Konferenz

Es herrscht großer Informationsbedarf

Landwirtschaft
Toni Ledermann
am Donnerstag, 25.02.2021 - 16:40

Das AELF Kaufbeuren informierte mit dem Wasserwirtschaftsamt Kempten (WWA) zu „Gelben“ und „Roten“ Gebiete im Ostallgäu.

Auf Einladung des AELF Kaufbeuren und in Zusammenarbeit mit dem Wasserwirtschaftsamt Kempten (WWA) informierten in einer Online-Veranstaltung mehrere Referenten über die Düngeverordnung und die Ausweisung Roter und Gelber Gebiete im Ostallgäu. Die Veranstaltung wurde von Anton Miller vom AELF Kaufbeuren moderiert. Etwa 320 Zuhörer hatten sich eingewählt. Die Pflanzenbauberater Daniel Dörfler und Michael Kistler vom AELF Kaufbeuren hatten die Veranstaltung organisiert.

Die Düngeverordnung (DüV) verpflichtet die Landesregierungen in § 13 a DüV in Gebieten mit einer hohen Stickstoffbelastung des Grundwassers (so genannte „Rote Gebiete“) oder einer Eutrophierung von Oberflächengewässern mit Phosphat (so genannte „Gelbe Gebiete“) per Landesverordnung auszuweisen und für diese Gebiete zusätzliche Auflagen bei der Landbewirtschaftung und Düngung zu erlassen. Betriebe in wenig belasteten Gebieten (so genannte „Grüne Gebiete“) können im Gegenzug Erleichterungen erhalten.

Eine Gebietskulisse wird ausgewiesen

Mit der „Verordnung über besondere Anforderungen an die Düngung und Erleichterungen bei der Düngung (Ausführungsverordnung Düngeverordnung – AVDüV)“ kommt die bayerische Landesregierung ihrer Pflicht nach, eine Gebietskulisse auszuweisen und Maßnahmen festzulegen. Die AVDüV wurde am 22. Dezember 2020 vom bayerischen Ministerrat beschlossen und gilt seit 1. Januar 2021.

Dörfler zeigte mit dem Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes die Arbeitsschritte zur Ausweisung von mit Nitrat belasteten Gebieten auf: Am Anfang stehe die Ermittlung von Grundwasserkörpern mit erhöhten Nitratwerten. In der Landwirtschaft erfolge dann die Herausnahme von unbelasteten Teilgebieten. Dabei werde auch die „Nitratsaustragsgefährdung“ ermittelt. Weiter werden die Flächen herausgenommen, bei denen der Stickstoffsaldo geringer ist, als der tolerierbare Stickstoffüberschuss. Zum Abschluss erfolge eine Plausibilitätsprüfung.

Eignung der Messstellen wird kontrolliert

Wie umfassend ist eigentlich das Messnetz, nachdem sich die Behörden richten? Bayernweit sind es 588 Messtellen, von denen aktuell 50 Messstellen der Trinkwassergewinnung dienen. Herangezogen werden die Nitrat-Messdaten aus dem Zeitraum 2016 bis 2019, also jährliche Mittelwerte aus diesem Zeitraum.
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Da immer wieder auch die Anforderungen an die Grundwassermessstellen im Blickpunkt stehen, ging der Referent auf die Mindestanforderungen ein. Diese sind unter anderem die Eignungsprüfung und regelmäßige Kontrollen, Verfilterung im oberflächennächsten und wasserwirtschaftlich bedeutenden Grundwasserleiter. Ausschlusskriterien seien, wenn die Messstelle beeinflusst ist von Punktquellen nicht landwirtschaftlichen Ursprungs, etwa Altlasten oder Industrieanlagen. Ebenso Messstellen mit signifikantem Zufluss von ungefilterten Oberflächenwasser wie Drainagen und Fremdwasser.

Das Wasserwirtschaftsamt stellte anhand von Karten die heimischen Messstellen vor, die sich im Ostallgäu im Raum Irsingen/Türkheim, Buchloe, Langerringen, und weiter nach Denklingen, Meitingen, Kaufering und Augsburg befinden. Insgesamt sind es zehn Messstellen, davon liegen zwei über dem Schwellenwert von 50/mg Nitrat/l, eine über 37,5 mg/ Nitrat/l – mit steigendem Trend.

Zur Ermittlung der Nitrataustragungsgefährdung zu einem Zielwert von unter 50 mg/l Nitrat im Sickerwasser unterhalb der durchwurzelten Bodenzone sind bei der Modellierung folgende Faktoren zu berücksichtigen: Immobilisierung, Denitrifikation, atmosphärische Deposition und die standortspezifische Sickerwasserrate.

Von den fünf bis sechs Messstellen, die bis 2024 notwendig sind, seien bereits zwei langfristig vorhanden. Die nächste Aktualisierung der Gebietskulisse sei frühestens Ende 2022.
Welche bundeseinheitlichen Maßnahmen stehen in den roten Gebieten an?
  • Eine Verringerung des Stickstoffdüngungsbedarfs um 20 % im Durchschnitt der Roten Flächen (gilt nicht für Dauergrünland, sofern das Dauergrünland nicht mehr als 20 % der Roten Fläche eines Grundwasserkörpers umfasst.
  • Eine Grenze von 170 kg Stickstoff je Hektar aus organischen Düngemitteln, einzelflächenbezogen. Mit Ausnahme für Betriebe, die im Durchschnitt der Flächen im Roten Gebiet nicht mehr als 160 kg Gesamtstickstoff pro Hektar und Jahr ausbringen und davon maximal 80 kg N mineralisch.
  • Verbot der Herbstdüngung zu Wintergerste, Winterraps und Zwischenfrüchten; mit Ausnahme von Winterraps, wenn < 45 kg N verfügbar beziehungsweise Festmistdüngung von Huf- und Klauentieren maximal 120 kg N/ha.
  • Längere Sperrfristen für Gülle (Grünland und mehrjährigem Feldfutterbau 1. 10. bis 31. 1.), und Mist (1. 11. bis 31. 1.). Weiter verpflichtender Zwischenfurchtanbau bis 15. Januar vor Sommerungen, wenn diese mit Stickstoff gedüngt werden sollen.
Zu den bayerischen Auflagen in den Roten Gebieten gehört auch: Vor Aufbringung wesentlicher Mengen an Stickstoff auf jedem Schlag oder jeder Bewirtschaftungseinheit ist der Bedarf in Form einer repräsentativen (Nmin) Untersuchung nachzuweisen. Vor der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern müssen diese auf N-gesamt, Ammonium-N und Gesamtphosphat untersucht werden. Das gelte für die mengenmäßig bedeutendsten Wirtschaftsdünger. Es bestehen Erleichterungen für Betriebe, die keine Flächen in den Roten oder Gelben Gebieten und nicht mehr als 20 % in Wasserschutzgebieten haben.

Programme nutzen zur Bedarfsermittlung

Michael Kistler wies darauf hin, dass die Düngebedarfsermittlungsprogramme als online- und Excel-Version zur Verfügung stehen. In den Programmen sei sowohl die Düngebedarfsermittlung wie auch die Aufzeichnung und Dokumentation der Düngung möglich. Bei Fragen zu den Programmen können die Ämter sowie Verbundpartner helfen.
Zum Komplex „Gelbe Gebiete“ wurde erklärt, dass unter Eutrophierung ein verstärktes Wachstum von Wasserpflanzen und Algen in Gewässern zu verstehen ist, das durch eine Anreicherung des Wassers mit Nährstoffen, vor allem durch Phosphor, hervorgerufen wird. Zum Schutz von Oberflächengewässern würden Gebiete mit einer Eutrophierung in Flüssen und Seen als so genannte „eutrophierte Gebiete“ (gelbe Gebiete) ausgewiesen. Die Gebietsausweisung erfolge nach den Vorgaben der DüV und der AVV DüV.