Düngung

Gülleausbringung - in die Luft blasen heißt Geldverlust

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Dr. Michael Ammich
am Dienstag, 11.09.2018 - 09:38

Landwirte informieren sich beim Güllefeldtag in Waldstetten über effiziente Ausbringverfahren

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Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht worden ist“, sagte AELF-Projektkraft Erwin Mayer auf dem Güllefeldtag des Maschinenrings Günzburg/Neu-Ulm und der Krumbacher Landwirtschaftsbehörde. Anstelle von Unmutsbekundungen gegen die neue Düngeverordnung ist jetzt der Blick nach vorne angesagt. Deshalb wurde auf dem Betrieb von Rudolf Göppel in Waldstetten im Landkreis Günzburg eine breite Palette von Maschinen vorgestellt, mit denen sich bei optimalen Witterungsbedingungen optimale Ergebnisse erzielen lassen. Optimal heißt in diesem Fall: Möglichst wenig Stickstoff in die Luft und möglichst viel in den Boden zu bringen, wo er gebraucht wird.
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Nachdem Behördenleiter Axel Heiß die Feldtagteilnehmer begrüßt hatte, wies Mayer, am AELF Krumbach zuständig für die Umsetzung der Düngeverordnung, darauf hin, dass es sich bei dem staatlichen Reglementierungswerk im Grunde um keine große Neuigkeit handelt. „Eine Düngeverordnung gibt es schon seit vielen Jahren.“ Im Übrigen würden die Bauern ihre Düngebedarfsermittlung bisher sehr gut erledigen und auch die Erstellung der Nährstoffvergleiche sei überwiegend in Ordnung.
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Bei Franz Helmle von der Landmaschinenschule Triesdorf laufen gleichwohl immer noch viele Beratungsanfragen auf, die aber meist die Technik der Gülleausbringung betreffen. „Viele Landwirte wollen nicht weg von der Breitverteilung“, resümierte Helmle. Umso wichtiger sei es, dass der MR für den Güllefeldtag ein breites Spektrum an Geräten organisiert hat, mit der sich die Vielfalt der Ausbring- und Einarbeitungstechniken zeigen lässt.

Maschinen zeigen die vielfältigen Varianten

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Insgesamt zwölf Maschinen führte Göppel auf einem Getreidestoppelacker und einem Weidelgrasfeld vor:
  • Pumptankwagen der Firma Bauer mit Trio-Breitverteiler von Möscha (Arbeitsbreite/AB 24 bis 27 m);
  • Grubber Corona von Kerner (AB 3 m);
  • Helix-Kurzscheibenegge von Kerner (AB 3 m);
  • Schleppschuhverteiler von Fuchs mit 12 m AB, Fassvolumen 10 m³;
  • Bomech-Fass (16 m³) mit Bomech-Schleppschuhverteiler (AB 15 m);
  • Fliegl-Schleppschuhverteiler Skate 150 (AB 15 m) mit Fliegl-Fass VFW Maxx-Line Plus (16 m³);
  • Scheibenschlitzgerät Fliegl Vario Disc SSG 60 mit 6 m AB an Fliegl-Fass PFW Poly Line (15,5 m³);
  • Scheibenschlitzgerät Veenhuis mit 8,40 m AB an Vervaet-Gülleselbstfahrer (14 m³);
  • Bomech-Fass (18 m³) mit Güllegrubber Evers Freiberger (AB 6 m);
  • Gülleselbstfahrer Holmer TV 600 (21 m³) mit Scheibenegge Amazone Catrots (6 m AB);
  • Festmiststreuer von Hawe für separierten Gärrest (Volumen 20 m³, AB 20 m);
  • Gülleseperator Börger.
Bevor Helmle die einzelnen Maschinen im Praxistest erläuterte, ging er auf die von der neuen DÜV geforderte Frist von vier Stunden ein, innerhalb derer die Gülle nach dem Ausbringen in den Boden eingebracht werden muss. „Hier hakt es bei manchen Landwirten noch“, so Helmle. Das sei umso bedauerlicher als jedes Gramm Stickstoff, das in die Luft geblasen wird, den Verlust von barem Geld bedeute. Je bodennaher und konzentrierter die Ausbringung der Gülle, desto weniger könne der wertvolle Stickstoff ausgasen. Eine optimale Technik unter optimalen Witterungsbedingungen bedeute zum einen eine effiziente Düngung, zum anderen bringe sie auch eine Vermeidung von Geruchsbelästigungen. Dass die enge Einarbeitungsfrist für Arbeitsspitzen sorgen kann und es im Grünland beim Einsatz der Schlitz- und Schlauchtechnik noch Probleme zu lösen gilt, weiß Helmle.
Mayer informierte die Landwirte über die Verordnung zum Inverkehrbringen von Wirtschaftsdünger mit ihren Aufzeichnungs- und Meldepflichten bei der Abgabe, der Beförderung und der Aufnahme von Wirtschaftsdüngern (alle Düngemittel aus tierischen Ausscheidungen und Stoffe, die im Pflanzenbau anfallen). Allerdings gibt es in der Verbringungsverordnung Ausnahmen, die den Bauern das Leben erleichtern. So gelten die Bestimmungen nicht im Umkreis von 50 km um den Betrieb, in dem die Stoffe angefallen sind. Voraussetzung: Das Befördern und die Übernahme der Wirtschaftsdünger finden innerhalb eines Betriebes statt oder zwischen zwei Betrieben desselben Verfügungsberechtigten. Ausgenommen sind ebenso Betriebe, die nicht zur Erstellung eines Nährstoffvergleichs verpflichtet sind und bei denen die Summe aus betrieblichem Nährstoffanfall und aufgenommener Nährstoffmenge geringer ist als 500 kg Stickstoff/Jahr. Von den Bestimmungen befreit sind auch Betriebe, die im Kalenderjahr nicht mehr als 200 t Frischmasse in Verkehr bringen oder diese in Verpackungen kleiner als 50 kg an nicht gewerbsmäßige Endverbraucher abgeben.
Für alle anderen Betriebe gilt bei der Abgabe, Beförderung und Aufnahme von Wirtschaftsdüngern die Pflicht zur Aufzeichnung des Abgebers, Datums der Abgabe, der Beförderung und Übernahme, der Mengen in Tonnen Frischmasse und der Wirtschaftsdüngerart sowie dessen Gehalte an Gesamtstickstoff und Phosphat in kg/t Frischmasse und bei Düngern tierischer Herkunft die Stickstoffmenge in kg. Aufzuzeichnen sind ferner Name und Anschrift des Beförderers und des Empfängers. Die Dokumente sind drei Jahre lang aufzubewahren.
Wasserberaterin Tamara Linz vom AELF Krumbach erläuterte die Fördermöglichkeiten des Kulap für die emissionsarme Ausbringung von Wirtschaftsdüngern. Damit die Prämien greifen, ist diese mit Injektions- oder Schleppschuhtechnik auszuführen. Bei Eigenmechanisierung muss der gesamte im Betrieb verfügbare flüssige Wirtschaftsdünger einschließlich der aufgenommenen Dünger mit einer für das Injektionsverfahren anerkannten Technik ausgebracht werden. Die Ermittlung der maximal förderfähigen Menge an flüssigem Wirtschaftsdünger erfolgt jährlich auf Basis des aktuellen Flächennutzungsnachweises und entweder des Viehverzeichnisses zum Mehrfachantrag oder der elektronischen Leistung der hofeigenen Biogasanlage.
Wird der Wirtschaftsdünger überbetrieblich ausgebracht, sind die Mengen und die dabei eingesetzte Gerätetechnik dem AELF einmal jährlich in einem Sammelbeleg vorzulegen.

Nach so viel Bürokratie kann der Antragsteller dann – hoffentlich – seine Prämie einstreichen: 1,50 €/m³ flüssigen Wirtschaftsdünger, allerdings jährlich bei Eigenmechanisierung höchstens für 18 m³ Gülle/GV oder für 18 m³ Gärrest/kW elektrischer Leistung der Biogasanlage und maximal 54 €/ha förderfähige Fläche und Jahr.

Güllestreifen zerstören Gras

Rudolf Göppel (Waldstetten/Lks. Günzburg): Ich bewirtschafte einen Ackerbaubetrieb mit Schweinemast und Biogasanlage. Mein Hauptproblem mit der neuen Düngeverordnung ist ihre Anwendung auf dem Grünland. Für die streifenförmige Ausbringung und Injektion der Gülle auf der Wiese muss das Wetter mitspielen, sonst bleiben die Streifen liegen. Sie machen das Gras kaputt und die Gülle bleibt ohne Wirkung. Außerdem wird es eng bei der Güllelagerkapazität. Damit ich hier die Vorschriften einhalten kann, habe ich ein Schleppschuhfass und einen Gülleseparator angeschafft, für insgesamt rund 150 000 €. Die Düngebedarfsermittlung erledige ich selbst mit dem Programm der Landesanstalt für Landwirtschaft.

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Bernd Briegel (Großanhausen/Lks. Günzburg): Mir macht vor allem die Güllelagerung bis zum Herbst zu schaffen. Einen Teil des flüssigen Wirtschaftsdüngers, der auf meinem Milchvieh- und Ackerbaubetrieb anfällt, muss ich bei einem anderen Landwirt einlagern. Die Mehrkosten für den Transport und die Lagerung halten sich mit insgesamt 250 € in Grenzen. Aber es gibt ja auch Betriebe, die wesentlich mehr Gülle produzieren. Für mich ist es ein Problem, dass die neue Düngeverordnung keine Gülle mehr auf Maisstroh zulässt. Ohne Güllegabe werden das Bodenleben und die Verrottung der Stoppeln stark beeinträchtigt. Ich habe wegen der bodennahen Ausbringung einen Selbstfahrer mit Schlitzgerät gekauft. Seit 2009 biete ich die Maschine als Lohnunternehmer an. Auch wenn das Geschäft durch die neue Düngeverordnung zugenommen hat, habe ich noch Kapazitäten frei, nachdem viele Landwirte selbst in die bodennahe Ausbringtechnik investierten. Ich bezweifle, dass das geballte Ausbringen der Gülle im Frühjahr aufgrund der Sperrfristen gut für den Grundwasserschutz ist. Bei der Ermittlung des Nährstoffbedarfs hilft mir das LfL-Programm. Die komplizierte Stoffstrombilanz lasse ich wohl vom Maschinenring ausarbeiten.

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Leonhard Held (Hittistetten/Lks. Neu-Ulm): Für meinen Milchvieh- und Ackerbaubetrieb sind die Sperrfristen der neuen Düngeverordnung das Hauptproblem. Derzeit fehlt mir eine ausreichende Lagerkapazität, so dass ich eine Güllegrube von einem Kollegen angemietet habe. Seit 2006 biete ich als Lohnunternehmer einen Selbstfahrer mit Schlitzgerät und Scheibenegge an. Die Maschinen habe ich von einer Güllegemeinschaft erworben, die sich aufgelöst hat. Auch als ich noch Mitglied in dieser Gemeinschaft war, wollte ich die Nährstoffe in den Boden und nicht in die Luft bringen. Für die neue Düngeverordnung habe ich Verständnis. Der Staat muss die Gülleausbringung ja irgendwie reglementieren, nur die praktische Umsetzung ist halt schwierig. Den Düngebedarf für meinen Betrieb ermittle ich selbst, aber viele meiner Kunden übergeben diese Arbeit an den Maschinenring oder Bauernverband. Ich hoffe, dass mein Sohn nach seiner Meisterprüfung die Stoffstrombilanz für unseren Betrieb selbst machen kann. MA