume für mehr Insektenvielfalt. Diese Organisation darf ab jetzt für zwei Jahre den Titel „Ausgezeichnetes UN-Dekade-Projekt“ führen.