Afrikanische Schweinepest

Jagd auf Wildschweine wird intensiviert

Afrikanische Schweinepest
Michael Ammich
am Donnerstag, 25.02.2021 - 12:01

Der Landkreis Donau-Ries ist eine Region mit hoher Wildschweindichte. Doch nun muss die Zahl der Wildschweine wegen der Afrikanischen Schweinepest reduziert werden.

Die Bauern wussten, dass sie kommen wird, und im vergangenen September war es dann so weit: Die Afrikanische Schweinepest (ASP) hat die Grenze von Polen nach Deutschland übersprungen. Das Versiegen der so wichtigen Exporte von deutschem Schweinefleisch nach China machte den Schweinehaltern schmerzlich bewusst, welches Damoklesschwert über ihnen hängt. Doch vollkommen hilflos ausgeliefert sind sie nicht. Auf der Online-Mitgliederversammlung der Donau-Rieser Arbeitsgemeinschaft für Jagdgenossenschaften erklärte der Tierarzt und ASP-Experte Dr. Tomasz Trela, wie Jagdgenossenschaften, Landwirte und Jäger gemeinsam das Risiko einer weiteren Seuchenausbreitung minimieren können. Rund 60 Teilnehmer wurden von Arge-Sprecher Karl-Heinz Fackler und BBV-Kreisgeschäftsführer Michael Stiller an ihren Bildschirmen begrüßt.

Dr. Tomasz Trela ist als Technischer Manager für den Bereich Schweine im Pharmamunternehmen Boehringer Ingelheim in Wien tätig, wo er die Region Mittel- und Osteuropa betreut. Geradezu schockierend wirkt seine auf wissenschaftlichen Berechnungen basierende Analyse, dass die Anzahl neuer ASP-Fälle unmittelbar mit der Dichte der Wildschweinpopulationen zusammenhängt – und der Landkreis Donau-Ries ist eine Region mit verhältnismäßig hoher Wildschweindichte. Deshalb kommt Trela zum alternativlosen Schluss: „Die Reduktion der Wildschweine ist der Schlüssel zur Kontrolle der ASP.“

Wildschweine müssen reduziert werden

Bislang beläuft sich der auch indirekt durch ASP verursachte Schaden in Deutschland auf rund 1,5 Mrd €. Der seit 2007 in Europa zirkulierende ASP Virus Genotyp II weist eine hohe Pathogenität auf, also eine starke krankheitserregende Wirkung. Bei seiner Ausbreitung spielen Wildschweine eine übergeordnete Rolle.

Das Problem: Das ASP-Virus ist extrem resistent gegen chemische und physikalische Einflüsse, so dass es in seiner Umwelt lange Zeit infektiös sein kann:

  • in gesalzenem Fleisch: 182 Tage
  • in geräuchertem und entbeintem Fleisch: 30 Tage
  • in Fleisch mit und ohne Knochen sowie Hackfleisch: 105 Tage
  • in gekühltem Fleisch: 110 Tage
  • in trockenem Fleisch, Haut und Fett: 300 Tage
  • in gefrorenem Fleisch: 1000 Tage
  • im Kot bei Raumtemperatur: 11 Tage
  • in kontaminierten Schweineställen: 1 Monat.

In schweinehaltenden Betrieben kann das ASP-Virus beispielsweise über Transportfahrzeuge oder andere landwirtschaftliche Technik gelangen. Hier könnte es schon genügen, wenn eine Maschine über ein von Wildschweinen „infiziertes“ Feld gefahren ist.

Strenge Einschränkungen sind nötig

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Aber auch der Fahrer selbst stellt ein Risiko dar, wie Trela betont. Eine Kontrolle ist in diesem Fall für den Schweinehalter kaum möglich. Es helfen nur strenge Einschränkungen und Einfahrverbote für alle Kraftfahrzeuge. Der Zugang zum Produktionsbereich sollte nur über eine Hygieneschleuse möglich sein. Als geringeres Risiko schätzt Trela dagegen zugekaufte Schweine, Futtermittel, Wasser oder Fliegen ein, obwohl eine Übertragung des Virus durch Futter und Insekten theoretisch möglich ist. Durchaus realistisch ist dagegen das Einschleppen des Virus über die Verbringung von Schweineprodukten oder ihre Verfütterung.

Von einer Einschleppung des Virus in den Hausschweinebestand können nicht nur kleine, sondern auch Großbetriebe mit hoher Biosicherheit betroffen werden, warnt Trela. Deshalb sollte jeder Schweinehalter sorgfältig seine Tiere im Blick haben und schon bei einem Anfangsverdacht seinen Tierarzt informieren. Eine reduzierte Futteraufnahme, Appetitlosigkeit bis hin zur Abmagerung, Schläfrigkeit oder auch verringerte Fluchtbereitschaft sollten beim Schweinehalter die Alarmglocken schrillen lassen. Die klinischen Symptome einer ASP-Infektion sind vielfältig und nicht immer identisch:

  • Fast immer sind Milz, Lymphknoten und Gallenblase vergrößert und weisen Blutungen auf.
  • Stark variierende Läsionen in Darm, Nieren und Herz.
  • Übermäßig durchbluteter Kehlkopf.
  • Sehr häufig sind hämorrhagische Hautveränderungen.
  • Eine sehr sichere Quelle des ASP-Virus scheint das Knochenmark zu sein, so dass sich lange Knochen gut als Probenmaterial eignen.
  • Weitere Symptome können subkutane Blutungen sein, Gelenkentzündungen, Abszesse, Zyanosen an den Ohren oder auch Blutungen aus dem After.

Bei Verdacht sofort den Tierarzt einschalten

Mit Blick auf die vielfältige Symptomatik warnte Trela die Schweinehalter davor, allzu leichtfertig auf andere Herdenkrankheiten zu schließen. „Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass das, was wir sehen, das ist, was wir zuvor gesehen haben.“ Routinehandlungen sollten also tunlichst unterlassen, sondern möglichst schnell ein Tierarzt für die Diagnosestellung eingeschaltet werden.

Jäger können einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung eines ASP-Falls leisten, indem sie ganzjährig sämtliche tot aufgefundenen und infolge unspezifischer Krankheitsanzeichen geschossenen Wildschweine auf ASP untersuchen lassen. Aber auch die Landwirte sind gut beraten, wenn sie aufgefundenes Fallwild an die zuständige Behörde melden. Der Veterinär appellierte an die Jäger, auf Lockfütterungen zu verzichten, weil an solchen Orten die Seuchenübertragung besonders hoch sei. Außerdem sollten sie keine Küchenabfälle im Revier entsorgen und sich an die üblichen Hygienemaßnahmen halten. Bei Auffälligkeiten sollte ein Tierarzt zugezogen werden.

Die Afrikanische Schweinepest stellt eine Bedrohung für die Landwirtschaft und Schweine dar. Hier sehen Sie einen Erklärfilm zur ASP des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft:

Falls ein Schweinehalter zugleich der Jagd nachgeht, sollte er niemals seinen Stall mit Jagdbekleidung oder -ausrüstung betreten oder gar den Jagdhund mit in den Stall nehmen. Erlegte Stücke sollten nicht auf dem Betrieb aufgebrochen werden. Um jeglichen Kontakt der Hausschweine mit Wildschweinen zu vermeiden, leisten eine sichere Umzäunung und die unzugängliche Lagerung von Futter und Einstreu gute Dienste.

ASP bedroht die Schweinehalter

Eine Möglichkeit, die Jagd auf Wildschweine zu intensivieren, sieht Kreisobmann Karlheinz Götz in der Jagd mit Nachtsichtvorsatzgeräten. Er kann nicht verstehen, dass sich das Landratsamt Donau-Ries anders als benachbarte Landratsämter einer Allgemeinverfügung zum Einsatz von Nachtsichtvorsatzgeräten verweigert. Ebenso wenig kann Götz nachvollziehen, weshalb viele Jäger im Donau-Ries-Kreis solche Geräte nicht nutzen wollen, sei es aus ethischen oder finanziellen Gründen. Für die Schweinehalter sei die ständige Bedrohung durch die ASP jedenfalls eine große psychische Belastung.

Robert Oberfrank, Vorsitzender des Kreisjagdverbands Donau-Ries, dreht den Spieß um und fragt, was eigentlich die Landwirtschaft gegen die Wildschweinplage unternimmt. Damit zielt er insbesondere auf den intensiven Biogasmaisanbau im Landkreis. „Aber Schuldzuweisungen helfen beiden Seiten nicht“, sagt Oberfrank. Gefordert sei konstruktive Zusammenarbeit.