Stallbau

Kälberstall - hell, warm, luftig und mit Milchtaxi

MN-Kälber Mittelbiberach-TL-21.6.-3
Toni Ledermann
am Montag, 29.07.2019 - 11:12

Familie Hörnle baut in Waldhofen einen neuen Stall für 140 Kälber.

MN-Kälber Mittelbiberach-TL-21.6.-1

Mittelbiberach/Lks. Biberach Das Landwirtschaftsamt Biberach lud zu einem Besuch beim neu gebauten Kälberstall der Familie Hörnle im Mittelbiberacher Ortsteil Waldhofen. Ein Angebot, das viele Landwirte wahrnahmen, und wo sie viele neue Eindrücke sammeln konnten. Stefan Hörnle stellte zusammen mit seiner Ehefrau Sabrina, seinem Bruder Gerhard und den Altenteilern den vielseitigen Betrieb vor.

MN-Kälber Mittelbiberach-TL-21.6.-4

Herzstück ist die Bullenmast mit 600 Tieren sowie 40 Stück Fleckvieh-Milchkühe und 40 Bullen als Nachzucht. Hinzu kommt eine Photovoltaikanlage, die selbst betrieben wird und eine weitere, die vermietet ist. Eine 75er-kW-Biogasanlage wird seit dem Jahr 2012 rein mit dem eigenen Mist betrieben, da jeden Tag rund 10 t anfallen. Ebenso zum Bestand gehört ein Milchviehbetrieb mit 60 Kühen im nahen Mittelbiberach, erzählte Stefan Hörnle. Bewirtschaftet werden etwa 150 ha – weitgehend eigenmechanisiert – mit Ausnahme des Maishäckselns.

Mit vereinten Kräften

Im November 2018 habe man mit dem Unterbau des Kälberstalles begonnen. Dieses Vorhaben wurde in zwei Monaten ganz in Eigenregie durchgezogen. „Mein Ziel war der Einzug am 1. April 2019 und das haben wir mit vereinten Kräften auch geschafft“, freute sich Hörnle, der einräumte, dass noch einige Kleinigkeiten fehlten. Aber der neue Kälberstall konnte mit 65 Tieren zu diesem Termin belegt werden. Schon kurze Zeit später war er mit 140 Kälbern voll belegt. Dieser Zeitpunkt wurde auch anvisiert, da für die Feldarbeit alle Kräfte benötigt werden.

MN-Kälber Mittelbiberach-TL-21.6.-6

Ausgelegt ist der Stall für 140 Kälber. Allerdings wurde bereits bei der Planung berücksichtigt, nach Norden hin problemlos erweitern zu können. Mit Vorbau ist der neue Kälberstall 35 m lang und 20 m breit. Der Vorbau von 5 m war nötig, weil hier später die Mistschieberanlage eingebaut wird. Zur Planung gehörte auch, dass der Mistschieber den Kot in diesen Vorbau schiebt und ablädt – und dass per Radlader direkt dort aufgeladen wird. Dies soll verhindern, dass die Brühe herausläuft und im Winter anfriert.

MN-Kälber Mittelbiberach-TL-21.6.-5

Es seien zwar noch nicht alle Belege eingegangen, aber die Kalkulation von 320 000 € werde wohl eingehalten, sagte der Betriebsleiter. Die Kälber werden sich in dem voll isolierten und mit einer Wandheizung versehenen Stall jedenfalls wohl fühlen. Die Wärme für die Heizung liefert die betriebseigene Biogasanlage.

MN-Kälber Mittelbiberach-TL-21.6.-7

Der Nachschub an Kälbern kam weitgehend von der Bad Waldseer „Viehzentrale Südwest“ (VZ) und dem „Kälber Kontor Süd“ (KKS). Aus Zeitgründen war der Landwirt nicht selbst auf den Kälbermärkten, um einzukaufen, sondern verließ sich auf das Urteil der Partner – was auch gut funktioniert habe. Zugekauft werden die Kälber mit 90 kg Lebendgewicht. Wenn die Kälber nicht schon bei der VZ geimpft wurden, erfolgt dies gleich danach durch den Betriebstierarzt. Wurden früher gemischtrassige Kälber aufgezogen, so hat sich Familie Hörnle jetzt konsequent für Fleckvieh entschieden.

Drei Zapfeimerlinien

Getränkt werden die Kälber mit drei Zapfeimerlinien und einem Milchtaxi. Die Hörnles wollten keinen Tränkeautomaten, da an Technik schon einen Melkautomat da sei und man nach dem Füttern fertig sein wollte. Nach der Einarbeitungszeit habe sich nun die tägliche Arbeitszeit auf eine Stunde pro Mahlzeit verringert, wobei die jüngeren Kälber natürlich mehr Zeit benötigen.

Getränkt werden in der Regel drei Liter Milch pro Mahlzeit. Die Kälber brauchen rund 40 kg Milchpulver pro Tag. „Davon bin ich auch von vornherein ausgegangen. Ich bin nicht der, der sagt, mit einem Sack Milchpulver muss man pro Kalb auskommen. Dies war nicht mein Ziel.“
Bei der anschließenden Kälberstallbesichtigung waren die Berufskollegen sehr angetan von dem hellen Stall. Durch die beiden Lichtbänder an den Längsseiten und dem Dachfirst kommt viel Licht ins Innere. Die einzelnen Boxen sind 7 x 4 m groß und gut mit Stroh gefüllt. Dieses wird alle zwei Tage per Einstreugerät eingeblasen. Gefüttert werden Gerste, Sojaschrot, Melasse, Futterkalk und Mineralfutter. Toni Ledermann