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Vor Ort

Den Hackroboter nach vier Jahren abbezahlt

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Dr. Michael Ammich
am Samstag, 26.06.2021 - 09:25

Auf dem Biobetrieb Mayerle im Landkreis Dillingen macht ein Hackroboter seit einigen Wochen das händische Hacken fast überflüssig.

Auf dem Biobetrieb Mayerle in Wittislingen (Lks. Dillingen) ist eine Vision bereits Realität. Seit einigen Wochen bewegt sich dort ein Hackroboter über 14 ha Zuckerrübenfelder und macht das händische Hacken nahezu überflüssig. Vor drei Jahren hat die Familie ihren Ackerbaubetrieb mit Rindermast auf den viehlosen ökologischen Landbau umgestellt und produziert heuer erstmals reine Bioware. Die Nutzfläche des Naturland-Betriebs beläuft sich auf 140 ha, davon entfallen 14 ha auf den Anbau von Bio-Zuckerrüben. Vor der Umstellung kultivierten die Mayerles überhaupt keine Zuckerrüben, der Schwerpunkt im Ackerbau lag auf der Kartoffel. Als dem Biobetrieb von der Zuckerfabrik in Rain ein dauerhafter Vertragsanbau über 14 ha zugesichert worden war, fiel die Entscheidung zum Kauf eines Hackroboters.

Auf lange Sicht wirtschaftlicher

„Wir waren mit unserer Arbeitskapazität an der Grenze angelangt“, erklärt Ulrich, der gleichnamige Sohn des Betriebsleiters Ulrich Mayerle. Als Alternative zu einem Roboter hätte sich zwar auch die Anstellung von Fremdarbeitskräften angeboten, aber „ich bin technik- und digitalaffin“, sagt der 35-jährige Biobauer. Außerdem sei ein Hackroboter auf lange Sicht wirtschaftlicher.

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Die Rechnung ist schnell gemacht: Der Hackroboter des dänischen Herstellers Farmdroid kostete 87 000 €, die zu 40 % über einen Zuschuss des Bayerischen Sonderprogramms Landwirtschaft Digital (BaySL Digital) abgedeckt werden konnten. Die Bindungsfrist beläuft sich auf fünf Jahre. Rechnet man für einen Hektar Bio-Zuckerrüben mit 100 Stunden händisches Hacken zu einem Stundenlohn von 12 €, dann kommen für 14 ha insgesamt rund 17 000 € zusammen. Der Eigenanteil der Mayerles am Hackroboter beläuft sich auf 52 000 €, das sind 3700 € pro Hektar Rübenfläche. Spätestens nach vier Jahren ist das Roboterhacken also wirtschaftlicher als das händische Hacken durch Fremdarbeitskräfte. Außerdem lässt sich der Roboter im Herbst auch zum Säen und Hacken von Raps einsetzen, hofft Mayerle.

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Für seine Bio-Zuckerrüben kalkuliert der Landwirt mit einem Preis von 10,50 €/dt und mit einem Ertrag von 80 dt/ha. Das sind nur 10 dt weniger, als die konventionellen Rüben im Rainer Anbaugebiet durchschnittlich leisten. Weil die Bio-Rüben für die Zuckerfabrik stets schon Mitte September vor den konventionellen Rüben gerodet werden, ist ihr Zuckergehalt geringer. Deshalb hat sich Mayerle für die Sorte „Lomosa“ entschieden, die früher als andere Rübensorten reift.

Bei allen Rübenfeldern wendet der Biobauer das Mulchsaatverfahren an. Wo als Vorfrucht dreijährig die Luzerne stand, wurde sie im Sommer gefräst, anschließend eine Zwischenfrucht angebaut und diese Mitte Oktober flach eingefräst. Der Mulch blieb über den Winter liegen, bei Frost erfolgte schließlich ein Grubberstrich. Vor der Aussaat der Rüben zog Mayerle die Flächen zweimal mit einer Saatbettkombination ab. Gestriegelt wurde der Acker nicht, sondern sofort der Roboter zum Säen eingesetzt.

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„Voraussetzung für den Einsatz eines Hackroboters ist ein ebenes Feld“, erklärt der Biobauer. Wenn der Roboter mit dem Schlepper zum Zuckerrübenfeld gefahren wird, muss er erst einmal mit einer seiner beiden Antennen genau über einem Grenzstein als Ausgangspunkt platziert werden. Über die Antennen ist er mit RTK-Genauigkeit mit einer Feststation auf dem höchsten Punkt des Mayerle-Hofs verbunden, deren Reichweite 15 km beträgt. Die vordere Antenne des Roboters hält seinen Standort fest, die hintere Antenne dient ihm zur Orientierung. Nachdem mit dem Roboter sämtliche Grenzsteine an den Rändern des Rübenackers abgefahren wurden, kennt die Maschine den Umgriff des Felds.

Jetzt geht es für Mayerle an das Einstellen der Reihen, über einen Bordcomputer gibt er zudem den Saatabstand ein. So weiß der Roboter später beim Hacken genau, wo jede einzelne Rübe steht. Außerdem diktiert Mayerle dem Roboter die Größe des Vorgewendes, damit sich dieser am Feldrand wie ein Schlepper dreht, aus- und wieder einsetzt. Über einen Sensor erkennt das Gerät bei der Ablage, ob ein Saatfehler entsteht. In diesem Fall bleibt er stehen und meldet den Fehler über eine App auf Mayerles Smartphone. Mayerle sagt: „Der Roboter hat zehn Hektar Rüben ohne Saatfehler gesät. Nur bei einer Sorte hat er sich alle zwei Stunden gemeldet, weil die Kaliber der Saatkörner unterschiedlich waren.“

Meldung an das Smartphone

Hat der Hackroboter ein Feld abgeschlossen, kehrt er zum Ausgangspunkt zurück. Außerdem meldet er über das Smartphone, wenn er mit seiner Arbeit fertig ist oder Nachschub an Saatgut benötigt. Ein Nachteil des Roboters: Er kann nur gerade Strecken fahren, sodass er auch entsprechend gerade Reihen braucht. Der große Vorteil: Er kann auch unbeaufsichtigt arbeiten. Eine 1,20 m breite Sicherheitsreserve vor den Feldrändern verhindert, dass der Roboter aus dem Acker fährt. Zudem ist an seinen Seiten auf Kniehöhe eine Sicherheitsleine angebracht. Sobald es einen Kontakt mit der Leine gibt, bleibt der Roboter stehen und schickt eine Meldung an das Smartphone.

„Leider erkennt der Roboter keine Wiesenbrütergelege oder liegende Rehkitze“, bedauert Mayerle. „Aber beim Pflügen und Striegeln verhält es sich auch nicht anders. Das ist der Preis von Bio.“

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Über den Bordcomputer kann Mayerle die Hacktiefe und den Abstand vor und nach den einzelnen Pflanzen einstellen. Während der Roboter beim Säen seine Geschwindigkeit selbst reguliert, muss diese für das Hacken eingestellt werden. „Innerhalb von vier Tagen waren die vierzehn Hektar Rüben angesät und dieselbe Zeit hat der Roboter auch für das Hacken gebraucht“, stellt Mayerle fest. Von der Saat der Rüben am Ostersonntag bis Anfang Juni bewegte sich der Hackroboter insgesamt fünfmal über die Felder. „Ein Vorteil ist, dass er auch blindhacken kann, weil er ja genau weiß, wo jede Rübe steht.“

Angetrieben wird der Roboter von einem Lithium-Ionen-Akku, der über ein großes Solarpanel aufgeladen wird. Ist die Sonneneinstrahlung intensiv genug, ist er mit einer Akkuladung einen Tag und eine Nacht lang unterwegs. Ist die Batterie einmal leer, dann lässt sie sich entweder gegen eine aufgeladene austauschen oder der Roboter bleibt eben so lang auf dem Feld stehen, bis die Sonne wieder scheint.

Außerdem kann er auch zeitgesteuert werden, sodass er beispielsweise von 23 Uhr bis zum Sonnenaufgang seine Arbeit einstellt. Darüber hinaus hat Mayerle den Roboter angewiesen, stehen zu bleiben, falls innerhalb von zwei Stunden mehr als ein Millimeter Regen fällt. Ein Regensensor oben auf dem Gerät macht es möglich.

Bislang ist Ulrich Mayerle mit seinem Hackroboter sehr zufrieden. „In seinen bisher gut 500 Einsatzstunden ist er im Grunde reibungslos gelaufen.“ Nur ein Problem hat sich trotz Roboter nicht gelöst: Das händische Hacken ist nach wie vor, wenn auch in erheblich geringerem Umfang, erforderlich. Der Roboter kann nämlich nicht nahe genug an den Rübenpflanzen hacken, um beispielsweise einen Ehrenpreis oder eine Melde unmittelbar neben der Rübenwurzel aus der Erde zu reißen. Dann ist im Nachgang ab und zu Handarbeit gefragt.