Getreidevermarktung

Historisches Preishoch genutzt

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Michael Ammich
am Dienstag, 23.10.2018 - 09:14

Getreide-EG Aislingen/Bibertal verkauft halben Anteil an der Bayernhof GmbH

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Aislingen/Lks. Dillingen Der kluge Landwirt streut nicht nur das Anbau-, sondern auch das Vermarktungsrisiko. Anstatt alles auf die Karte „Bayernhof“ zu setzen, verkauft die Erzeugergemeinschaft für Qualitätsgetreide Aislingen/Bibertal einen halben Anteil und erzielt damit einen ansehnlichen sechsstelligen Erlös. Dieser soll in andere Projekte investiert werden, erklärte EG-Vorsitzender Herbert Riehr auf der Lagervermarktungsversammlung in Aislingen. Damit waren jedoch nicht alle EG-Mitglieder einverstanden.

Unmittelbar vor der Versammlung hatten sich Vorstandschaft und Beirat der Erzeugergemeinschaft zusammengesetzt und bei nur einer Gegenstimme den Anteilsverkauf beschlossen. Zuvor hatte Herbert Riehr bei der Bayernhof GmbH durchsetzen können, dass auch der Verkauf eines halben Anteils möglich ist. Damit bleibt die Getreide-EG weiter ein stimmberechtigter Partner der Bayernhof. Anlass für das Abstoßen des Anteils war das „historische Preishoch“, wie Riehr erklärte. „Aber es besteht ja auch das Risiko, dass der Wert der Anteile wieder sinkt.“ Jetzt gelte es gut zu überlegen, was mit dem Erlös aus dem Anteilsverkauf geschehen soll. Eine Ausschüttung an die Mitglieder war für den Vorsitzenden schon mit Blick auf den geringen Effekt nach Steuern keine Option.

Auch Kritik an Anteilsverkauf

In der Versammlung regte sich allerdings Kritik am Anteilsverkauf. „Wir sollten froh sein, mit der Bayernhof einen guten Partner zu haben, sie macht einen tollen Job“, gab ein EG-Mitglied zu bedenken. Außerdem beklagte der Landwirt Kommunikationsprobleme zwischen der EG und ihren Mitgliedern. So sei die Geschäftsführung schlecht erreichbar, wenn es um die kurzfristige Abwicklung von Termingeschäften gehe. Das habe ihn jüngst viel Geld gekostet, sagte der Landwirt. „Kontrakte sind nun einmal ein Termingeschäft, da braucht man einen zuverlässigen Partner, der erreichbar ist.“
Demgegenüber erklärte Riehr, dass ihm dieses Problem bewusst sei und bereits an einer Verbesserung der Kommunikations- und Informationsstrategie gearbeitet werde, beispielswiese durch die Einrichtung einer Rufumleitung. Zur Kritik am Anteilsverkauf bekräftigte der EG-Vorsitzende, dass die Erzeugergemeinschaft ja auch weiterhin ein Partner der Bayernhof bleibe. „Wir stehen nach wie vor hinter der Bayernhof.“
Eugen Bayer, Geschäftsführer der Naturenergie Schwaben (SNE) und damit eines weiteren Marktpartners der Getreide-EG, hieß den Anteilsverkauf gut, weil damit das Risiko gestreut werde. „Was mit dem Erlös passiert, das ist eine andere Frage, die noch intensiv diskutiert werden muss.“ Bayer zufolge kann die Bayernhof die Beziehungen der Getreide-EG zu den regionalen Marktpartnern nicht ersetzen. Auch der SNE-Geschäftsführer sprach sich für eine Optimierung der Kommunikation zwischen EG und Mitgliedern aus. In der zweiten August- und ersten Septemberhälfte sei die Weizennotierung um drei Euro eingebrochen, der richtige Verkaufszeitpunkt könne also sehr entscheidend für die Gewinnmarge sein.
„Die Ernte war heuer keine große Kunst“, erklärte Riehr im Rückblick auf das entspannte Einbringen des Getreides. Aus der noch im Frühjahr erwarteten Rekordernte sei nach der extremen Trockenheit allerdings nichts geworden. Je nach Wasserversorgung der Böden ergaben sich lokal recht unterschiedliche Erträge bei Weizen, Gerste und Dinkel. „Aber die Qualität ist top und die Region gut versorgt.“ Den Preiseinbruch auf dem Getreidemarkt führte Riehr auf die starken Importe von Körnermais aus der Ukraine zurück. Diese drückten auf die Preise für Futtergetreide, was wiederum für Druck auf das Mahlgetreide sorgt.
Den Landwirten, die jetzt auf noch höhere Preise spekulieren, riet der EG-Vorsitzende zur Vorsicht. „Solch hohe Preise werden vielleicht so schnell nicht wiederkommen.“ Auch von den Qualitätszuschlägen sollten sich die Anbauer nicht allzu viel erwarten, da heuer fast nur Qualitätsgetreide geerntet wurde. Nachdem schon der Preis für Futtergetreide in die Höhe geschossen war, zog der Dinkel bis Mitte September auf 20 €/dt für Vertrags- und auf 25 € für freie Ware nach. Dennoch: „Der Mais aus der Ukraine wird uns weiter zu schaffen machen.“

Entwicklungen
bei Bayernhof

Florian Petzenhauser, Getreidehändler bei der Bayernhof Erzeugergemeinschaften Vertriebs GmbH, erläuterte die neuesten Entwicklungen in dem Unternehmen. 2017 setzte es 415 000 t Getreide und Ölsaaten um, der geldwerte Jahresumsatz belief sich auf 90 Mio. €. Im Einzelnen wurden von der Bayernhof folgende Mengen vermarktet: 260 000 t Weizen, 47 000 t Raps, 31 000 t Körnermais, 26 000 t Braugerste, 18 000 t Futtergerste, 11 000 t Roggen, 8000 t Dinkel, 5000 t Triticale und 4000 t Sojabohnen. Über die Bayernhof Bio GmbH, eine 100 %ige Tochter der Bayernhof, wurden 10 000 t Getreide und Ölsaaten vermarktet – „Tendenz steigend“, wie Petzenhauser erklärte.
Derzeit steht der Bayernhof in ihren vier Hafen- und zwei Landlägern eine Lagerkapazität von insgesamt 100 000 t zur Verfügung. Im vergangenen Jahr und heuer wurden Dinkelschälanlagen an den Standorten Hankofen und Straubing eingerichtet. Die Bayernhof führt sowohl konventionelle als auch biologische Lohnentspelzung durch und produziert Dinkelbriketts für die Hühnerhaltung. In Angriff genommen wurde heuer der Umbau der Siloanlage am Standort Würzburg, wodurch eine zusätzliche Lagerkapazität von 11 000 t gewonnen wurde. Zu schaffen machen der Bayernhof bei der Getreideverschiffung die niedrigen Wasserstände von Donau und Main. Oft könnten die Schiffe nur mit der halben Tonnage auf den Weg geschickt werden. Durch die zentrale Steuerung der Getreidetransporte und die lediglich vier Hafenläger lasse sich die Verschiffung jedoch gut und flexibel koordinieren, so Petzenhauser. Durch die niedrigen Wasserstände fließen aber allgemein kaum Warenströme aus Bayern hinaus.
Abschließend warf der Agraringenieur einen Blick auf den Getreidemarkt, wo seit Anfang 2013 eine anhaltende Niedrigpreisphase zu verzeichnen war. Erst der trockene Sommer 2018 sorgte für einen drastischen Preisaufschwung. Allerdings befürchtet Petzenhauser, dass auch die Ernte 2019 noch von der Trockenheit betroffen sein könnte, nachdem die Winterungen heuer auf sehr trockenen Böden ausgesät werden müssen. Mais und Weizen wurden 2018 weniger produziert als verbraucht, beim Raps dagegen decken sich Produktion und Verbrauch. Michael Ammich