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Diversifizierung

Hofcafé statt Ferkelerzeugung

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Brigitte Auer
am Montag, 02.05.2022 - 12:44

Direktvermarktung, Gastronomie und Bauernhoferlebnis: Familie Färber in Wolferstadt setzt neue Betriebsschwerpunkte.

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Mit 22 Jahren hat Martin Färber den Hof von seinen Eltern übernommen. Nachdem er versucht hatte, den Betrieb durch die Spezialisierung auf Ferkelerzeugung marktfähig zu halten, entschied er sich mit seiner Frau Monika zu einer grundlegenden Veränderung: Der Bestand von zuletzt 150 Zuchtsauen wurde auf maximal 15 Sauen und 100 Ferkel abgestockt.

Das Fleisch der Duroc-Schweine veredelt die Familie Färber nun selbst und vermarktet es auf ihrem Hof in Wolferstadt direkt. Ein 3500 m² großer Garten liefert Obst, Gemüse und Kräuter und dient als Erlebnisraum für Kinder und Familien. Auf 17 ha werden die meisten Futtermittel selbst angebaut.

Im März 2020 hatte Familie Färber ihren landwirtschaftlichen Betrieb mit Hofcafé eröffnet. Besucher erleben dort eine abwechslungsreiche Hofführung, die in der BeefBox beginnt. Hofeigenes Fleisch vom Duroc-Schwein aus eigener Aufzucht – portionsweise frisch vakuumiert – wird in einem kleinen Verkaufsraum rund um die Uhr angeboten.

An der heutigen Hofführung nahmen auch die stellvertretende Landrätin Ursula Kneißl-Eder und Kreisbäuerin Ruth Meißler teil. Meißler gratulierte den Färbers zur Eröffnung des Hofcafés: „Familie Färber zeigt auf, welche anderen Wege man gehen kann, wenn die ganze Familie dahinter steht.“

Bäuerin Monika Färber wird im Hof-Café durch die älteste Tochter Lea unterstützt, die derzeit eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin in Augsburg absolviert. Martin Färber hat sich in der Direktvermarktung und einem Bauernhof-Gastronomie-Seminar fortgebildet. Betriebe wie der ihre lebten von Kontakten und Austausch, habe er dort gelernt – und dies auch gleich umgesetzt.

Selbstbedienung mit Vertrauenskasse

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So finden sich inzwischen in dem kleinen Selbstbedienungsladen mit Vertrauenskasse neben Brotaufstrichen, Festgebäck und einmal wöchentlich gebackenem Brot aus eigener Herstellung auch Produkte anderer regionaler bäuerlicher Erzeuger wie Milch, Joghurt oder das vor allem bei Kindern begehrte Bauernhofeis. Wohlschmeckende Kartoffelchips mit dem lautmalenden Namen „Grischberlis“ kamen gerade frisch ins Angebot.

Hauptstandbein des Betriebs soll, so Martin Färber, das Hofcafé sein. Doch die verschiedenen Produktions- und Verkaufsbereiche griffen gut ineinander. Das ganze Schwein sei nur in der Direktvermarktung zu verkaufen. Bei gutem Besuch des Hof-Cafés steige auch der Absatz des Bauernhofeises. Das Eis wiederum zöge Spaziergänger und Kinder auf dem Schulweg an.

„Ein solches Hofcafé schafft eine wertvolle Infrastruktur, die ein Dorf wieder aufleben lässt“, erklärt die Kreisbäuerin. Familienfeste und Dorffeiern könnten jetzt wieder vor Ort ausgerichtet werden.

Das Hofcafé als Haupteinnahmequelle

Der Gastraum ist in einem alten Stallgebäude untergebracht. Finanziell gefördert wurde der Umbau durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds. Über zwei Jahre hinweg wurden mit viel Eigenmitteln und unter Verwendung des alten Materials auch die Ställe umgebaut. Eine Fotoausstellung dokumentiert die umfangreichen Baumaßnahmen. 2020 ging das Hofcafé schließlich unter Corona-Bedingungen an den Start.

Von Donnerstag bis Samstag öffnet das Hofcafé, das Platz für 60 Gäste bietet. Hausgemachte Kuchen und Torten und eine kleine Karte mit saisonalen und regionalen Gerichten stehen im Angebot. Jeden ersten Sonntag im Monat listet eine Tageskarte zusätzlich eine Auswahl feiner Speisen auf. So lockt die Homepage des Bergschreinerhofs im April mit Geschmelzten Maultaschen oder Radi-Carpaccio. Die ursprüngliche Gebäudestruktur ermöglicht ein offenes Raumkonzept, das sich besonders für Familienfeiern und andere Veranstaltungen eignet.

Wechselndes Programm für Kinder

Für Kindergeburtstage hat sich Familie Färber ein Programm ausgedacht, das mit den Jahreszeiten wechselt: Auf eine „Kräuterwerkstatt“ im Frühling folgen „Beerige Zeiten“ im Sommer und die Beschäftigung mit der „Tollen Knolle“ im Herbst und geht es „Ran ans Eingemachte“ im Winter. Mit Eigenveranstaltungen wie einer Hofweihnacht und einem Grillfest im Sommer wirbt das Gastronomenpaar und setzt darauf, dass diese in der Nach-Corona-Zeit noch zahlreicher wahrgenommen werden.

Nach dem Rückbau der Zuchtsauenhaltung sind noch zwölf Sauen und ihre Ferkel geblieben, die in einem geschlossenen System von der Zucht bis zur Mast gehalten werden. Während die klassischen Deutschen Landschweine weiterverkauft werden, wandern die Duroc-Schweine zu einem Metzger in der Region. Das Landwirtspaar baut Gerste, Weizen, Erbsen und Mais (für die Biogas-Anlage) an. In der hofeigenen Futtermühle wird das Futtermittel auf die individuellen Bedürfnisse der Tiere abgestimmt und gemischt. Zugekauft wird gentechnikfreies Soja.

Die konventionelle Haltung der Tiere wird Schritt für Schritt in eine tierwohlgerechtere Form überführt. Schon jetzt steht den Sauen und Ferkeln deutlich mehr Platz zur Verfügung als gesetzlich vorgeschrieben. Die Abferkelbuchten sollen in Kürze zu Bewegungsbuchten umgebaut werden.

Garten wird zum Erlebnis

Monika Färber hat 2019 die Fortbildung zur staatlich geprüften „Gästeführerin Gartenerlebnis Bayern“ an der LWG in Veitshöchheim absolviert. Entsprechend dient der Garten nicht nur der Versorgung von Familie und Gastronomie, sondern soll auch zum Erlebnis werden. Neben einem Gemüsegarten, in dem außer Tomaten, Zucchini oder Spargel auch eigene Melonen gezogen werden, warten ein Rosen-, ein Kräuter- und ein Beerengarten auf die Besucher. An Ostern veranstaltete Familie Färber eine Ostereiersuche im Ziergarten.

Die Schweineställe sind durch Fenster einsehbar und werden so zum Teil des Bauernhoferlebnisses. Jedes der vier Färber-Kinder hat seine eigenen Tiere. So können neben den Schweinen auch Coburger Fuchs-Schafe, Hasen, Hühner und Hunde beobachtet werden. Nur das lang ersehnte Pferd ist noch aus Holz. Aber auch ein so innovativ aufgestellter Betrieb wie der Bergschreinerhof muss ja noch Ziele haben.

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Duroc: Robuste Rasse, zartes Fleisch

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Das Duroc-Schwein ist eine rund 250 Jahre alte Zuchtrasse, die sich vor allem bei auf Qualitätserzeugung ausgerichteten bäuerlichen Betrieben immer größerer Beliebtheit erfreut. Die ursprünglich aus den USA stammende Kreuzung von rotem Jersey-Schwein und europäischem Iberico-Schwein eignet sich aufgrund günstiger genetischer Anlagen besonders für eine Aufzucht unter nachhaltigen Bedingungen.

Die robuste Rasse zeigt sich wenig krankheitsanfällig, so dass sich der Antibiotika-Einsatz auch in der konventionellen Haltung in der Regel gering halten lässt. Duroc-Schweine können in Deutschland ganzjährig im Freiland gehalten werden. Aufgrund der dunklen Hautpigmentierung der Tiere mit rot-braunem bis gelbem Fell sind sie vor starker Sonneneinstrahlung gut geschützt. Wegen ihres stressresistenten, friedlichen Wesens lassen sich die Tiere gut in Gemeinschaften halten.

Das Duroc-Schwein ist eine großrahmige Rasse und fällt durch ihr muskulöses Erscheinungsbild auf. Sauen erreichen ein Gewicht von bis zu 300 kg, Eber von bis zu 350 kg. Da die Sauen viel Milch geben, erreichen Duroc-Ferkel schnell das gewünschte Mast-Gewicht. Das Fleisch des Duroc-Schweines wird in der Gastronomie wegen seines fein-nussigen Geschmacks und seiner ausgezeichneten Brateigenschaften geschätzt. Dank eines hohen Anteils an intramuskulärem Fett weist es eine feine Marmorierung auf, die garantiert, dass es beim Braten oder Grillen butterzart bleibt.