Kultur

Eine Kirche dort wo es am schönsten ist

Walter Kleber
am Mittwoch, 08.07.2020 - 10:31

Die Landrat-Dr.-Frey-Staudenkapelle bei Grimoldsried steht seit fast 40 Jahren am Waldrand hoch über dem Schweinbachtal - top Aussicht inklusive.

08 Staudenkapelle 1

Da, „wo die Stauden am schönsten sind“, wurde sie vor 37 Jahren errichtet: die Landrat-Dr.-Frey-Staudenkapell. Am Waldrand südlich von Grimoldsried, auf der Anhöhe zwischen dem Neufnach- und dem Schweinbachtal, an einem der höchsten Punkte in den Stauden. Der spätere Namensgeber des ganz aus massiven Holzbalken gezimmerten Kirchleins, der langjährige Augsburger Landrat Dr. Franz-Xaver Frey, hatte den Bau der Kapelle angeregt und vorangetrieben.

In seiner Funktion als Gründungsvorsitzender des 1974 aus der Taufe gehobenen Naturparkvereins Augsburg Westliche Wälder wusste Frey um die schönsten Flecken in „seinem“ Landkreis und schätzte die noch weitgehend intakte Landschaft als ein wertvolles Pfund, mit dem das Augsburger Land bis heute wuchert. Und in der Tat: Der Standort für die Waldkapelle war mit Bedacht gewählt. Weit schweift der Blick von hier oben gen Norden, zuerst dem Schweinbachtal entlang und dann weiter ins Schmuttertal. Hoch ragt in der Ferne der stattliche Turm der Mickhausener Pfarrkirche St. Wolfgang aus den Baumwipfeln. Noch grandioser ist das Panorama, das sich Wanderern und Spaziergängern in Blickrichtung Süden bietet. An klaren, hellen Tagen spitzeln die schneebedeckten Gipfel der Alpenkette hinter den malerisch in die hügelige Staudenlandschaft eingebetteten Schweinbachhöfen hervor.

Neues Dach aus Zedernschindeln

Rechtzeitig zu ihrem 30. „Geburtstag“ hat die Staudenkapelle im Herbst 2011 ein neues Dach aus Zedernschindeln erhalten. Die alten Lärchenschindeln waren im Laufe der Jahre morsch geworden. Die riesigen alten Buchen rund um die Kapelle haben jahrelang eine Austrocknung des Daches verhindert. Das Dach war nahezu das ganze Jahr über feucht. Es begann immer mehr zu vermoosen. Nach der Fällung der umstehenden Baumriesen fällt wieder mehr Sonne darauf.

Der „gute Geist“ der Staudenkapelle ist seit vielen Jahren Georg Wagner aus dem nahe gelegenen Walkertshofen. Der erfahrene Forstmann sieht im Auftrag des Naturparkvereins an der Staudenkapelle regelmäßig nach dem Rechten und nimmt erforderliche Reparaturarbeiten vor – oft unterstützt von Albert Schaule aus Grimoldsried. Wagner trat die Nachfolge von Emil Kugelmann an. Der langjährige Mesner der Grimoldsrieder Pfarrkirche, 2009 hochbetagt gestorben, wohnte nur einen Steinwurf von der Kapelle entfernt und kümmerte sich zusammen mit seiner Ehefrau Thekla vom ersten Tag an um die Staudenkapelle. Ein bisschen hält Georg Wagner mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit somit auch das Andenken an das unvergessene Grimoldsrieder Original Emil Kugelmann aufrecht.
05 Staudenkapelle 2

Zur Geschichte der Kapelle: Nach Plänen des damaligen Kreisbaumeisters Schweizer machten sich im Winter 1982/83 Zimmermannslehrlinge der Berufsfachschule in Kempten an die Arbeit. Bereits am 24. April 1983 wurde die Staudenkapelle – ganz aus groben Holzbalken in Blockhausbauweise errichtet – durch Pfarrer Wilhelm Zettler feierlich eingeweiht. Im Oktober des gleichen Jahres erhielt das kleine Kirchlein mit der Weihe einer Glocke den letzten Schliff.

Dann, im November 1987, starb Landrat Dr. Frey völlig überraschend an einer Herzattacke. Sein Nachfolger im Amt, Dr. Karl Vogele, vollzog im Juni 1988, wenige Monate nach Freys Tod, die Umbenennung des Kirchleins in „Dr.-Franz-Xaver-Frey-Staudenkapelle“. Mit dieser Geste sollten die Verdienste des langjährigen Landrates und Naturparkvereins-Vorsitzenden für Heimat und Natur in „seinem“ Landkreis gewürdigt werden.