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Privatwald

Mit der Kleinseilbahn im Steilhang

An einem starken Baum wird das Tragseil verankert. Beim Zug am Tragseil berühren die Stämme den Boden nur leicht.
Markus Endraß
am Donnerstag, 17.11.2022 - 07:32

Die Bergung von Stamm- und Durchforstungsholz in Steilhängen stellt viele Privatwaldbesitzer oft vor eine fast unlösbare Aufgabe. Der Aufbau einer einfachen Kleinseilbahn bietet sich als kostengünstige Lösung an.

Zur besseren Seilführung werden zusätzlich sog. Sättel (im Bild rot) im Bestand verankert

Rückholz/Lks. Ostallgäu Im Rahmen der Bergwaldoffensive veranstaltete das AELF Kempten und Kaufbeuren eine Praxisvorführung in Rückholz mit der Kleinseilbahn der Firma Maxwald aus Österreich. An einem Waldstück an der Wertachhalde wurde auf einem Grundstück der Familie Möst die Bergung unterschiedlich großer Stammstücke im Praxiseinsatz dargestellt. Die kleinparzellierten Waldflächen in diesem Gebiet sind sehr schmal und erstrecken sich von der oberen Hangkante mit Wiesen und Wald bis an das Wertachufer. Das Gefälle beträgt vielfach 70 % und oft sind Längen mit mehreren 100 m nicht durch Wege erschlossen.

Der Aufbau einer „großen Forstseilbahn“ durch einen Unternehmer ist in einem solchen Gelände aufgrund der geringen Holzmengen, der langen Rüstzeit und der hohen Kosten selten vertretbar, daher werden solche Gebiete meist gar nicht oder nur unzureichend bewirtschaftet. Eine Überalterung der dichten Bestände mit wenig Naturverjüngung durch zu geringen Lichteinfall und hohen Wilddruck ist hier oft vorzufinden. Tritt eine Kalamität durch Sturm- oder Käferereignisse auf, werden die Hänge durch fehlende Verjüngung manchmal instabil und drohen abzurutschen.

Innerhalb von zwei Stunden aufgebaut

Matthias Beck, Förster bei der Bergwaldoffensive Allgäu, bot den interessierten Waldbesitzern mit der Vorführung einer Kleinseilbahn eine Lösung an. Mit der bewährten Technik der Firma Maxwald, die innerhalb von circa zwei Stunden mit zwei Mann aufgebaut werden kann, gibt es eine kostengünstige und funktionelle Methode der Bergaufbringung, die hier im Praxiseinsatz in der Nähe von Rückholz zum Einsatz kam.

An der Oberkante des Waldstückes stand ein Standardschlepper mit angebauter Seilwinde und zusätzlicher Tragseiltrommel, von der aus das bis zu 300 m lange und 14 mm starke Tragseil hangabwärts abgespult wurde. Nach der Verankerung mittels Gurten an ausreichend starken, gesunden Bäumen oben und unten an der Waldparzelle in ca. 4 – 5 m Höhe, wurde dieses Seil mittels Ratsche und Flaschenzug gespannt und für die exakte Seilführung im Gelände noch mit zwei zusätzlichen „Sätteln“ ausgestattet. Diese wurden an den nötigen Stellen mittels Schlupf und Spanngurten an kleineren Bäumen fixiert.

Bergung über Laufwagen

Über einen Laufwagen, der über das normale Seil der Standardseilwinde gespeist wurde, erfolgte die Bergung der zuvor gefällten Fixlängen. Für die Bergaufbringung konnte dieser mittels Schwerkraft ohne weiteres Führungsseil in Position gebracht werden, zur Bergabbringung wäre diese Ausstattung zusätzlich möglich.

Max Feichtner von der Tiroler Fachschule für Land- und Forstwirtschaft demonstriert diese Technik seit Jahrzehnten in ganz Europa im Einsatz. Er betonte, dass eine Tagesleistung bis zu 50 fm mit zwei Mann möglich sei. Mittels UKW-Sprechfunk hielt er an der Winde Kontakt zum Waldbesitzer, der im Gelände die Baumstücke am nur 7 mm starken Zugseil fixierte. Feichtner betonte, dass der geringe Seildurchmesser mit einer Auslegung auf 1000 kg Last bei bis zu 300 m Länge für diese Bergungstechnik ausreicht, da die Stämme nur mit dem hinteren Ende den Boden leicht berühren und damit die Vegetation auch nur geringfügig beeinträchtigen.

Windenfunk nicht erforderlich

Es wird in den meisten Fällen bewusst nur eine Seilzugwinde mit einfacher Kupplung verwendet, da die Dosierung des Zuges feinfühliger vorgenommen werden kann. Außerdem muss bei diesem Bergungsverfahren immer eine Person zwingend am Schlepper verbleiben, dadurch ist eine Ausstattung mit Windenfunk nicht nötig.

Matthias Beck von der Bergwaldoffensive erklärte, dass die Investitionskosten bei ca. 20 000 € für Winde und Seilbahn liegen. Während des Praxiseinsatzes haben sich in Rückholz fast 30 Waldbesitzer zur Besichtigung eingefunden und über die Technik diskutiert. Die Verantwortlichen der Bergwaldoffensive hoffen, dass sich Unternehmer finden, die sich im südlichen Allgäu mit dieser Technik ausstatten. „Entscheidet sich ein Waldbesitzer für dieses Verfahren im Berg- oder Schutzwald gibt es derzeit eine Förderung von 10 Euro je Festmeter gerücktes Holz bei einer Bagatellgrenze von 500 Euro“, betonte Matthias Beck.