Waldnutzung

Höchste Waldbrand- und Käfergefahr

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Interview: Toni Ledermann
am Donnerstag, 23.04.2020 - 11:33

Nachgefragt beim Mindelheimer AELF-Leiter, Ltd. Forstdirektor Rainer Nützel.

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Mindelheim/Lks. Unterallgäu Mit großer Sorge blicken Waldbauern derzeit zum Himmel, von dem unverdrossen die Sonne strahlt. Was Städtern gefällt, verursacht Sorgenfalten auf den Gesichtern der Forst-Verantwortlichen, wie dem AELF-Behördenleiter und Leitenden Forstdirektor in Mindelheim, Rainer Nützel, mit dem Unser Allgäu aktuelle Probleme besprach:

Unser Allgäu: Nach zwei zu trockenen Jahren folgt nun ein zu trockenes Frühjahr das voll dem Käferbefall in die Hände spielt. Wie ist der aktuelle Stand und wie hoch sind die Schäden?
Nützel: Es geht gerade mit dem Käfer los. Dies war zu erwarten bei den bestehenden hohen Temperaturen. Ich gehe davon aus, dass an den sonnigen Stellen langsam die Käfergefahr steigt. Die Wetter-Prognosen für einen heißen Sommer sehe ich skeptisch, da seriöse Wettervorhersagen für solch lange Phasen nicht möglich sind. Sagen kann man jedoch, dass für uns die Ausgangslage jetzt gut war, da wir im letzten Jahr gegenüber den früheren Jahren relativ wenig Käferbefall hatten. Der Winter war für den Käfer auch nicht besonders günstig Das Schmuddelwetter hat dem Schädling sicher nicht gefallen. Deshalb: Die Ausgangslage ist noch ganz passabel.
Unser Allgäu: Sie appellierten ja bei mehreren landwirtschaftlichen Winter-Veranstaltungen an die Waldbauern, dass sie nach den Stürmen schnell ihr Bruchholz aufarbeiten sollen, um den Käfern keine „Nahrung“ zu bieten. Wurde dieser Aufruf beherzigt?
Nützel: Vielfach haben die Waldbesitzer die FBGs beauftragt, die Schäden zu beseitigen – und da sind sie ja in guten Händen. Die, die jedoch noch nichts unternommen haben, um ihr Sturmholz aus dem Forst zu holen, bei denen müsste jetzt etwas passieren! Zumal in den letzten Wochen durch Corona viele berufstätige Menschen mehr Zeit gehabt hätten als sonst. Da hätte mehr passieren sollen. Dies macht mir noch etwas Kopfzerbrechen.
Der Staatswald arbeitet intensiv hängt aber noch etwas nach, hat aber auch zwei große Nasslager in denen sie Holz gut lagern können. Alles was im organisierten Bereich läuft, da bin ich zuversichtlich, dass wir gut unterwegs sind.
Unser Allgäu: Birgt das trockene Frühjahr schon wieder Waldbrandgefahr?
Nützel: Das kann ich ganz deutlich beantworten; In der Skala von 1 bis 5 liegen wir derzeit bei 4 – also ganz klar: Waldbrandgefahr! Kurzfristig startet deshalb an diesem Wochenende die Luftbeobachtung. Dies bedeutet, dass von Kleinflugzeugen aus nach Rauchentwicklung gesucht und gegebenenfalls die Feuerwehr alarmiert wird. Die Brandgefahr geht insbesondere von trockenem Altgras aus. Wer derzeit den Waldboden etwas tiefer gräbt, um beispielsweise Jungpflanzen zu setzen, wird schnell feststellen, wie trocken der Oberboden ist. Diese Feuergefahr geht deutlich zurück wenn die Bäume ausschlagen und frisches Gras wächst.
Unser Allgäu: Durch die vielen Corona-Beschränkungen wollen ja viele Städter im Wald spazieren gehen. Können Sie dies befürworten, wenn die Forstbesitzer ihrer Verkehrssicherheit an den Waldrändern nachgekommen sind.
Nützel: Dies ist sehr zu begrüßen. Ich weiß aus meinem Bekanntenkreis, dass es Menschen gibt, die jetzt die nahegelegene Natur entdecken, was schon lange nicht mehr der Fall war! Viele kennen sich ja in Mallorca besser aus als in der näheren Heimat! Aber das ändert sich gerade. Ich begrüße die Waldentdeckung ausdrücklich. Nur da wo die Aufarbeitung des Windwurfs noch in Gange ist, sollte großräumig umgangen oder umfahren werden. Wichtig ist für die Großstädter, dass sie ein Gefühl entwickeln und erkennen, dass unter geborstenen oder quer liegenden Bäumen kein Spielplatz ist.
Unser Allgäu: Sie sind ja Leiter des AELF Mindelheim und des Forstamts. Wie gut sind Sie und Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den vielen Corona-Einschränkungen zurecht gekommen? Ab wann schätzen Sie, können die Bauern wieder zu Ihnen und den Sachbearbeitern kommen?
Nützel: Im Forstbereich arbeiten wir im Grunde wie bisher. Das bedeutet wir haben auch in „normalen“ Zeiten kaum Publikumsverkehr. Der meiste Kontakt der Waldbesitzer läuft über Telefon, Fax oder E-Mail und Beratungstermine im Wald. Etwas komplizierter wird es wenn Anträge gestellt werden. So konnten wir in unserer Außenstelle in Oberschönegg mit Erlaubnis des Bürgermeisters ein Schutzglas in die Tür einzusetzen, quasi wie bei einem Bankschalter.
Im Landwirtschaftsbereich ist das Arbeiten ambitioniert, da gerade der Mehrfachantrag läuft. Dieses Verfahren wurde gestartet als es mit den verschärften Einschränkungen begann. Jetzt geschieht dies primär per Telefon-Hotline oder online. Ob und wie lange wir dies so organisieren, hängt primär von den äußeren Rahmenbedingungen ab!
Unser Allgäu: Gab es bei den Holzpreisen positive Veränderungen?
Nützel: Nein! Leider gibt es keine positiven Nachrichten. Die Schwierigkeit liegt tatsächlich darin, dass der Absatz ins Ausland weiter schwierig ist und somit auch die Holzabfuhr und die Kaufbereitschaft spürbar zurück gehen. Positiv ist, dass wir zusätzliche Lagerplätze außerhalb des Waldes gefunden haben. Dies gilt insbesondere für die FBGs. Die mäßige Kaufbereitschaft drückt natürlich auf den Holzpreis. Wenn man Glück hat, bleibt er auf dem derzeitigen Niveau. Über die bestehenden Verträge hinaus, kommen aktuell keine Neuabschlüsse hinzu.