Waldbau

Holzmarkt ist völlig gestört

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MS
am Donnerstag, 04.06.2020 - 09:54

Die Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf nennt Sturm Sabine, Corona und den Borkenkäfer als Ursachen.

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Auch bei den Waldbesitzern im Ostallgäu richteten die Frühjahrsstürme hohe Schäden an. 30 000 Festmeter wurden allein im Bereich der FBG Markoberdorf geworfen. Der Schadensschwerpunkt lag dabei südlich von Marktoberdorf, im Bereich Kohlhunden und in Sulzschneid. Die Stürme rissen aber auch zahlreiche kleinere Windwurfschneisen in viele andere Bestände. Für die FBG war es eine Mamutaufgabe, die Aufarbeitung der Schadflächen zu organisieren. „Wir versuchten, möglichst zeitnah aufzuarbeiten, ich war aber auch froh, dass viele Waldbesitzer selber ihre Motorsägen herausgeholt haben und so dazu beitrugen, das Holz so schnell wie möglich aus dem Wald zu bringen“, betonte Geschäftsführer Thomas Worm. Manch einer, der durch Corona in Kurzarbeit war, half dabei kräftig mit.

Acht Lagerplätze

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Aufgestapelt an insgesamt acht Lagerplätzen ist das Schadholz jetzt zwar vor dem ausfliegenden Borkenkäfer in Sicherheit, es fehlen jedoch die Abnehmer. Das Problem ist, dass schon im Frühjahr der Holzmarkt nicht mehr aufnahmefähig war, weil sich die Säger durch das zurückhaltende Einschlagsverhalten der Waldbesitzer in der Region, bereits mit Holz aus den Schadgebieten in Mitteldeutschland versorgt hatten. Diese Holzlieferungen sind bis weit in den Sommer hinein fest vereinbart und decken den Großteil des Bedarfs an Rundholz. Kurzfristig sind zudem keine Transporte mit der Bahn zu bekommen, denn hier gibt es in der Regel langfristige Lieferverträge. Auf Grund der, durch Corona bedingten, Grenzschließungen fehlen auch die großen Export Absatzmärkte, wie zum Beispiel Italien. „Der Markt ist völlig gestört und zwar durch drei Vorzeichen: dem Orkan Sabine, Corona und dem Borkenkäfer“, sagt Harald Husel vom AELF Kaufbeuren. Für das viele gelagerte Holz muss also mit langen Abfuhrzeiträumen gerechnet werden.

Stolz ist der FBG Geschäftsführer und sein Stellvertreter Moritz Janzen, dass im Bereich der FBG Marktoberdorf seit mehr als drei Jahren nicht mehr gegen den Borkenkäfer gespritzt werden musste. Es zahle sich jetzt aus, dass sich die FBG schon seit Jahren um genügend Lagerkapazität gekümmert hat. Auch verschiedene Mitglieder stellten aktuell Lagerflächen zur Verfügung. Große logistische Anstrengungen mussten die Mitarbeiter der FBG in den letzten Monaten durch die vielen Umlagerungen bewältigen. Dieses Umlagern ist wie im letzten Jahr förderfähig. Momentan ist die Gemeinschaft auf der Suche nach einer dauerhaften Nasslagerstätte, um bei zukünftigen Kalamitäten gute Qualitäten vor einem Preisverfall zu retten, „denn aus dem Nasslager kann Holz auch nach einem Jahr Lagerung in einer B-Qualität wieder heraus geholt werden“, sagt Worm voraus.

Nach dem Sturm ist vor der Pflanzung

„Nach dem Sturm ist vor der Pflanzung“, betonte Förster Husel. Trotz dieses Leitsatzes mussten in diesem Jahr – Corona bedingt – die Frühjahrpflanzungen komplett ausfallen. Generell böten jedoch die entstanden Sturmflächen eine Chance für die Pflanzung von zukunftsträchtigen Mischbeständen. Unterstützt werden die Waldbesitzer dabei mit erhöhten Förderbeträgen.

Einen Schwerpunkt bei der FBG sieht Worm auch in der Jagd. Zusammen mit anderen Forstbetriebsgemeinschaften im Landkreis wurde bereits der dritte Jagdkurs organisiert. Die Kurse würden zwar noch mehr Teilnehmer vertragen, aber die bisherigen Abschlüsse konnten sich sehen lassen. „Wir wollen hier ein dauerhaftes Angebot schaffen und haben aktuell auch ein Online-System entwickelt, damit der Kurs auch in Zeiten von Corona durchgezogen werden kann“, so Husel.
Wann es bei den Forstbetriebsgemeinschaften im Landkreis wieder Waldbegänge oder andere Aktivitäten geben kann, steht weiterhin in den Sternen, denn noch ist es äußerst schwierig Termine zu planen und fix zu machen, verdeutlichte Worm am Ende des Gespräches, „bis jetzt können wir uns nur weiterhin auf Waldbegänge, den Ostallgäuer Waldpreis oder auf die Feier unseres 50-jährigen Jubiläums den Ostallgäuer FBG freuen“, so der Geschäftsführer. Den Waldbauern riet er dringend, auch weiterhin ihre Bestände engmaschig auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren um weitere Schadholzmengen möglichst klein zu halten.