Technik

Gute Erfolge mit heißem Wasser

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Toni Ledermann
am Donnerstag, 30.09.2021 - 11:45

Das AELF Krumbach-Mindelheim und der MR-Unterallgäu zeigen Hilfsmittel im Kampf gegen Ampfer. Die neue Technik könnte helfen.

Benningen/Lks. Unterallgäu Die Bekämpfung von Ampfer im Grünland ist ein Dauerthema. Er kommt meist wieder, trotz Spritzens oder Stechens. Neue Technik könnte helfen. Östlich von Benningen auf einer Fläche des Maschinenring-Vorstands Michael Wechsel fand hierzu eine Vorführung statt.

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Michael Stiegeler vom MR Unterallgäu begrüßte die zahlreich erschienen Bäuerinnen und Bauern. Neben Wechsel waren auch Pflanzenbauberaterin Veronika Mayr sowie ihre Kollegin Stefanie Lange vom AELF-Krumbach-Mindelheim mit vor Ort. Mayr erläuterte: „Die Ganzflächenunkraut-Bekämpfung im Grünland ist ab 2022 verboten. Wir haben dann noch die Einzelpflanzenbekämpfung mit Rückenspritze oder Ampferstecher. Bei großen Flächen ist das sehr mühsam.

Helfen könnte da der RumboJet 880 von Allgäu-Automation GmbH aus Oy-Mittelberg und von Kärcher. Beim Kärcher erfolgt die Bekämpfung des Ampfers mit heißem Wasser, was „wohl besonders für die Biobauern von Interesse“ sein könnte, wie Mayr sagte. Der RumboJet 880 und vergleichbare Geräte seien bei Kulap-Programmen, in denen eigentlich nur Einzelpflanzenbekämpfung gestattet ist, erlaubt.

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Auf Flächen mit Bewirtschaftung im Rahmen des Vertragsnaturschutzes befinde sich die Zulassung noch in der Klärungsphase.

In der Regel würden Pflanzenschutzmittel wie Harmony und Ranger angewandt, wobei das erstgenannte Mittel kleeschonender sei. Die Aufwandsmenge liege bei 45 g/ha und Jahr. Mit der wichtigste Teil der Ampferbekämpfung, gleich welche Technik eingesetzt wird, sei aber die Nachsaat des Grünlandbestandes nach der jeweiligen Behandlung, machte Mayr deutlich.

Sommer ist der beste Zeitpunkt

Der beste Zeitpunkt den Ampfer zu bekämpfen sei im Sommer, wenn der Ampfer wieder ausgewachsen ist, bestenfalls im Sechs- bis Achtblatt-Stadium – immer jedoch vor dem Rispenschieben. Bei Harmony und Ranger gelten jeweils die gleichen Wartezeiten von zwei Wochen, bevor das Gras wieder genutzt werden kann. Eine Förderung von der EU sei möglich, wobei die Technik dann nicht überbetrieblich zur Anwendung kommen dürfe.

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Nach dem RumboJet kam die Technik der Firma Kärcher zum Einsatz: der so genannte HDS-Trailer zur mechanischen und thermischen Behandlung von Ampfer. Er wurde von Firmenvertreter Martin Müller präsentiert. Es handelt sich dabei um einen speziellen Hochdruckreiniger der an einem Fahrzeug aufs Feld gefahren wird. Im vorderen Teil dieses Anhängers befindet sich ein Dieselmotor mit dessen Hilfe Heißwasser erzeugt wird, das mittels einer Lanze bis zu 90 Grad Celsius heiß an den Ampfer gelangt und somit die Pflanze zerstört. An der Wurzel komme das Wasser immer noch mit 65 Grad C an. Zwei Personen können mit diesem System gleichzeitig arbeiten, die Schlauchlänge beträgt je 40 Meter. Danach wird das Fahrzeug mit Anhänger entsprechend umgesetzt. Der Tank fasst 500 Liter Wasser, die im Dauerbetrieb 20 Minuten lang ausreichen.

Das Prinzip der thermischen Unkrautvernichtung beruht auf einer biochemischen Grundregel: Die meisten Eiweiße denaturieren ab einer Temperatur von etwa 42 °C. Das heißt, dass sich die Eiweiße verändern, aufbrechen und ihre Funktionen nicht mehr erfüllen können. Heißwasser ist die einzige chemiefreie Methode, die auch die Wurzeln erreicht. Selbst wenn die Wurzeln nicht sofort komplett vernichtet werden, werde das Unkraut mit jeder Heißwasseranwendung weiter geschwächt, erklärte Müller.

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Wird die Anwendung von Beginn an regelmäßig durchgeführt, werde das Nachwachsen gehemmt und die Anwendungshäufigkeit bereits im zweiten Jahr deutlich abnehmen. Als Faustregel gelte, so Müller, dass insgesamt drei bis vier Behandlungen im Jahr ausreichen. Immerhin sorge auch der Druck von 150 bar, und die Rotation des Lanzenkopfes dafür, dass sich der Ampfer auflöst!

Der große Vorteil der Heißwasser-Unkrautvernichtung gegenüber anderen Verfahren sei die geringe Umweltbelastung, Pflanze und Wurzel werden geschwächt und zerstört – auch der Samen. Was die Landwirte sehen konnten: Wenigen Wochen vorher war diese Technik hier bereits im Einsatz und zurück blieben nur braune Löcher, wo sich vormals der Ampfer breit gemacht hatte.