Biolandbau

Gesunder Boden ist das A und O

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Michael Ammich
am Montag, 08.10.2018 - 09:31

Biobauer Josef Hägler stellt in Pfaffenhofen (Landkreis Neu-Ulm) sein Bearbeitungs- und Nutzungskonzept für Ackerböden vor.

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Mein Ziel ist ein gesunder Boden, auf dem nährstoffreiche Pflanzen wachsen, die wiederum Tiere gesund ernähren und damit auch für gesunde Menschen sorgen.“ In Pfaffenhofen ließ Biobauer Josef Hägler aus Wernberg-Köblitz in der Oberpfalz ebenso umfassend wie tief hinter seine Arbeit mit den Ackerböden blicken – eine Fundgrube auch für jeden konventionellen Landwirt, der möglichst wenig Chemie und Mineraldünger einsetzen und dennoch hohe Erträge erzielen will. Schade, dass die Veranstaltung des AELF Krumbach nur bei einem Dutzend Ackerbauern auf Interesse stieß. Allein schon mit Blick auf die Nitrat- und Pflanzenschutzdebatte hätte sie mehr Besucher verdient.
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„Anfangs wurde Josef Hägler noch belächelt, aber sein Engagement hat sich ausgezahlt und seine Erfolge sprechen für sich“, stellte Andrea Sobczyk vom Sachgebiet Landwirtschaft am AELF Krumbach den Referenten vor. Hägler achte stets darauf, was die Ackerpflanze zum Leben braucht. Der Landwirt bewirtschaftet im Landkreis Schwandorf einen ökologischen Ackerbaubetrieb mit 110 ha Fläche, darunter 9 ha Dauergrünland, sowie Kalbinnenmast und -aufzucht. Zeitweise fungierte der Betrieb als Güllebehandlungsversuchsbetrieb des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg. Seit neun Jahren setzt Hägler auf die Kinsey-Düngung, seit fünf Jahren füttert er seinen Kalbinnen nur noch Heu, seit vier Jahren verzichtet er auf den Pflug und vor einem Jahr hat er seinen Betrieb auf den ökologischen Landbau umgestellt. Der Oberpfälzer engagiert sich darüber hinaus als Fachbeirat in der „Interessengemeinschaft gesunder Boden“.

Boden ist der Schlüssel zum Erfolg

Die Einflüsse auf den Boden, die der Landwirt steuern kann, sind vielfältig, erklärte Hägler: keine Nährstoffüber- oder -unterversorgung, Vermeidung von Fäulnis durch Mist und Gülle, Verzicht auf das Einarbeiten grüner Pflanzen, Sorge für ein hohes Wasseraufnahmevermögen und möglichst wenig Erosion, möglichst geringe Stickstoffverluste und keine wendende Bearbeitung, um die Bakterien in der Erde zu erhalten. „Der Boden ist der Schlüssel zu unserem Erfolg.“ Es genüge nicht, bei Bodenuntersuchungen nur auf den pH-Wert zu blicken, sagte Hägler. Ebenso wichtig sei das Zusammenspiel der Elemente Kalium, Phosphor, Calcium, Schwefel, Silicium, Natrium, Zink, Mangan, Selen, Molybdän, Eisen, Kobalt oder Kupfer. Allein vom Calciumgehalt lasse sich der pH-Wert nicht ableiten. Deshalb setzt Hägler auf die Kinsey-Probe, die den pH-Wert als Wasser-pH und nicht als Säure-pH angibt. Der Wasser-pH-Wert bewege sich in der Regel um einen halben bis einen Punkt über dem Säure-pH-Wert.

Balance der Nährstoffe im Boden ist wichtig

„Wenn alle Elemente im Boden im richtigen Verhältnis enthalten sind, dann stellt sich ein pH-Wert von rund 6,5 ein“, so Hägler. Während für den Wasser-pH-Wert die Konzentration der austauschbaren Wasserstoffionen entscheidend ist, seien beim Säure-pH-Wert die an Kohlenstoff gebundenen Wasserstoffionen ausschlaggebend. Neben dem Magnesiumgehalt des Bodens könne auch ein hoher Kaliumgehalt den pH-Wert beeinflussen. Der Austausch der Kationen wiederum sei ein Kriterium für die Fähigkeit des Bodens, Nährstoffe zu halten und an die Pflanze abzugeben. „Damit ist der Kationenaustausch ein Index für die Bodenfruchtbarkeit.“
Immer wenn im Boden ein Nährstoff in zu großer Menge enthalten ist, lasse sich ein anderer Nährstoff in zu geringer Menge nachweisen, stellte der Biobauer fest. Nach dem Entzug der Nährstoffe durch die Ernte gelte es bei ihrer Rückführung darauf zu achten, dass ihr Verhältnis dem im abgeführten Boden entspricht. „Die Nährstoffe im Boden bilden ein sehr sensibles Gefüge.“
Den standortabhängigen natürlichen Nährstoffgehalt des Bodens kann der Landwirt zwar nicht beeinflussen, sehr wohl jedoch den Humusgehalt. Wie Hägler bei Untersuchungen festgestellt hat, kann ein Boden mit 3,3 % Humusgehalt in 20 cm Tiefe rund 650 m³ Wasser pro Hektar und Jahr speichern, bei einem Humusgehalt von 5,6 % steigert sich dieser Wert sogar auf 1130 m³. Mit dem Wasser speichert der Boden zugleich Nährstoffe. „Deshalb ist der Humusaufbau ja so wichtig.“ Der Humus bindet Natrium, Phosphor und Borsäure und stellt sie den wachsenden Pflanzen zur Verfügung. Sein Nährstoffhaltevermögen ist dreimal so hoch wie das von Ton.
Gut eingepegelt ist Hägler zufolge der Nährstoffgehalt, wenn Calcium und Magnesium zusammen rund 80 % davon bilden. Ideal sei in diesem Gefüge ein Verhältnis von 68 % Calcium zu 12 % Magnesium. Optimal sollte der Boden zu 50 % aus Mineralien und zu jeweils 25 % aus Luft und Wasser bestehen. Für die Effizienz der Nährstoffaufnahme durch die Pflanzen sei in erster Linie der ausgewogene Calciumgehalt entscheidend. „Jeder andere Nährstoff benötigt die Hilfestellung des Calciums, damit er in die Pflanze gelangen kann.“ Ein übersäuerter Boden schränke ihr Wachstum ein.
Neben den Bodenuntersuchungen analysiert Hägler zur Kontrolle der Düngung auch, wie die Pflanzen die Nährstoffe aufgenommen haben. Selbst das Heu lässt er diesbezüglich untersuchen. „Proben sollten Sie niemals aus trockenen, sondern stets aus feuchten Böden ziehen, um ein korrektes Ergebnis zu erhalten“, mahnte Hägler seine Zuhörer.
Um Fäulnisprozesse in seinen Böden zu vermeiden, wendet der Biobauer eine Güllebehandlung an. Diese wirke sich beispielsweise günstig auf die Fütterung aus, wie die verbesserten Leberwerte der Tiere und eine erhöhte Calciumverfügbarkeit zeigen. Den Mist aus seiner Kalbinnenaufzucht und -mast bereitet Hägler durch Kompostierung auf, wobei er auf das Abdecken und Umsetzen der Mieten verzichtet. „Auf dem Mistkompost wächst keinerlei Unkraut“, versicherte Hägler. Allerdings müsse der Mist möglichst homogen sein. Jährlich bringt der Landwirt 10 t/ha kompostierten Mist auf seinen Feldern aus.

Schonende Bodenbearbeitung

Bei der Bodenbearbeitung fräst Hägler das Kleegras bis zu einer Tiefe von 3 bis 4 cm möglichst eben ab und lässt das Fräsgut anschließend vier bis fünf Tage liegen. Der Feinboden befindet sich unten und der Grobboden oben, wodurch das Absterben der Unkräuter gewährleistet wird. Bei der Einarbeitung der Frässchicht schließt ein Grubbernachläufer die Oberfläche des Bodens, ohne ihn nach unten hin zu verdichten. Gegrubbert wird maximal bis zu einer Tiefe von 15 cm. Nach dem Grubbern walzt Hägler das Kleegras-Fräsgut sofort an, um die Bodenoberfläche wieder eben zu verschließen.
Die Aussaat seines Getreides bewerkstelligt Hägler ohne angeschlossene Kreisel-, sondern nur mit der Scheibenegge, wobei die Bearbeitungstiefe der Saattiefe entspricht. Die Getreidesämaschine ist mit Nachlaufzinken ausgestattet, die den Boden wieder eben und fein zustreichen.
Damit seine Böden auch im Winter nach dem Abfrieren der Zwischenfrüchte mit Grün bewachsen sind und die Nährstoffe halten können, sät der Ökolandwirt Gras unter. Auf Flächen, die einen Überschuss an Kalium und Phosphor aufweisen, wird als Zwischenfrucht Kleegras angebaut. Um Mineral- und Stickstoffverluste zu verhindern, werden die Zwischenfrüchte nach ihrem Abfrieren gewalzt. Schon im Januar kann Hägler beobachten, dass von den Zwischenfrüchten kaum mehr etwas zu sehen ist, weil die Regenwürmer das abgestorbene Material in die Erde gezogen haben. Und noch etwas hat Hägler festgestellt: In Zwischenfruchtmischungen mit Senf sind in den Böden erkennbar weniger Regenwürmer zu verzeichnen als in Mischungen ohne Senf.

Zwischenfrucht Basis für Humusaufbau

„Die Zwischenfrucht ist die Basis für eine gute Bodenstruktur und damit auch für den Humusaufbau“, bekräftigte der Referent. Außerdem könne 1 m² Boden mit Zwischenfrüchten innerhalb einer Minute 100 l Wasser aufnehmen, wie ein Versuch gezeigt habe. „Seit ich meinen Betrieb auf den ökologischen Landbau umgestellt habe, sind die Pflanzen gesünder, das Getreide standfester, der Unkrautdruck geringer, das Futter weist mehr Inhaltsstoffe auf, die Stickstoffeffizienz hat sich verbessert und auf den Felden finden sich kaum mehr Mäuse.“

Nach dem Fachvortrag ging es zur Besichtigung von Zwischenfrucht-Demonstrationsflächen des Fachzentrums Agrarökologie am AELF Krumbach, die Andreas Wöhrle neben seinem Hof in Paffenhofen angelegt hat und betreut. Der Neu-Ulmer Kreisobmann bewirtschaftet einen der drei Demonstrationsbetriebe im Dienstgebiet des AELF Krumbach, die sich in besonderer Weise dem Gewässer-, Grundwasser-, Boden- und Klimaschutz verschrieben haben. Neben elf Zwischenfruchtmischungen verschiedener Firmen wurde auch eine hofeigene Mischung des Betriebs Wöhrle vorgestellt.