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Alter

Es gibt noch genügend Baustellen

Altervorsorge
Patrizia Schallert
am Montag, 09.12.2019 - 08:33

Am Tag der Austrägler appelliert der BBV Neu-Ulm/Seniorenbeauftragte an Politiker.

Attenhofen/Lks. Neu-Ulm - Die Statistik spricht Bände: Im Jahr 2021 wird jeder dritte Bürger im Landkreis Neu-Ulm über sechzig Jahre alt sein, das sind jährlich 4.800 neue Senioren. „Diese Zahlen sind in der Politik zwar angekommen, aber noch nicht auf fruchtbaren Boden gefallen“, sagte Hildegard Mack. Die Ehrenkreisbäuerin berichtete auf dem „Tag der Austrägler“ in Attenhofen über ihre Tätigkeit als Seniorenbeauftragte des Landkreises.

Wachsende Männerquote

Zuvor begrüßte Kreisbäuerin Christiane Ade rund 40 Altbäuerinnen und Altbauern und freute sich dabei über die wachsende Männerquote auf dem jährlichen Austräglertag. Themen wie die Altersvorsorge betreffen ja schließlich nicht nur den weiblichen Teil der Bevölkerung. Hildegard Mack führte einzelne Initiativen auf kommunaler Ebene an, die sich speziell an ältere Menschen richten. So finden in Nersingen regelmäßig Seniorentreffs statt, in Roggenburg wurden Workshops zum Thema „Was braucht der Bürger“ abgehalten. Dabei wurde erreicht, dass älteren, nicht mobilen Menschen von einer Apotheke in Weißenhorn die Medikamente vor die Haustüre geliefert werden. 

Die Stadt Senden setzt auf Weiterbildung ihrer Senioren, beispielsweise mit Computerkursen. Außerdem findet ein monatlicher Treff mit Kaffee und Kuchen statt, bei dem der Bürgermeister allen persönlich gratuliert, die in diesem Monat Geburtstag haben. „Den Bürgermeistern ist bewusst, dass sich beim Angebot für Senioren etwas ändern muss“, stellte Mack fest. Wo es noch fehlt, ist die Umsetzung dieser Erkenntnis.

Die Seniorenbeauftragte hat viele Baustellen entdeckt, die es aufzuräumen gelte. Der Landkreis sei zwar mit Hausärzten versorgt, aber viele Mediziner gingen bereits auf die 70 Jahre zu. Es sei nicht immer sichergestellt, dass sich Nachfolger für die Praxen finden. Damit alte Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben können, müsse es vor Ort ein breitgefächertes Angebot an sozialen Dienstleistungen und eine Versorgung für den täglichen Bedarf geben. 

Wenn der Aufenthalt zu Hause nicht mehr möglich ist

Was ist, wenn der Tag kommt, ab dem der Aufenthalt im eigenen Zuhause nicht mehr möglich ist? Hat das Pflegeheim noch Kapazitäten frei, sind in der Nähe Senioren-Wohngemeinschaften vorhanden? Solche WGs gibt es zwar, aber sie sind teuer. „Es darf aber nicht sein, dass alte Menschen mit einer kleinen Rente auf der Verliererseite stehen und Pensionisten mit einer hohen Rente privilegiert sind“, ärgerte sich Mack. Nachdem die Zahl der demenzkranken Menschen zunimmt, müssten auch hier neue Wege eingeschlagen werden. Die Seniorenbeauftragte forderte Schulungen für Angehörige, damit die Erkrankten so lange wie möglich zuhause gepflegt werden können. 
Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist das Problem der Alterseinsamkeit. „Ein Seniorennachmittag im Monat reicht nicht aus, um einsame Menschen aus ihrer Isolation herauszuholen.“ Viele Bürger seien dazu bereit, im Rahmen der Nachbarschaftshilfe ehrenamtlich zu helfen. Ein solches Netzwerk muss jedoch von jemandem koordiniert werden. Damit Senioren und ihre Angehörigen besser informiert sind, wer für welche Unterstützungen und Hilfe zuständig ist, hat der Landkreis eine Informationsbroschüre aufgelegt. Kürzlich wurde die dazugehörige Internetseite online gestellt (seniorenwegweiser-neu-ulm.de).
Die BBV-Fachberaterin Amelie von Seydlitz-Wolffskeel erläuterte die Unterschiede zwischen Betreuungsverfügung, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung. Wer eine Beratung in Anspruch nehmen will, dem stehen die BBV-Geschäftsstelle in Reisensburg und die Außenstelle in Weißenhorn zur Verfügung.