Spende

Jungrind zum Verwursten für die Tafel gespendet

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Margarete Schreyer
am Donnerstag, 23.07.2020 - 09:09

Familie Reiter aus Marktoberdorf spendet Rind und löst Welle der Hilfbereitschaft aus.

„Wer zwei Gewänder hat, gebe dem eines, der keines hat, und wer zu essen hat, handle genauso“. Diese Bibelworte von Johannes dem Täufer nahm sich Bäuerin Barbara Reiter aus Weibletshofen bei Marktoberdorf zu Herzen.

„Gerade jetzt in Corona-Zeiten hatte ich oft ein schlechtes Gewissen, wenn wir unsere guten, eigenen Produkte verspeisen, sich aber viele Menschen gerade noch das Billigste leisten können“, erzählt sie. So reifte in ihr die Idee, hier ein Zeichen zu setzen und aktiv etwas zu tun.

Ein Spendenobjekt war schnell gefunden, denn wegen der katastrophalen Kälberpreise wurden auf dem Betrieb keine Kälber mehr zur Weitermast verkauft, sondern alle selber aufgezogen, die weiblichen Tiere zur Zucht, die männlichen zur Direktvermarktung.

Die Familie entschloss sich deshalb, ein jähriges Jungrind schlachten und verwursten zu lassen und die hergestellten Wurstwaren der Caritas für die Marktoberdorfer Tafel zu spenden. Statt das Tier zum Billigpreis zu verkaufen, haben die Reiters ihm damit wieder den Wert zurück gegeben, den es eigentlich haben sollte.

Welle der Hilfsbereitschaft

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Die gute Idee von Barbara Reiter löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Die beiden Metzger Bernhard Fischer und Stefan Hoffman vom Schlachthaus Ruderatshofen erklärten sich spontan bereit, das Schlachten und Zerlegen umsonst zu erledigen.

Im Namen von Vorstand Robert Karg und der gesamten Vorstandschaft stellte der Schlachtverein Ruderatshofen sein Schlachthaus kostenlos zu Verfügung. Auf ihr Honorar für die Beschaumaßnahmen verzichteten die Tierärzte Johannes Espermüller und Joe Meissner.

Sachspenden wie Gewürze, Därme oder Vacuumbeutel kamen vom Fleischgroßmarkt Fuß in Memmingen und der Firma Wiedemann, Metzgereibedarf in Augsburg. Eine Geldspende vom Königswirt in Bertoldshofen deckte schließlich noch alle anderen Kosten ab.

480 Paar Wiener und 540 Stück Bockwürste

Der Hofladen Hafner in Krugzell stellte dankenswerter Weise seine Räumlichkeiten für die Herstellung der großen Wurstmenge zur Verfügung. Metzgermeister Gotthard Bayrhof und sein Mitarbeiter Bene Fischer verarbeiteten dort das Fleisch zu 480 Paar Wiener und 540 Stück Bockwürste.

Die Freude war bei allen Beteiligten groß, als im Ruderatshofer Schlachthaus sieben Kisten Wienerle und Bockwürste an Caritas-Chef Franz Gast übergeben werden konnten. Herzlich bedankte sich dabei die Familie Reiter bei allen Helfen und Gönnern der Aktion.

Bereits am nächsten Tag konnten die ehrenamtlichen Helferinnen der Tafel Marktoberdorf die eingeschweißten Wurstwaren großzügig in die Hilfspakete verteilen.

Laut Gast versorgt die Tafel Marktoberdorf derzeit rund 40 Haushalte mit Lebensmitteln, vom Singlehaushalt bis zur Großfamilie. Während bisher pro Berechtigungsschein 1,50 € zu bezahlen war, wird jetzt in Coronazeiten kein Entgelt erhoben.