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Milchviehhaltung

Herdenlebensleistungen steigen an

Michael Ammich
am Montag, 01.02.2021 - 09:27

Im Milcherzeugerring Wertingen geht es den Kühen gut — und der Trend hält an

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Nach Jahren beständigen Wachstums hat sich die durchschnittliche Herdengröße im Zuchtverband Wertingen bei 61,8 Kühen stabilisiert. Davon hebt sich der Landkreis Dillingen, in dem sich die Herdengröße im Mittel auf 70 Milchkühe steigerte, deutlich ab.

Den Vorwurf von Tierschützern, dass es den Kühen in großen Betrieben schlechter gehe, weist der Zuchtleiter des schwäbischen Fleckviehzuchtverbands entschieden von sich. „Wer die Fitness- und Gesundheitsdaten näher analysiert, wird feststellen, dass sich diese mit steigender Herdengröße und Herdenleistung verbessern“, betont Friedrich Wiedenmann.

Verbesserte Tiergesundheit und steigende Lebensleistung

Durch die verbesserte Tiergesundheit wachsen die Herdenlebensleistungen im Milcherzeugerring Wertingen schon seit Jahren stärker an als die Jahresdurchschnittsleistungen. Das sei ein klares Indiz für die erfolgreiche Arbeit in Richtung Langlebigkeit, erklärt Wiedenmann. Kurzlebiger sind dagegen die Betriebe geworden, die dem Konkurrenzdruck auf den Märkten oder der wachsenden Arbeitsbelastung nicht mehr standhalten können.

So ging die Gesamtzahl der Herdbuchbetriebe im vergangenen Jahr erneut zurück, und zwar um 33 auf nurmehr 844. Besonders stark war der Rückgang in den Landkreisen Aichach-Friedberg mit minus 8,2 %, Dillingen mit minus 8,1 % und Neu-Ulm mit minus 8 %. Auch die Zahl der Herdbuchbetriebe reduzierte sich ringweit um 4,3 %. Die Kuhzahlen gingen in den Kreisen Aichach-Friedberg (minus 5,9 %) und Neu-Ulm (minus 4,7 %) zurück.

Bei der Milchleistung konnten die Herdbuchkühe im Verband um insgesamt 171 auf 8352 kg zulegen. Besonders hohe Leistungssteigerungen waren 2020 im Donau-Ries-Kreis (+ 335 kg) und im Landkreis Neu-Ulm (+ 271 kg) zu verzeichnen. Die Dillinger Milchviehhalter konnten die Milchleistung ihrer Kühe um 175 auf 8556 kg erhöhen und belegen damit jetzt den Spitzenplatz im Ranking des Milcherzeugerrings.

Herdengröße bei 61,8 Kühen

Die Allgäuer Fleckviehzüchter rutschten dagegen auf den zweiten Rang ab, nachdem sie ihr traditionell hohes Leistungsniveau nicht weiter zu steigern vermochten. Im gesamten Verband lagen die durchschnittliche Herdengröße bei 61,8 (+ 1,1) Kühen, die Milchleistung bei 8352 (+ 171) kg, der Fettgehalt in der Milch bei 4,18 (+ 0,02) % und der Eiweißgehalt unverändert bei 3,53 %.

Bezogen auf die Landkreise ergaben sich im vergangenen Jahr bei der Milchleistungsprüfung der Wertinger Züchter folgende Ergebnisse:

  • Aichach-Friedberg: 110 (äü- 9) teilnehmende Betriebe mit 6366 (- 378) Kühen, durchschnittliche Milchleistung 8431 (+ 76) kg, 4,19 (+ 0,03) % Fett und 3,56 % (unverändert) Eiweiß.
  • Augsburg: 166 (- 4) Betriebe, 10.217 (- 352) Kühe, 8150 (+ 91) kg, 4,16 (+ 0,02) % Fett und 3,51 % Eiweiß.
  • Dillingen: 135 (- 11) Betriebe, 9335 (- 67) Kühe, 8556 (+ 175) kg, 4,18 (+ 0,04) % Fett und 3,54 % Eiweiß.
  • Donau-Ries: 183 (- 8 ) Betriebe, 10.419 (- 268) Kühe, 8346 (+ 335) kg, 4,14 (+0,01) % Fett und 3,54 (+ 0,01) % Eiweiß.
  • Günzburg: 115 (- 2) Betriebe, 7112 (- 108) Kühe, 8108 (+ 129) kg, 4,26 (+0,02) % Fett und 3,53 % Eiweiß.
  • Neu-Um: 50 (- 4) Betriebe, 3061 (- 144) Kühe, 8304 (+ 271) kg, 4,22 (+ 0,01) % Fett und 3,51 (- 0,01) % Eiweiß.
  • Allgäu: 54 (+ 2) Betriebe, 2889 (+ 159) Kühe, 8509 (- 17) kg, 4,12 % Fett und 3,54 (- 0,01) % Eiweiß.

Rückgang der Kuhzahlen

Beim Rückgang der Kuhzahlen zeigt sich in Bayern ein klares Nord-Süd-Gefälle, stellt LKV-Teamleiter Hermann Rager-Kempter anhand der Ergebnisse aller Betriebe unter Leistungsprüfung fest. Im Norden seien die Abgangszahlen höher als im Süden.

Umgekehrt verläuft das Nord-Süd-Gefälle bei der Leistungsentwicklung. Während die Ansbacher Züchter die Leistung ihrer Tiere im Mittel um 371 auf 8610 kg steigern konnten, zeigte sich in der Region um Kempten ein Minus von 25 auf 7945 kg. Allgemein mussten die Milchviehhalter im Grünland- bzw. Alpengürtel Leistungseinbußen einstecken.

Beim Vergleich der Rinderrassen beweist sich das schwäbische Fleckvieh mit einer Leistung von 8122 (+ 175) kg und liegt damit über dem bayerischen Trend. Die Schwarzbunten legten um 206 auf 9234 kg zu. Aber auch die Braunviehzüchter im Wertinger Ring steigerten die Milchleistung ihrer Kühe um 75 auf 8532 kg. Bayernweit dagegen verlor das Braunvieh 69 auf 7582 kg.

22 neu hinzugekommen Kühe mit einer Lebensleistung von mehr als 100 000 kg

Für die verbesserte Gesundheit und Langlebigkeit des Milchviehs im schwäbischen Fleckviehzuchtverband sprechen auch die 22 neu hinzugekommen Kühe mit einer Lebensleistung von mehr als 100 000 kg im Zuchtverband Wertingen:

  • Landkreis Aichach-Friedberg: 660 (V: Mandela) von der Grießer GbR in Ingstetten, 288 von (V: Rustico) von Josef Gamperl in Oberbachern, 484 (V: Sponsor) von der Wunder GbR in Eismannsberg und Fanni (V: Astox) von Andreas Seemüller in Pichl.
  • Landkreis Augsburg: 836 (V: Ratgeber) und 826 (V: Daim) von der Alois und Josef Fichtel GbR in Häder, 433 (V: Hulock) von Albert Hößle in Langenneufnach, Vento (V: Martl) von der Stork GbR in Schwabmühlhausen und Anna (V: Ricardo) von Franz Baur jun. in Langerringen.
  • Landkreis Dillingen: 21 (V: Romsel) von der Hermanns Agrar GbR in Reistingen und Barbie (V: Manitoba) von Otto Kanefzky in Roggden.
  • Landkreis Donau-Ries: Gensel (V: Samut) von der Böswald GbR in Reichertswies, XXX (V: Shaker) von der Thomas Kraus U.M. GdbR in Wolferstadt, 539 (V: Maistern) von der Kolb GbR in Lerchenbühl und Bony (V: Jux) von Josef Bissinger in Mertingen.
  • Landkreis Günzburg: Rosette (V: Ratgeber) von Gottfried Bader in Breitenthal und 9541 (V: Ratgeber) von Gerhard Traxler in Waldheim.
  • Landkreis Neu-Ulm: Betty (V: Daim) von Michael Bischof in Erbishofen, Nena (V: Malach) von Ulrich Durst in Finningen, Dame (V: Inder) und Kira (V: Romsel) von Ferdinand Schäfer in Kadeltshofen.
  • Landkreis Oberallgäu: Paula (V: Wal) von Peter Weixler in Reicholzried.

Angebot einer Kuhkomfort-Beratung

Nur gesunde Kühe, die sich wohl fühlen, geben auch viel Milch. Deshalb bietet das LKV eine Kuhkomfort-Beratung an, die in der Region Schwaben seit Mitte 2020 von Christina Wiedenmann durchgeführt wird. Sie hilft den Milcherzeugern, Schwachstellen in ihren Betrieben zu ermitteln und durch praxistaugliche Maßnahmen zu beheben.

„Die Erfahrungen in über 150 Anbinde- und Laufställen zeigen, dass sich auch in älteren Ställen mit einfachen Maßnahmen oft deutliche Verbesserungen beim Kuhkomfort erreichen lassen“, bestätigt Rager-Kempter. Viele der Maßnahmen kosteten überdies nur wenig Geld, weil Landwirte diese mit ein paar Handgriffen selbst erledigen könnten.

Wer die Fitness- und Gesundheitsdaten näher analysiert, wird feststellen, dass sich diese mit steigender Herdengröße und Herdenleistung verbessern.

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