Technik

Mit Isabel könnte man sich gut anfreunden

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Michael Ammich
am Donnerstag, 08.07.2021 - 06:29

Die Wetter-App, betrieben von DWD und LfL, ist vielen Landwirten nicht bekannt, aber empfehlenswert. Sie liefert detaillierte Wetterdaten.

"Die Wettervorhersage stimmt immer, nur das Datum passt manchmal nicht“, lautet ein bekannter Witz. Und so sind viele Landwirte auf der Suche nach einer Wetter-App, die ebenso einfach zu bedienen wie zuverlässig ist. Eine dieser Apps ist jedoch nur wenigen Landwirten bekannt. Dabei liefert „Isabel“ weit mehr regionalisierte und detaillierte Wetterdaten als andere Anwendungen, betont Kurt Höld.

Der Deisenhausener Landwirt stützt sich bei seinen Entscheidungen im Ackerbau und noch mehr in der Grünlandwirtschaft auf die vom Deutschen Wetterdienst (DWD) und der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) betriebene Wetter-App.

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Isabel ist die Abkürzung für das „Informationssystem für die Agrarmeteorologische Beratung in der Landwirtschaft“. Das System hat im Februar 2019 den kostenpflichtigen Dienst „DWD-Wetterfax“ abgelöst. Für bayerische Landwirte stellt die LfL den Zugang kostenfrei zur Verfügung. Damit sie auf die Daten von Isabel zugreifen können, müssen sie sich auf der Website des bayerischen Landwirtschaftsministeriums mit der Eingabe ihrer landwirtschaftlichen Betriebsnummer und der zugehörigen iBalis-PIN einloggen.

Höld bewirtschaftet in Deisenhausen einen Milchviehbetrieb mit 65 Fleckviehkühen und Melkroboter, 30 ha Acker- und 25 ha Grünland. Nebenberuflich arbeitet der Landwirtschaftsmeister als Informatiker für den Bundesverband der Maschinenringe. Zur Informatik war Höld 1990 während des Besuchs der Höheren Landbauschule in Landsberg gekommen. Für sich selbst und seine Mitstudierenden erarbeitete er Tabellen für die Berechnung von Deckungsbeiträgen mit dem Tabellenkalkulationsprogramm „Multiplan“, der Vorgängersoftware von „Excel“.

Regionalisierte Wetter-App angeboten

„Wenn man etwas gerne macht, dann macht man es auch immer mehr“, lacht der 53-Jährige. So war es kein Wunder, dass er sich nach einer Anstellung beim damaligen Maschinenring Günzburg-Krumbach vor allem um die Organisation der anfallenden Arbeiten kümmerte und insbesondere die Zuckerrübenabfuhr disponierte. Bald schon nahm er sich der gesamten EDV in der Geschäftsstelle an.

Mit den Wetterdiensten war der Deisenhausener jedoch schon 1984 in seiner landwirtschaftlichen Ausbildung in Berührung gekommen, als er in sein Berichtsheft regelmäßig die aktuellen Wetterdaten eintragen musste. Über eine regionalisierte Wetter-App versuchte der MR Günzburg seinen Mitgliedern einen Vorteil zu verschaffen. Dazu nutzte er die Wetterdaten aus dem Leipheimer Fliegerhorst der Bundeswehr. „Ab 1991 haben wir dort einmal täglich unter der Hand die Wetterdaten telefonisch abgefragt“, sagt Höld. Damit nicht genug, telefonierten Mitarbeiter des Günzburger Rings oft auch mit Kollegen von Maschinenringen in Rheinland-Pfalz und Luxemburg. „Bei Westwind wussten wir auf diese Weise immer, welches Wetter wir ein paar Stunden später im Landkreis Günzburg zu erwarten hatten.“ Die Ringmitglieder fragten den Service telefonisch ab.

Mitte der 1990er Jahre kam schließlich das Wetterfax des DWD auf den Markt. Allerdings war es mit hohen Kosten von jährlich mehreren hundert Mark verbunden, so dass es sich der einzelne Landwirt kaum leisten wollte oder konnte. Daher gab der Maschinenring die DWD-Daten per Fax oder Telefon an seine Mitglieder weiter. Anfang der 2000er Jahre baute der Bundesverband der Maschinenringe einen eigenen Wetterdienst auf, kostenlos und frei zugänglich für jedermann. Seit einigen Jahren gibt es diesen Wetterdienst auch als App. Die entsprechenden Wetter-Daten werden vom DWD und von Wetterstationen gesammelt, die Landwirte und Ringmitarbeiter betreiben.

Parallel zur Maschinenring-Wetter-App führten DWD und LfL im Zug der Digitalisierung deutschlandweit die neue App „Isabel“ ein. „In vielen anderen Wetter-Apps sind die Daten weit weniger detailliert und regionalisiert als in Isabel“, stellt Höld fest. Nach dem Einloggen in Isabel wählt der Landwirt eine Wetterstation in seiner Nähe aus, für Deisenhausen ist das die Station in Langenhaslach. Dann öffnet sich am Bildschirm eine Seite mit einer Fülle von Daten: generelle Vorhersagen zu Niederschlägen und Temperaturen, zum Benetzungsgrad, zu den Verdunstungsraten, zur Heutrocknung und Bodentemperatur oder zum Krankheitsdruck – und das alles nach Kulturen aufgelistet. Selbst stundenweise lassen sich die zu erwartenden Niederschlagswerte abfragen. Außerdem gibt Isabel einen Rückblick auf alle Niederschläge in einem gewählten Zeitraum aus.

Auch schon Lehrgeld bezahlt

Der Benetzungsgrad sagt dem Landwirt, ob das Gras nass oder trocken ist, die Heutrocknungsvorhersage, an welchem Tag das Heu zu wie viel Prozent abtrocknen wird. Besonders in einem Jahr wie heuer, wenn es ab dem Frühjahr durchgehend zu lokalen Niederschlägen kommt, warteten die Bauern lange auf gutes Wetter für den Grünlandschnitt. „Vor dem ersten Schnitt sind wir vier Wochen lang in den Startlöchern gestanden“, sagt Höld. Für seine Entscheidung über den Schnittzeitpunkt befragte er nicht nur Isabel, sondern auch die Wetter-Apps der Maschinenringe, von Wetter-Online und seine eigene Wetterstation auf dem Hof in Deisenhausen. Als viele Landwirte in der Umgebung an Pfingsten mit dem Mähen begannen, nachdem sich das Wetter einmal gewogen zeigte, hielt sich Höld zurück. Isabel hatte nämlich für die Region Regen angekündigt. Tatsächlich fielen schon nachts 15 Liter auf das frisch gemähte Gras. „Zu hundert Prozent treffsicher ist aber auch Isabel nicht, ich habe auch schon mein Lehrgeld bezahlt“, räumt der Landwirt ein.

Seine eigene Wetterstation benutzt Höld vor allem zu statistischen Zwecken. Er hält fest, wie sich das Wetter in Deisenhausen in den vergangenen Monaten, Wochen oder Tagen entwickelt hat. Besonders Gewitter ereigneten sich oft nur lokal, so dass sich die Niederschlagsmengen aus den Wetter-Apps nicht exakt ermitteln lassen. Hölds Station misst den Niederschlag, die Richtung und Stärke des Windes, die Temperatur, den Luftdruck und die Luftfeuchtigkeit. Per Funk gibt sie die Daten auf einem großen Display in der Wohnstube aus.

Höld wundert sich, dass viele Landwirte die Wetter-App „Isabel“ nicht kennen, geschweige denn nutzen. Ihre Vorhersagen seien nämlich sehr zuverlässig. Ob es daran liegt, dass das Einloggen in Isabel eher umständlich ist?

Vielleicht ist es ja dem einen oder anderen Landwirt schlicht zu viel Aufwand, sich vor jedem Aufruf von Isabel zuerst auf der Seite des Landwirtschaftsministeriums mit Betriebsnummer und PIN anmelden zu müssen.