Aktion

Gutes Mehl von guten Böden

Bodenbrot4b
Anja Kersten
am Donnerstag, 18.02.2021 - 18:09

Die „Freien Bäcker“ weisen mit einer besonderen Aktion auf die wichtige Rolle der örtlichen Landwirtschaft hin. Schon seit Jahren praktiziert die Bäckerei Himmelbäck in Lauingen (Landkreis Dillingen an der Donau) den Weg der kurzen Lieferketten.

Jeden Tag gehen durch den Bau von Straßen, Gewerbeflächen und Siedlungen wertvolle Ackerflächen verloren. Diese Ackerflächen mit ihren fruchtbaren Böden sind die Grundlage für das tägliche Brot.

Doch dass jeder Hektar versiegelter Boden nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion zur Verfügung steht, darüber machen sich die wenigsten Menschen Gedanken. Die „Freien Bäcker“, eine unabhängige Berufsorganisation mit dem selbst gewählten Motto „Zeit für Verantwortung“ wollen das ändern und damit auch auf die wichtige Rolle der Landwirtschaft in der Region hinweisen.

Boden-Brot für Bildung

Bodenbrot2

Jürgen Lenzer, Inhaber der Bäckerei Himmelbäck in Lauingen, verkauft deshalb in seinen Läden noch bis zum 27. Februar das sogenannte „Boden-Brot“, bei dem von jedem Brot ein Euro als Spende in eine gemeinnützige Bildungsorganisation gehen soll. Von diesem Geld sollen „Boden-Botschafter“ geschult und finanziert werden, die den jungen, angehenden Bäckern die Bedeutung der Bodenfruchtbarkeit erklären.

Dabei soll eng mit Landwirten zusammengearbeitet werden, so Jürgen Lenzer. „Das Wissen, woher die Grundzutat des Bäckers, das Mehl kommt und dass der Boden die wichtigste Grundlage für das Mehl ist, wird in der Ausbildung zum Bäcker nämlich nicht vermittelt“, erklärt der Betriebsinhaber den Grund für diese Aktion.

Bodenbrot1

„Wir sind auf demselben Weg unterwegs“, begrüßt auch Annett Jung, Kreisbäuerin im Landkreis Dillingen, die Aktion. „Was für den Bäcker das Mehl ist, ist für uns Landwirte der Boden.“ Sie findet es wichtig, dass die Bäckerlehrlinge wissen, welche Anstrengungen in der Landwirtschaft zum Humusaufbau unternommen werden, um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten.

Dabei geht es beispielsweise um Bearbeitungstechniken oder Fruchtfolgeplanung. Das Thema Pflanzenschutz soll dabei nicht ausgespart werden. „Es braucht Pflanzenschutz für sichere Ernten. Zu den Herausforderungen gehört beim Thema Boden auch die Verknappung des Bodens als Anlageprodukt und Spekulationsobjekt von Investoren. Bauernland gehört in Bauernhand“, so die Kreisbäuerin.

Schon seit Jahren praktiziert die Bäckerei Himmelbäck den Weg der kurzen Lieferketten. Die Mayershofer-Mühle, die das Getreide regional bezieht und das Mehl für das Brot liefert, liegt nur neun Kilometer entfernt. Den Landwirt, der ihm Emmer für sein Boden-Brot liefert, kennt Jürgen Lenzer persönlich. „Natürlich begrüße ich die Aktion und auch unsere Zusammenarbeit“, meint Andreas Kugler, Biolandwirt aus Lauingen, der den Emmer in Bioqualität auf 1,5 Hektar anbaut. Emmer ist für viele leichter verträglich als Weizen.

Kurze Lieferketten

Bodenbrot5

Auch für das Boden-Brot hat der Bäcker den Emmer aus Lauingen als Hauptbestandteil ausgewählt. Darüber hinaus stecken in dem Brot 30 % Dinkel, Quark, Hefe und Salz, alles soweit wie möglich aus der Region.

Und als eine der wichtigsten Zutaten steckt in jedem Brot, in jedem Gebäck viel Zeit. Denn dem Brot und den Backwaren vom Himmelbäck werden weder Enzyme noch andere Zusatzstoffe zugesetzt, die die Gärung beschleunigen könnten. Das aber kostet Zeit.

Doch das Ergebnis ist ein Brot, das nicht nur einen Tag gut schmeckt und danach ausgetrocknet ist, sondern ein Brot, das die Älteren noch aus ihren Kindheitstagen kennen als es noch keine Backmischungen und jede Menge Hilfsstoffe gab. Viele der Bäckereien setzen aus Kostengründen statt auf Mehl oder Eier aus der Region auf Zutaten aus aller Welt, die viel preiswerter sind.

Vorsatz endet an Theke

„An der Ladentheke scheitert dann oft der gute Vorsatz des Verbrauchers. Da ist es dann plötzlich nicht mehr so wichtig, woher die Zutaten kommen“, so die Erfahrung von Landwirt Andreas Kugler. Dass mit dem Kauf von Brot, das aus Zutaten aus der Region hergestellt wird, auch die Wertschöpfung in der Region bleibt, ist den wenigsten bewusst.

Auch deshalb setzt Jürgen Lenzer auf Regionalität und Aufklärung. Auf jeder Tüte, in dem das Boden-Brot gepackt wird, ist zu lesen, was die „Freien Bäcker“ bewegt hat und wie das Geld verwendet werden soll. Es ist die Verantwortung für diese und auch für die nächsten Generationen.

Bis jetzt gehören 43 Bäcker dieser Berufsorganisation an, darunter auch Bäcker aus Österreich und Südtirol. In Schwaben sind es neben der Bäckerei Himmelbäck die Bäckerei Cupanum, die in Augsburg und Umgebung ansässig ist.