Bildung

Hausarbeit ist ein Kraftakt

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Michael Ammich
am Freitag, 07.05.2021 - 14:01

Schulleiter Magnus Mayer verabschiedet sich an der der Wertinger Landwirtschaftsschule von seiner letzten Abschlussklasse. Die Pandemie stellte vor besondere Herausforderungen.

Die diesjährigen Absolventen der Wertinger Landwirtschaftsschule werden Magnus Mayer immer in Erinnerung bleiben. „Und das nicht nur, weil sie der letzte Jahrgang vor meiner Pensionierung sind, sondern auch aufgrund der ganz besonderen Umstände ihres Schulbesuchs“, sagte der Schulleiter und Chef des AELF Wertingen bei der Abschlussfeier im engsten Kreis.

Als Prüfungsbeste wurden Christoph Rau (Durchschnittsnote 1,62), Alexandra Enslin (1,81) und Isabell Kastner (1,93) mit Urkunden und Stipendien ausgezeichnet. Der Notendurchschnitt aller Absolventen bewegte sich insgesamt bei 2,76 und damit im Mittel der vergangenen Jahre.

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Einen Rückblick auf ihre dreisemestrige Schulzeit in Wertingen hielten die beiden Semestersprecher Thomas Hurler und Isabell Kastner. Die Stärken und Schwächen der einzelnen Lehrkräfte wurden von Michael Sing gekonnt auf witzig-charmante Art aufs Korn genommen. Schulleiter Mayer gefielen die Ausführungen Sings dermaßen gut, dass er ihm empfahl, sich um die Stelle des Hofnarren zu bewerben, falls diese je in der Landwirtschaftsverwaltung eingerichtet werden sollte.

In seiner Abschlussansprache bekundete Mayer, er habe anfangs gar nicht glauben wollen, dass sich der Unterricht an der Landwirtschaftsschule auch online durchführen lässt. Doch der Übergang vom Präsenz- in den Fernunterricht habe sich dann fast nahtlos gestaltet. Immerhin, wenigstens für die Studierenden aus schweinehaltenden Betrieben seien ja seuchenhygienische Konzepte nichts Neues gewesen, so Mayer mit einem Augenzwinkern. „Unter den Vorzeichen der Afrikanischen Schweinepest kann man da gar nicht genug Übung bekommen.“ Im übrigen sei dem „IT-Dino“ Magnus Mayer dann doch noch ein halbwegs vernünftiger Unterricht gelungen.

Die Hausarbeit war für die meisten der Studierenden ein wahrer Kraftakt. „Der blanke Wahnsinn, was man über einen landwirtschaftlichen Betrieb so alles rechnen und schreiben kann“, schilderte Mayer die ungewohnte Aufgabe. Bevor die Studierenden den Meisterbrief in der Tasche haben, gelte es jetzt noch an einer Fremdbetriebsbeurteilung und einem Arbeitsprojekt zu schreiben.
Nur ein Teil der Praxisschultage konnte draußen stattfinden, der andere Teil lief online ab. Umso mehr dürften die Absolventen jetzt stolz auf das Erreichte sein, sagte der Schulleiter. „Bleiben Sie neugierig im landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich, igeln Sie sich nicht auf Ihren Höfen ein, sondern werden Sie in der Öffentlichkeit aktiv.“ Die Landwirtschaft sei zwar ein schöner Beruf, stehe aber unter wirtschaftlichem Dauerdruck. „C-Klassen-Fußball mag spannend sein, doch viel verdienen lässt sich nur in der Bundesliga.“ Im harten Wettbewerb müsse der Landwirt seine betrieblichen Voraussetzungen richtig einschätzen können – bis hin zum Entschluss, sich anders zu orientieren. Genau das sei der Sinn und Zweck der Hausarbeit gewesen.
Mayer appellierte außerdem an die Absolventen, den Erfolg ihres beruflichen Lebens nicht nur an der Milchleistung, den täglichen Zunahmen der Tiere oder am Wirkungsgrad ihres Biogas-Blockheizkraftwerks zu messen. Der Landwirt selbst und seine Familie seien allemal wichtiger als solche betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Der Schulleiter bedankte sich abschließend auch bei den Lehrkräften, welche die Herausforderungen des Online-Unterrichts in der Ausnahmesituation professionell bewältigt hatten.