Landfrauen

Immer wieder schwere Unfälle

Bauernhof
Patrizia Schallert
am Donnerstag, 13.02.2020 - 07:08

Beim Bäuerinnentag in Bissingen geht es um die Sicherheit auf den Betrieben.

Bissingen/Lks. Dillingen - Der Bauernhof als Abenteuerspielplatz? So sehen es viele Kinder, aber nicht selten haben ihre Neugier und Ausgelassenheit fatale Folgen. Trotz intensiver Präventionsberatung der SVLFG ereignen sich auf landwirtschaftlichen Betrieben immer wieder schwere Unfälle mit Kindern – oft mit tödlichem Ausgang. „Hätten wir doch nur...“, heißt es dann meist hinterher. „Doch die verspätete Erkenntnis kann das Leid nicht mindern“, sagte Michael Wenni auf dem Bäuerinnentag in Bissingen. Eindringlich appellierte der Sicherheitsberater der SVLFG an seine Zuhörerinnen, ein Auge auf ihre Männer zu haben, die beim Thema Sicherheit auf dem Betrieb zuweilen beratungsresistent seien.

Als Leiter des AELF Wertingen begrüßte Magnus Mayer rund 50 Bäuerinnen auf der gemeinsamen Veranstaltung der ÄELF Mindelheim (Fachzentrum Rinderhaltung), Nördlingen und Wertingen. Die Dillinger Kreisbäuerin Annett Jung freute sich, dass sich ihre Berufskolleginnen immer wieder Zeit für die Fortbildung nehmen. „Bildung ist wichtig, nicht nur für uns selbst. Deshalb fordern die Landfrauen im Bauernverband seit Jahren ein Schulfach für Alltagskompetenz und Lebensökonomie. Auch wenn wir kein eigenes Schulfach durchsetzen konnten, so wird es in Bayern ab dem kommenden Schuljahr immerhin verpflichtende Projektwochen in Grund- und weiterführenden Schulen geben.

Gefahren für Kinder am Betrieb

In den Projektwochen gilt es jedoch nicht nur, ein Auge auf das Lernen zu haben, sondern auch auf die Sicherheit der Kinder während der Hofbesuche. Damit das Gefahrenpotenzial für fremde wie für eigene Kinder auf landwirtschaftlichen Betrieben auch allgemein besser eingeschätzt werden kann, erklärte Michael Wenni, welche Entwicklungsstufen ein Kind durchlebt und wie es seine Umwelt erfühlt, wahrnimmt und kennenlernt.

Mit einem Video zeigte Wenni auf, welche Gefahren auf einem landwirtschaftlichen Betrieb lauern, deren sich die Eltern oft gar nicht bewusst seien. Die Statistik der SVLFG spricht Bände: 25 % der Unfälle mit Kindern ereignen sich durch Überfahren, 35 % beim Mitfahren auf einem Schlepper oder anderen landwirtschaftlichen Gerät. „Lassen Sie die Finger davon, Kinder in der Front- oder Heckschaufel eines Schleppers mitzunehmen“, mahnte Wenni. „Dabei ereignen sich die schlimmsten Unglücke, oft mit tödlichem Ausgang.“ 40 % der Unfälle entfallen auf Stürze in Gebäuden und Güllegruben, Ertrinken, Ersticken oder Verletzungen durch ungeschützte Maschinenteile.

Tipps für die Sicherheit

Weil für Mädchen und Buben das Schlepperfahren mit dem Papa oder Opa das Größte ist, hatte Sicherheitsberater einige Tipps parat:

  • Kinder nur im geeigneten Kindersitz mit Anschnallmöglichkeit mitführen,
  • sie während der Fahrt nicht auf- oder absteigen lassen,
  • sie bei der Rückkehr auf den Hof immer an eine andere Person übergeben und nicht denken, sie werden schon zur Mutter finden,
  • Wird der Schlepper abgestellt, unbedingt den Schlüssel ab- und die Handbremse stark anziehen.

Besonders gefährlich sei das Bewegen von großen Geräten auf dem Hof. „Kinder denken nicht daran oder wissen nicht, dass der Fahrer sie nicht sehen kann, weil sie sich im toten Winkel aufhalten.“ Besonders bei kleinen Kindern sei hier äußerste Vorsicht geboten. Eine Rückfahrkamera oder Modulspiegel sind eine Investition, die sich lohnt.

Eine große, nicht zu unterschätzende Gefahrenquelle seien sich drehende, kraftbetriebene Teile, beispielsweise eine Zapfwelle. „Kinder werden magisch von allem angezogen, das sich irgendwie bewegt“, sagte Wenni. Er warnte davor, Schutzabdeckungen etwa bei Kreissägen zu entfernen. „Generell sollten Maschinen nie ohne Aufsicht betriebsbereit dastehen.“

Der Hof ist kein Klettergarten

Oft lauern auf dem Betrieb Risiken für Kinder, die Erwachsene gar nicht als solche ansehen. Das können eine unachtsam hingestellte Sense sein, eine Leiter, die nicht sofort weggeräumt, oder Schlepperreifen, die nicht ordnungsgemäß gelagert wurden und umkippen können. Besonders Leitern, Treppen, Heu- oder Strohballen verleiten Kinder zum Hinaufsteigen. Deshalb müssen sie entsprechend gesichert sein.

Außerdem sollte den Kindern immer und immer wieder erklärt werden, dass Maschinen, Lagerplätze jeglicher Art, Hoch- und Tiefsilos, gestapelte Heu- und Strohballen kein Klettergarten sind.

Von Wasser werden die Kleinen magisch angezogen. „Wer sich einen Teich anlegt, sollte sich bewusst sein, dass er zur Todesfalle werden kann, wenn er nicht entsprechend abgesichert ist. Kleinkinder können sogar in einer Pfütze ertrinken.“ Auch offene Gruben oder Bodenöffnungen jeder Art müssen in jedem Betriebszustand gegen Abstürze gesichert sein. In einem Stall sollte immer eine Aufsichtsperson dabei sein.