Waldbau

Holzmarkt: Der Export liegt am Boden

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Michael Ammich
am Dienstag, 16.06.2020 - 07:46

FBG Dillingen hatte zuletzt ein gutes Geschaftsjahr, doch Corona könnte bremsen

Es gab auch schon bessere Zeiten für die schwäbischen Waldbesitzer. Bereits vor der Coronakrise hatten Sturm- und Käferkalamitäten die Holzpreise in den Keller gedrückt, doch was sich auf dem Holzmarkt seit Mitte März abspielt, ist beispiellos. Papierholz und Hackschnitzel sind kaum mehr gefragt, der Export liegt am Boden und in den Sägewerken staut sich das Schnittholz. Gerade einmal noch 60 € bekommt der Waldbesitzer für den Festmeter Fichtenstammholz.

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Es fängt schon mit der Hackschnitzelerzeugung an. Die Nachfrage nach dem ressourcen- und klimaschonenden Energieholz ist stark zurückgegangen, nachdem in Schulen, Hallenbädern, anderen Gebäuden der öffentlichen Hand und in Produktionsstätten coronabedingt die Heizungen zurückgefahren wurden. „Deshalb ist jetzt sehr viel Hackmaterial auf dem Markt“, erklärt der Dillinger FBG-Geschäftsführer Johann Stuhlenmiller. „Der Preis geht zurück.“ Dazu trägt auch die Schwemme an billigem Heizöl bei. „Das Hackgut kann zwar forstschutzwirksam aus den Wäldern entfernt werden, aber für die Waldbesitzer springt dabei finanziell nichts mehr heraus.“

Ein weiterer Problemfall ist das Schwachholz. Der Papierindustrie ist der Absatz weggebrochen. Der Preis für den Raummeter Faserholz hat sich mit 28,50 € nicht verändert, doch die Papierindustrie hat ihre angeforderten Mengen reduziert. Allein UPM habe die Papierholzanlieferungen um 50 % gekürzt, klagt Stuhlenmiller. Das Schwachholz kommt dennoch aus dem Wald, schließlich müssen die 10- bis 30-jährigen Fichtenbestände trotz Corona gepflegt werden. Außerdem waren diese Bestände teils massiv vom Windwurf betroffen. „Wir versuchen, das Faserholz an den Mann zu bringen, müssen dafür aber oft noch einen Nachlass auf den ohnehin schon geringen Papierholzpreis gewähren.“

Noch nicht bemerkbar macht sich die Coronakrise in der Abnahme durch die Möbelindustrie, nachdem hier ein Vorlauf von zwei bis drei Jahren üblich ist. Was heuer an Buche, Eiche und Esche eingeschnitten wird, kommt frühestens im kommenden Jahr zur Verarbeitung. Aber alles, was die Forstbetriebsgemeinschaften nicht am heimischen Markt unterbringen können, muss in den Export. Das gilt ganz besonders für das Eschenholz, das derzeit aufgrund des Eschentriebsterbens gehäuft anfällt. „Die Holzhändler klagen unisono, dass es sehr schwierig ist, überhaupt noch Container für den Export zu erhalten“, sagt Stuhlenmiller. Der Warenverkehr in die USA und nach Asien sei zum Erliegen gekommen.

Den Sägern ist der Absatz weggebrochen

Den Sägern sind die Absatzmärkte weggebrochen, die Verkaufskanäle nach Spanien, Frankreich oder Großbritannien versiegt. Schon seit 2018 wird der Rundholzmarkt von den Käferkalamitäten geprägt. Die forstlichen Zusammenschlüsse können allenfalls das noch liefern, was vor der Coronakrise mit den Abnehmern an Mengen vereinbart worden war. Das betrifft allerdings mehr die kleineren Privatwaldbesitzer, weil sich die größeren oft auf langfristige Lieferverträge stützen können.
Die ohnehin schon schlechte Stimmung unter den Waldbesitzern hat sich nach der Ankündigung der Sägewerke, dass sie die Liefermengen reduzieren werden, noch einmal verdüstert. Zwar wollen die Säger einen Sillstand in ihren Werken vermeiden, doch holen sie das Holz dafür vor allem aus weiter entfernten Regionen wie Tschechein oder Mitteldeutschland. Das macht es für die schwäbischen Forstbetriebsgemeinschaften schwierig, ihre Lieferungen zu erhöhen, zumal die Sägeindustrie in der Coronakrise keinen gesteigerten Wert auf langfristige Verträge legt.
Von Preisen wie 2008/09, als der Festmeter Fichte kurzzeitig auf mehr als 100 € schoss, ist der Holzmarkt heute weit entfernt. Derzeit können die Waldbesitzer allenfalls mit 60 € rechnen. Der Erlös deckt also nur noch knapp ihre Kosten. Damit dürfte das Ende der Fahnenstange allerdings noch nicht erreicht sein. Stuhlenmiller richtet sich auf einen weiteren Preisverfall ein. Die Abfuhr der Holzmengen, die in den Poltern liegen, werde bis weit in den Sommer hinein dauern.

Robust gegen Trockenheit

Die Trockenheit – bis Ende April fielen gerade einmal 1,5 l Niederschlag anstatt der üblichen Monatsmenge von 50 l – scheint den norschwäbischen Wäldern bislang weniger anzuhaben als den Forsten in anderen deutschen Regionen. Stuhlenmiller zufolge lag die Käferholzmenge in den Wäldern der schwäbischen Alb im vergangenen Jahr sogar unter der des Vorjahrs. „Offenbar hat es dort häufiger geregnet als in den anderen Teilen des Landkreises Dillingens“, vermutet der FBG-Geschäftsführer. Nördlich der Donau gab es einen erkennbar geringeren Schadholzanfall. Gleichwohl ist es selbst in den Auwäldern entlang der Donau viel zu trocken. Bisher sei den Bäumen allerdings noch nichts anzumerken. Dennoch mahnt Stuhlenmiller die Waldbesitzer zu höchster Achtsamkeit: Trotz der Käferholzabschläge auf das ohnehin schon schwach bezahlte Fichtenholz gelte es schnell zu reagieren, wenn der Schädling festgestellt wird.

Mit dem Beginn der Coronakrise hat die Geschäftsstelle der FBG Dillingen den Parteiverkehr auf dem Nordfelderhof eingestellt. „Unsere Mitglieder können dort nur noch etwas abgeben oder abholen“, so Stuhlenmiller. Auch im Wald laufe die Beratung auf „gedämpftem Niveau“, und das schon deshalb, weil derzeit alle Kräfte für die Aufarbeitung der Windwürfe gebündelt werden. Zudem warten die Forstleute auf den ersten Käferholzanfall.
Ob sich wieder ein positives Ergebnis wie 2018/19 erreichen lässt, ist zumindest zweifelhaft. Im vergangenen Jahr konnte die FBG noch 44 808 fm Holz vermarkten, das waren nur 1500 fm weniger als 2017/18. Der Gesamtumsatz belief sich auf 3 597 318 €. Im vergangenen Jahr gehörten der FBG Dillingen 1608 Mitglieder an – eine Steigerung um 35 gegenüber dem Vorjahr. Die gesamte Waldfläche der Mitglieder umfasste 8844 ha und damit 94 ha mehr als 2018. Über 106 Waldpflegeverträge betreute die FBG eine Waldfläche von 1386 ha. Das sind fünf Verträge und 244 ha mehr als im Vorjahr.

Holzvermarktung im Detail

Die Holzvermarktung teilte sich folgendermaßen auf (in Klammern die Vorjahresergebnisse): Brennholz 3624 (2651) rm, Hackschnitzel 19 712 (18 614) srm, Papierholz 4008 (3923) rm, Fichten- und Tannenstammholz 28 381 (30 991) fm, Kiefern-, Lärchen- und Douglasienstammholz 779 (1075) fm. Damit belief sich die vermarktete Nadelstammholzmenge auf 29 160 (32 066) fm. An Laubholz wurden über die FBG insgesamt 2421 (2249) fm abgesetzt. Davon entfielen 123 (100) fm auf die Buche, 816 (672) fm auf die Eiche, 772 (1058) fm auf Buntlaubholz und 710 (419) fm auf die Pappel.

Bei der Pflanzenbeschaffung der FBG für ihre Mitglieder zeigt sich erneut der fortschreitende Waldumbau. 2018/19 wurden rund 40 000 Stück Laubholz-, aber nurmehr 30 000 Stück Nadelholzsetzlinge gekauft und abgegeben. Über die Dillinger Biomasse GmbH, ein gemeinsames Tochterunternehmen von FBG und Maschinenring Dillingen, wurden 7 fm Strammholz, 840 l Motorsägenöl und 13 750 laufende Meter Zaundraht vermarktet.