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Urlaub auf dem Bauernhof

Goldener Gockel per Post

Anja Kersten
am Freitag, 07.01.2022 - 09:09

Die Überraschung war groß, als eine Postsendung mit der Plakette vom Goldenen Gockel im Briefkasten „Beim Bergbauern“, dem Hof der Familie Zeller lag.

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Wir haben uns natürlich alle sehr gefreut“, erzählt Elisabeth Mayr, die ihre Schwiegermutter „in spe“, Monika Zeller, bei der Vermietung der Ferienwohnungen im Büro unterstützt. „Zu den gastfreundlichsten Höfen von Urlaub auf den Bauernhof zu gehören, das macht einen schon stolz“, sagen die beiden Frauen.

„Das Gesicht und das Herz der Vermietung ist Monika. Die schmeißt den Laden“, sagt Elisabeth Mayr. „Wir helfen alle zusammen“, meint Monika Zeller dazu.

Vor allem bei der Reinigung der drei Ferienwohnungen, dem freistehenden Waldhäusle und der Alpe Halden etwa einen Kilometer vom Hof entfernt, müssen Sohn Michael, Hofnachfolger, und Franz-Josef Zeller, ihr Mann, mit ran. Zusätzlich macht Elisabeth die Büroarbeiten, die Öffentlichkeitsarbeit mit Facebook, Instagram, dreht mit den Feriengästen eine abendliche Hofrunde, bei der sie die Hasen „ins Bett bringen“, die Hühner füttern und Eier einsammeln sowie beim Füttern der Kühe und Kälber helfen.

„Was hat die Kuh da am Ohr?“

Michael Zeller und sein Vater lassen sich im Melkstand von den Gästen über die Schulter schauen und beantworten geduldig die Fragen: „Wie viel Milch gibt die Kuh?“, „Was hat die Kuh da am Ohr?“ und „Ist das ein Bub oder Mädchen?“ 35 Milchkühe mit Nachzucht füttert der Biomilchviehbetrieb.

Die Melkzeit dauert dadurch mal eine Viertelstunde länger, aber eine bessere Möglichkeit über die Landwirtschaft zu informieren, gebe es nicht, sagt Elisabeth Mayr. Kein Bilderbuch oder Sachbuch könne so anschaulich sein, wie wenn die Kinder das vor Ort und mit allen Sinnen erlebten. Sie hören, riechen, sehen und können die Tiere anfassen. Gleichzeitig erleben sie, wie die Tiere reagieren.

Kinder hätten ein gutes Gespür, wenn etwa die Hasen genug vom Füttern oder die Katzen vom Streicheln haben und sich verstecken oder weglaufen. Da brauche man gar nichts zu sagen oder etwas verbieten. Tief beeindruckt habe die Kinder, als in der Ferienzeit ein Kalb auf die Welt kam und sie die Geburt miterleben konnten. Noch Tage später sprachen sie von nichts anderem, erzählt die Jungbäuerin.

Gäste am Alltag teilhaben lassen

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„Wir lassen die Familien einfach am Alltag unseres Betriebes teilnehmen“, beschreibt Monika Zeller ihr Erfolgsrezept. Animation gibt es nicht. Die Gäste schätzten genau das, wie aus den Bewertungen im Internet zu lesen ist. „Wir konnten täglich im Stall mithelfen“, „Ein unvergessliches Erlebnis für Groß und Klein“, sei die Stallzeit gewesen, schreibt eine andere Familie.

Der viele Platz rund um den Hof, wo die „Kinder genug Möglichkeit haben, sich auszutoben“, der „gepflegte Spielplatz“ wie die Gäste schreiben, werden bei den Bewertungen ebenfalls positiv hervorgehoben.

Sowohl für jüngere als auch für ältere Kinder ist etwas dabei. Hasen, Katzen, Ziegen, Schafe und Esel zum Streicheln, Trampolin, Rutsche, Spielhaus und für die älteren Kinder ein Fußballfeld und eine Tischtennisplatte. Ein Bach mit breitem Bachbett, der in unmittelbarer Nähe des Hofes vorbeifließt, ist ein Spielplatz, den nur die Natur bietet.

Der Sonntag gehört der eigenen Familie

Schwerpunkt der Ferienvermietung sind Familien mit Kindern, die meisten davon kommen aus Deutschland. Etwa 40 % sind Stammgäste. „Eine persönliche Begrüßung mit Namen ist mir und auch den Gästen wichtig“, sagt Monika Zeller. „Viele unserer Gäste kommen über einen langen Zeitraum jedes Jahr wieder zu uns in den Urlaub, da bekommt man viel voneinander mit“. Die Anreisetage sind flexibel, nur der Sonntag ist davon ausgenommen, „der gehört allein der eigenen Familie“, sagt Monika Zeller.

Wie auf vielen Bauernhöfen im Oberallgäu hat die Vermietung von Gästezimmern auch „Beim Bergbauern“ schon eine lange Tradition. Bereits vor 50 Jahren wurden Gästezimmer vermietet. Damals war die Dusche noch auf dem Gang, die Gäste frühstückten in der Stube und kamen wie selbstverständlich in die Küche.

„Im Grunde teilte man das Haus mit den Gästen“, erinnert sich Monika Zeller an die Zeit, die sie selbst als Kind auf dem elterlichen Hof miterlebte. Sie habe die Gäste niemals als störend empfunden, vielmehr genoss sie die Abwechslung.

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Aber, so schränkt sie ein, die Saison sei damals im Gegensatz zu heute, nur auf ein paar Wochen beschränkt gewesen. Heute werden die drei Ferienwohnungen, ein Ferienhaus und die Alpe Halden fast das ganze Jahr über vermietet. Nur der November sei etwas ruhiger und werde dazu genutzt, alles wieder auf Vordermann zu bringen, etwa zu streichen, neue Vorhänge aufzuhängen oder Möbel auszutauschen.

Die Gäste von heute seien auch anspruchsvoller geworden, auch bei Urlaub auf dem Bauernhof. Auf Komfort wolle niemand verzichten. Dazu gehöre eine moderne, gut ausgestattete Küche mit Spülmaschine, ein zeitgemäßes Bad und nicht abgenutzte Möbel. Die drei Ferienwohnungen „Beim Bergbauern“ haben eine Vier-Sterne Qualifizierung.

Sogar auf der Alpe Halden, einem freistehenden Haus für 8 bis 16 Personen, gibt es im Bad Fußbodenheizung.

Persönliche Note für jede Wohnung

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Zusätzlich gibt Monika Zeller den Wohnungen noch ihre persönliche Note. In jeder Ferienwohnung heiße im Sommer ein kleiner Blumenstrauß die Gäste willkommen. In einer Gästemappe sind die wichtigsten Informationen, Ausflugstipps und Restauranttipps zusammengestellt. Auch der Kühlschrank wird auf Wunsch bei der Anreise mit regionalen Produkten gefüllt.

„Das sind Produkte, die die Urlauber daheim nicht bekommen, mit denen wir unsere Region vorstellen und auch unsere eigenen am Hof erzeugten Produkte wie Fleisch und Wurst von unseren Kühen“, erklärt Elisabeth Mayr den Service zum Selbstkostenpreis. Ergänzt wird dies durch einen täglichen Brötchenservice, bei dem die frischen Semmeln sowie auf Wunsch auch Milch und Eier in einen Korb direkt vor die Wohnung gestellt werden. Vor allem der Brötchenservice werde von den Gästen in den Beurteilungen immer wieder lobend erwähnt.

Jede Bewertung, die Gäste schreiben, beantwortet Elisabeth Mayr. „Wenn sich die Gäste die Mühe machen, uns zu bewerten, dann sollten wir uns auch die Mühe machen zu antworten“, meint sie.

Als die Familie den Goldenen Gockel bekam, machte Elisabeth Mayr ein Familienfoto mit der Urkunde und postete dieses in den sozialen Medien. Sie war überrascht, wie viele Urlauber, Bekannte und Berufskollegen ihnen daraufhin zu der Auszeichnung gratuliert und sich mit ihnen gefreut hätten.