Forstpflanzungen

Hohe Ansprüche an Forstpflanzen

Bayerische Staatsforsten
am Freitag, 18.12.2020 - 08:10

Im Forstbetrieb Sonthofen wurden im Herbst 95.000 Pflänzchen neu gesetzt.

Sonthofen/Lks. Oberallgäu - Pflanzen für die bayerischen Wälder sind keine Massenware, sondern ein Qualitätsprodukt und eine Investition in die Zukunft. Jährlich werden in den bayerischen Staatswäldern ca. 2.500 ha mit jungen Bäumchen neu bepflanzt. „Allein im Forstbetrieb Sont­hofen pflanzten wir diesen Herbst 35 ha bzw.  90.000 Pflänzchen unterschiedlichster Baumarten. Das muss sorgfältig geplant werden. Die gleiche Sorgfalt muss bei der Pflanzenauswahl getroffen werden, um einen zukunftssicheren Klimawald begründen zu können“, so Sonthofens Staatsforsten-Chef Jann Oetting.

Waldbäume haben sich über Jahrhunderte an den Standort angepasst

Forstpflanzgut

Wer glaubt, eine Forstpflanze sei ein Massenprodukt – wie z. B. alle Jahre die Christbäume in den Discountern, liegt falsch. Zwar werden viele Pflanzen produziert, aber bezogen auf die Qualität der Forstpflanzen werden sehr hohe Ansprüche gestellt. Nicht jeder Betrieb, der Pflanzen aufzieht, ist auch in der Lage Forstpflanzen anzuziehen. Der Gesetzgeber legt hier nämlich einen sehr strengen Qualitätsmaßstab an.
Im Forstvermehrungsgutgesetz ist detailliert aufgeführt, welche Pflanzen oder Pflanzenteile als forstliches Vermehrungsgut bezeichnet werden dürfen und welche nicht. Nochmal Jann Oetting: „Für uns Förster ist wichtig, in welchem Wuchsgebiet und Wuchsbezirk wir pflanzen wollen. In Bayern gibt es große Unterschiede hinsichtlich Geologie, Höhenlage, Durchschnittstemperaturen und Niederschlägen. Daran haben sich die Waldbäume über viele hundert Jahre angepasst."

Herkunft ist streng geregelt

Seit 1911 sind je nach Wuchsgebiet bestimmte Herkünfte definiert und in der Forstherkunftsgebietsverordnung aufgelistet. Darin ist festgelegt, woher eine Pflanze kommen darf und welchen Anforderungen sie in der Natur an ihrem Wuchsort gewachsen sein muss. Dabei spielt die Genetik eine große Rolle. Förster Markus König, der den Staatswald im Wirlinger Wald betreut, weiß: „Autochthone Pflanzen, also solche, die ohne menschlichen Einfluss immer schon bei uns wuchsen, sind uns hinsichtlich Gesundheit, Stabilität und Leistungsvermögen am liebsten.“

Weil Förster wie Jann Oetting oder Markus König Praktiker sind und keine Genetiker, wurden Systeme geschaffen, die ihnen bei Entscheidungen oder der Arbeit helfen: Um die Tauglichkeit von Pflanzen oder Saatgut langfristig überprüfen und nachweisen zu können, wurde mit Forstbaumschulen auf freiwilliger Basis ein Zertifizierungsring für überprüfbares forstliches Vermehrungsgut – kurz ZüF – ins Leben gerufen. „Bei der Lieferung ziehen wir eine Probe meist von den Knospen und lassen sie analysieren. Die Proben werden mit in einer Datenbank hinterlegten Referenzproben verglichen. So kann genetisch festgestellt werden, ob die Pflanzen tatsächlich von den Bäumen stammen bzw. aus dem Herkunftsgebiet kommen, welches bei der Lieferung angegeben ist“, erklärt Revierleiter Markus König.

Wurzelwerk muss passen

Forstpflanzgut

Außerdem muss vor Ort im Wald bei der Anlieferung der Pflanzen entschieden werden, ob es sich um ein Qualitätsprodukt handelt oder nicht. König weiter: „Neben Liefermenge, Größe, Gesundheitszustand und der Pflanzenfrische gilt hier ein besonderes Augenmerk der so genannten Stufigkeit. Diese definiert das Verhältnis von Höhe, Wurzelhalsdurchmesser und Wurzelvolumen zueinander. Dieses Verhältnis muss in sich stimmig sein, damit die Pflanze gut anwachsen kann und Zukunft hat.“

Größter Wert wird auch auf die Ausformung des Wurzelwerkes gerichtet: Es müssen ausreichend Feinwurzeln vorhanden sein. Denn die gewährleisten die Versorgung der Pflanze mit Wasser und Nährstoffen und die Hauptwurzel darf keinerlei Beschädigungen oder Verformungen aufweisen. Das wird stichprobenartig geprüft, wobei Erfahrung wichtig ist: „Man bekommt mit den Jahren einen Blick dafür und kann relativ schnell erkennen, ob eine Lieferung passt oder nicht“, weiß König.

„Es ist also ein langer, schwerer Weg vom Samen am Baum zur hochwertigen jungen Pflanze in der Baumschule und wieder zurück in den Waldboden, wo in vielen Jahren z. B. eine stattliche Tanne mal stehen soll. Aber so gewährleisten wir, dass die neu begründeten Wälder auch fit for future sind“, schmunzelt Markus König.