Simon Schmid

Jahresrückblick: Keine Meisterfeier, kein Urlaub

Anja Kersten
am Mittwoch, 23.12.2020 - 04:09

Simon Schmid, 24, bewirtschaftet zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder einen landwirtschaftlichen Betrieb in Baisweil (Lks. Ostallgäu) mit Schwerpunkt Milchviehhaltung mit 75 Kühen. Zu dem Betrieb gehört auch ein Lohnunternehmen.

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Im Frühjahr hat Simon Schmid seinen Meister gemacht. Das Abschlussgespräch fand wegen Corona statt Ende März erst im Mai statt, aber „das ging schon“, meint Simon. Er hat das Referat, das er bereits im Februar für März vorbereitet hat, einfach nochmals durchgearbeitet. Als viel einschneidender empfand er, dass weder eine Meisterfeier noch der Urlaub danach stattfinden konnten. „Im Frühjahr hatten wir alle noch gehofft, dass das im Herbst wieder möglich ist“, blickt der Landwirtschaftsmeister zurück und erzählt, dass er mit ein paar Mitschülern eine dreiwöchige, fachliche Reise in die USA geplant hatte. Nach der langen Schulzeit, Arbeiten auf dem Betrieb und viel Lernen, wollte er nach seiner Meisterprüfung endlich mal richtig Urlaub machen.

Viel Selbstverständliches fehlt plötzlich

„Vieles, was bisher selbstverständlich war, ist es jetzt auf einmal nicht mehr“, meint er nachdenklich. Nicht nur das Reisen, sondern auch das Treffen mit Freunden oder Feste. Umso mehr schätze er es im Herbst, wieder mit seinen Freunden zusammensitzen zu können. „Ich habe das Gefühl, dass wir alle, was Treffen betrifft, etwas zuverlässiger geworden sind.“ Wer zusagt, kommt in der Regel auch. Die meisten von ihnen legten dann auch die Handys aus der Hand, beschreibt Simon Schmid einen Unterschied zu früher, der ihm aufgefallen ist. Zeit für das Handy hat man auch daheim, die Möglichkeit mit Freunden zusammenzusitzen und zu sprechen, ist in Corona-Zeiten eher etwas Wertvolles geworden.

Dass man als Landwirt einen wichtigen Beruf ausübt, wussten die Landwirte selbst schon immer, auf einmal aber habe auch die Gesellschaft erkannt, dass Landwirte systemrelevant sind, erkennt Simon Schmid eine Veränderung bei den Verbrauchern. Dass das mal ausgesprochen wird und nicht immer nur negativ über die Landwirtschaft geredet wird, empfinde er als junger Landwirt als Genugtuung. Er hofft aber, dass das Bewusstsein, dass es ohne die Landwirte nicht geht, auch noch nach Corona anhält und die Verbraucher mehr regionale Produkte kaufen.
Er selbst hat in diesem Jahr, vielleicht noch mehr als in den vergangenen Jahren gemerkt, wie sehr ihn der Beruf des Landwirts ausfüllt und wie glücklich er sich schätzen kann, dass er jeden Tag im Stall und auf dem Feld seiner Arbeit nachgehen kann. Auch das, so meint er, ist und war in Corona-Zeiten nicht selbstverständlich. „Umso mehr weiß man das jetzt zu schätzen.“
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