Nitratbelastung

Grundwasser: Immer mehrere Messstellen

Michael Ammich
am Freitag, 29.05.2020 - 11:59

Ein Experte vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth nimmt Stellung zur Kritik der Bauern.

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In zahlreichen Eingaben an die Politik und die Wasserwirtschaft hat der Dillinger Bauernverband seine Kritik an der Messstelle „Höhsackgraben“ bei Wortelstetten begründet. Die Messstelle sei weder repräsentativ für den Grundwasserkörper „Vorlandmolasse Wertingen“, der als Rotes Gebiet ausgewiesen wurde, noch lasse sie aufgrund ihrer Lage und Beschaffenheit auf die Landwirtschaft als Verursacher der erhöhten Nitratwerte im Grundwasser schließen. Das Wochenblatt fragte im Wasserwirtschaftsamt Donauwörth nach, weshalb die Behörde an der Messstelle festhält.

Dr. Rüdiger Zischak leitet am Donauwörther Wasserwirtschaftsamt den Fachbereich Wasserversorgung, Gewässer- und Bodenschutz. Der Diplom-Geologe erklärt, wie der Zustand eines Grundwasserkörpers in vier Schritten ermittelt wird:
  • Bewertung der rund 600 Wasserrahmenrichtlinie-Hauptmessstellen in Bayern,
  • Bewertung der öffentlichen und nichtöffentlichen Wassergewinnungen mit einer Schüttung von mehr als 36 500 m³ pro Jahr,
  • Ermittlung, ob der Nitrat-Schwellenwert von 50 mg/l auf mindestens 20 % der Fläche eines Grundwasserkörpers überschritten wird und
  • Regionalisierung aller rund 10 000 bayerischen Messstellen mit Auswertung, ob mehr als 20 % der Gesamtfläche des Grundwasserkörpers den Schwellenwert überschreiten.

Keineswegs nur eine einzige Messszelle

„Zur Einstufung eines Grundwasserkörpers wird also keineswegs nur eine einzelne Messstelle herangezogen“, betont Zischak. Zudem repräsentiere die Höhsackgrabenquelle durchaus die oberflächennahen Quellaustritte in den zentral und flächig verbreiteten hdyrogeologischen Einheiten des Grundwasserkörpers „Vorlandmolasse Wertingen“. Zu diesen Einheiten gehören auch die eiszeitlichen Restschotter auf den Hochlagen um Wortelstetten. Die zentrale Lage der Höhsackgrabenquelle in den Schottervorkommen mache sie dafür geeignet, stellvertretend die Nitratbelastung des Grundwassers im Verbreitungsgebiet der Restschotter abzubilden.
Eine private Eigenwasserversorgung in Wortelstetten, bei der laut BBV die Nitratwerte in Ordnung sind, seien weder dem Wasserwirtschaftsamt noch dem Gesundheitsamt Dillingen oder der Gemeinde Buttenwiesen bekannt, so Zischak. Ebenso wenig bekannt seien seiner Behörde Flächen mit Altlasten innerhalb des Einzugsgebiets der Höhsackgrabenquelle.
Und selbst wenn es Einträge aus einer ehemaligen Deponie oder Altlastenfläche in die Höhsackgrabenquelle geben sollte, so wären diese nicht relevant für die Einstufung eines Grundwasserkörpers als Rotes Gebiet. Dafür sei nämlich nur die Nitratkonzentration im Grundwasser ausschlaggebend. Biogene Einflüsse wie den Laubfall, die den Nitratwert in der Höhsackgrabenquelle erhöhen, stellt Zischak infrage. „Biologischer Abbau produziert Sauerstoffmangel. Das heißt, er führt eher zu einer Nitratreduktion.“
Nicht gelten lässt Zischak auch den Einwand, dass es innerhalb des Roten Gebiets bei Wertingen öffentliche Wasserversorgungen mit hervorragenden Nitratwerten gibt. Abgesehen von nur einem Brunnen bei Lauterbach entnehmen nämlich sämtliche relevanten Wasserversorgungen im Roten Gebiet ihr Trinkwasser aus Tiefbrunnen außerhalb des Roten Gebiets. Dieses Wasser stamme aus dem Malmkarst und habe mehrere tausend Jahre im Untergrund verweilt, so dass es keine Spuren menschlichen Einflusses aufweise.

Wasser aus Flachbrunnen mit Grundwasser vermischt

Das uralte Grundwasser aus der Tiefe werde mit Wasser aus Flachbrunnen vermischt, die bereits deutlich mit Nirat belastet sind. So lasse sich beispielsweise die gesetzlich geforderte Qualität des Trinkwassers im Gemeindegebiet von Buttenwiesen, zu dem auch Wortelstetten gehört, nur durch die Zumischung von Wasser aus dem Tiefbrunnen bei Lauterbach gewährleisten.
Auch dem Argument des Dillinger BBV, dass es im Einzugsgebiet der Höhsackgrabenquelle kaum eine landwirtschaftliche Nutzung gebe, kann Zischak nicht folgen. Der Osten des Einzugsgebiets werde überwiegend von landwirtschaftlich genutzten Flächen geprägt. Und wenn nun die Bauern auf diesen Flächen die Düngung einschränken würden? „Das wäre ein Anfang“, sagt Zischak. „Allerdings zeigt der Grundwasserkörper an vielen Messstellen und nicht nur im Bereich der Höhsackgrabenquelle Überschreitungen des Nitrat-Schwellenwerts. Deshalb müsste der Nährstoffeintrag im gesamten Grundwasserkörper reduziert werden.“

Langjährige Datenreihen

Wie Zischak betont, liegen dem Donauwörther Wasserwirtschaftsamt langjährige Datenreihen vor. Der Geologe spielt den Ball auf die „Emissionsseite“: Wenn diese glaubhaft machen könnte, dass im Grundwasserkörper „Vorlandmolasse Wertingen“ kein Nährstoffüberschuss vorhanden sein kann, müsse „konzentriert in den Teileinzugsgebieten mit hohen Nährstoffwerten untersucht werden, woher die hohen Belastungen stammen“. Zu einer verursachergerechteren Abgrenzung der Auflagen müsse das Gesamtsystem der Nährstoffausbringung analysiert werden. Das soll auch so geschehen, wenn es zur geplanten bundesweit einheitlichen Neuabgrenzung der Roten Gebiete kommt.

Am Ende warnt Zischak die Landwirtschaft vor der Forderung nach einer Erhöhung der Messstellen-Anzahl. „Das würde eher zu einer Steigerung der Anzahl von Messstellen mit überschrittenem Nitrat-Schwellenwert und damit zu einer Bestätigung der Einstufung als Rote Gebiete führen.“ Die Wasserwirtschaftsämter nähmen lediglich Proben auf der Immissionsseite, sprich aus dem Grundwasser. Sie beauftragten die Analysen und stellten die Ergebnisse zur Auswertung zur Verfügung. „Leider können diese Daten nicht mit der Emissionsseite, also der Ausbringung von Nährstoffen, Schlag- oder Hoftorbilanzen abgeglichen werden. Die Landwirtschaftsverwaltung stellt uns die Daten nämlich nicht zur Verfügung.“