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Waldbesitzervereinigung Aichach

Holz ist auch Brennstoff

Kamen zu Wort: Bei der Jahreshauptversammlung der WBV Aichach sprachen (v. l.) Christian Kaul vom Bayerischen  Waldbesitzerverband, WBV-Vorsitzender Bernhard Breitsameter, WBV-Geschäftsführer  Martin Hollfelder und Forstdirektor Ralf Gang vom AELF Augsburg.
Franz Hofner
am Mittwoch, 19.10.2022 - 09:46

Die WBV Aichach kann auf ihr 70-jähriges Bestehen zurückblicken.

In den 70 Jahren ihres Bestehens hat die Waldbesitzervereinigung (WBV) Aichach viele Höhen und Tiefen erlebt. Wenn sich Probleme auftaten, wurden diese erfolgreich gemeistert, bilanzierte der Vorsitzende Bernhard Breitsameter bei der Jahresversammlung in Arnhofen vor den gut 160 anwesenden Mitgliedern.

Zum Stichtag hatte die WBV 1585 Mitglieder mit einer Waldfläche von 13 329 ha. Nach wie vor sei Hauptaufgabe der WBV, sich engagiert für das Waldeigentum ihrer Mitglieder einzutreten und eine nachhaltige Forstwirtschaft zu betreiben, wie Breitsameter sagte.

Holz in Zukunft kein nachhaltiger Brennstoff mehr

Kein Verständnis hat Breitsameter für die Absicht des EU-Parlamentes, Holz in Zukunft nicht mehr als nachhaltigen Brennstoff einzustufen. Da dem Vorschlag auch die bayerischen Europa-Abgeordneten zugestimmt hätten, habe sich der Waldbesitzerverband sofort an diese gewandt und eine Revidierung verlangt.

Über Holz werden in Deutschland etwa zwei Drittel der erneuerbaren Wärmeenergie bereitgestellt. Holz sei hierzulande der „mit Abstand wichtigste Energielieferant“, wie Breitsameter erinnerte. Gerade für die Wärmewende sei Holz daher unverzichtbar. Allerdings sei zu befürchten, dass es hier noch viel zu tun gäbe, damit die Belange der Waldwirtschaft nicht ins Hintertreffen geraten. Brennholz oder Waldhackschnitzel nicht als nachhaltigen Brennstoff einzustufen, Pellets jedoch schon, das sei überhaupt nicht nachzuvollziehen.

Gute Nachfrage nach Holzwerkstoffen

Zu einer nachhaltigen Forstwirtschaft passten auch nicht Forderungen nach immer mehr Flächenstilllegungen im Wald. Während Deutschland gerade auf eine Rezession zusteuere und insbesondere die Bauanträge zurückgingen, sei der Anteil an Holzbauten gestiegen. Die Nachfrage nach Holzwerkstoffen werde auch in Zukunft konstant bleiben, erwartet Breitsameter.

Der Gesamtumsatz der WBV beim Holzverkauf lag im letzten Jahr bei 5,475 Mio. €. Es wurde viel Holz eingeschlagen, besonders auch wegen der guten Holzpreise. WBV-Geschäftsführer Martin Hollfelder präzisiert diese Daten. Im letzten Geschäftsjahr wurden 63 867 fm Nadelholz, 4427 rm Papierholz und 4427 rm Brennholz an 13 Sägewerke und 285 private Kleinabnehmer vermarktet. Es wurden zudem 5715 fm Hackschnitzel vermarktet, sodass sich die Gesamtvermarktung auf 65 567 fm belief. Wegen der trocken Witterung sei auch viel Käferholz angefallen. Allein heuer, von Juli bis September, waren dies 13 000 fm. Im Vorjahr waren es von Juni bis Oktober nur 2100 fm gewesen.

Die WBV unterhält vier Holzlagerplätze für insgesamt 5500 fm Holz. 430 Mitglieder haben heuer über die WBV Holz vermarktet. Es waren über 255 Harvestereinsätze zu verbuchen. Stark zugenommen habe heuer die Nachfrage nach Brennholz.

Hollfelder nahm auch Stellung zum aktuellen Holzpreis: Fichte B lang liege bei 105 €/fm, Fichte B kurz bei 98 bis 100 €/fm. Der Preis für Papierholz sei noch offen, bei Kiefer für Verpackung liege man bei 58 €/fm, bei Kiefer-Bauholz, 5 m lang, bei 75 €/fm.

Guter Zeitpunkt um Fichten einzuschlagen

Breitsameter riet den Waldbauern, den guten Holzpreis insbesondere zum Einschlag starker Fichtenbestände zu nutzen. Diese litten durch Trockenheit oder Käferbefall. Gegenwärtig sei es draußen feucht, gutes Wetter also für Neuanpflanzungen von Baumarten zur Begründung von Mischwäldern.

Christian Kaul vom Bayerischen Waldbesitzerverband referierte über die zunehmende Bedeutung der PEFC-Zertifizierung, auch im Hinblick auf die angekündigte neue Waldprämie des Bundes. Bayern sei bei der Waldzertifizierung schon sehr weit. 90 % der Waldfläche sei bereits zertifiziert. Auch die WBV Aichach habe hier frühzeitig die Weichen gestellt, sagte Breitsameter.

Abschusspläne wurden größtenteils eingehalten

Forstdirektor Ralf Gang vom AELF Augsburg sprach in seinem Referat über die abgeschlossenen Abschusspläne bei den einzelnen Hegegemeinschaften. Diese seien „größtenteils“ eingehalten worden.

Überhaupt gebe es mit der Jagd keine Probleme, was auch WBV-Vorsitzender Breitsameter bestätigte. Das gute Einvernehmen zwischen Waldbesitzern und der Jagd sei auf ein frühzeitiges Ansprechen von Problemen bei Verbiss zurückzuführen. Gerade bei der Umsetzung des Waldumbaues sei dies von großer Bedeutung.