Tierschutz

Große Freude über jedes Kitz, das gerettet wird

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Margarete Schreyer
am Mittwoch, 27.05.2020 - 08:48

Der ehemalige Fendt-Chef Peter-Josef Paffen ist Jäger und engagiert sich zusammen mit seiner Tochter mit seiner Drohne bei der Rettung von Rehkitzen.

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Stötten - Viel unterwegs ist derzeit Jagdpächter Peter-Josef Paffen, denn auf den Wiesen seines Jagdbogens rund um Stötten steht der erste Schnitt an. Doch während in der Vergangenheit zum Aufspüren der Kitzgelege der Jäger mit seinem Team die Felder zu Fuß und mit Hund durchkämmen musste, steht Paffen nur mit dem umgehängten Steuergerät seiner Drohne am Feldrand. In der Regel reicht noch eine zusätzliche Person aus, um ein gefundenes Jungtier aus der Fläche zu tragen. Gerade jetzt, in Corona-Zeiten, kann so Kontaktverbot und Mindestabstand leicht eingehalten werden.

300 ha Fläche hat Paffen in der ersten Mähwoche mit seiner Drohne abgeflogen. Dabei wurden zehn Rehkitze aufgespürt und vor dem sicheren Mähtod gerettet. Vor Beginn der Aktion wird die zu mähende Fläche am Steuerungsgerät geplant. Der Jäger legt dabei auf Google Earth ein Raster über die Wiese und kann dieses an den Ecken genau anpassen. Auch Geschwindigkeit und Höhe werden vorab eingestellt.

Drohne fliegt autonom

Weil die Drohne nach dem Start die gespeicherte Fläche autonom abfliegt, kann sich der Drohnenpilot jetzt voll auf die Messdaten der Wärmebildkamera konzentrieren. Auch aus 50 m Höhe stellt die Kamera Temperaturunterschiede auf ein Zehntel Grad genau fest, sie erscheinen auf dem Bildschirm des Steuergerätes als weiße Fläche. Manuell senkt Paffen dann die Drohne nach unten und sieht sich das gefundene Objekt mit der höheren Temperatur im Bildmodus an. Dabei sind nicht alle angezeigten Wärmequellen Rehkitze, manchmal ist es nur ein bereits verlassenes Gelege, ein Maulwurfhaufen der sich durch seine dunkle Farbe aufgeheizt hat, ein Grenzpfahl aus Metall oder eine Katze. Wird ein Kitz geortet, packt es der Helfer oder die Helferin, ausgestattet mit Handschuhen und Grasbüscheln, in eine Kiste. Unter ihr verbleibt das Jungtier dann bis die Wiese vollständig gemäht ist.
Die technische Ausrüstung mit Drohne, Wärmebildkamera und Wechselakkus hat einen Wert von über 10 000 €. Für einen erfolgreichen Einsatz ist aber auch Erfahrung im Umgang mit dem Fluggerät und ein Kenntnisnachweis für Drohen über zwei Kilogramm Gewicht nötig. Zudem dürfen Flächen in der Nähe von Bundesstraßen oder Autobahnen und in Naturschutzgebieten nicht oder nur mit Sondergenehmigung abgesucht werden. Paffen freut sich über jedes Kitz, das gerettet wird: „Ich kann aber nur kommen, wenn mir die Landwirte rechtzeitig vor dem Mähen Bescheid geben“, betont er.