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Umwelt

Gesicherte Daten für Prognosen liefern

MN-Waldklimastation-PM-31.3.
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Redaktion Wochenblatt
am Donnerstag, 20.05.2021 - 10:46

Nie war Waldberatung wertvoller als in Zeiten des Klimawandels. Wertvolle Daten liefern die Waldklima-Stationen.

Burgberg/Lks. Oberallgäu „Im Januar lag die Niederschlagsmenge bei 300 l/m². Das ist das Dreifache des langjährigen Januar-Durchschnitts“, berichtet Jonathan Proksch. Der junge Mann, der bei der Fachstelle Schutzwaldmanagement Allgäu ein freiwilliges soziales Jahr ableistet, betreut die Waldklima-Station im Großen Wald zwischen Burgberg, Kranzegg und Wertach. Viel Niederschlag ist gut für die Wälder. Also alles prima? Schließlich mag es der am häufigsten vorkommende Baum im Allgäu, die Fichte, feucht.

Beratung wertvoll wie nie

Nie war Waldberatung wertvoller als in Zeiten des Klimawandels, dessen Folgen so manche waldbauliche Gewissheit in Frage stellen. Damit die Förster gut beraten können, müssen Prognosen auf gesicherten Daten beruhen. Und die liefern seit 30 Jahren die Waldklima-Stationen – jene im Großen Wald ist eine von 19 Stationen in Bayern. Diese 19 sind wiederum eingebettet in ein Netzwerk aus rund 400 Dauerbeobachtungsflächen in den Waldökosystemen von 42 Staaten – vom Nordkap bis zu den Kanarischen Inseln. Dank harmonisierter Standards sind die Messdaten vergleichbar.

„Die Durchschnittstemperatur ist in den letzten 30 Jahren um mehr als ein Grad gestiegen, trockene Sommer sind häufiger, die Niederschläge haben sich in den Winter verschoben“, weiß Jonathan Proksch. Hitzestress und lange Trockenperioden setzen der Flachwurzlerin Fichte zu. Eine im Jahreslauf ausreichende Niederschlagsmenge rettet sie im Extremfall dann nicht. Gestresste Fichten verlieren an Stabilität, werden so anfällig für Windwurf und Schneebruch, leichte Beute für den Borkenkäfer.

Mischwald hat Zukunft

„Die Zukunftsaussichten der Fichte im Bodenseeraum sind nicht sonderlich rosig“, sagt Klaus Dinser, Abteilungsleiter und Leiter des Schutzwaldmanagements am AELF Kempten. In den höheren Lagen des Allgäus werde diese Baumart aber nicht ganz verschwinden. Wenngleich es der Fichte im Allgäu weniger schlecht gehe als andernorts, sei klar: „Nur ein stabiler Bergmischwald aus Tanne, Buche und Fichte wird in Zukunft im oberen Allgäu die vielfältigen Waldfunktionen wie z. B. den Lawinenschutz erfüllen können.“ Der Klimawandel sei längst da. Die Daten der Waldklima-Stationen belegten das, sagt Dinser, „wir können es am Zustand der Wälder ablesen“.
Weil dem so ist, plant der Forstexperte im Stadtwald Sonthofen eine kleine Versuchsfläche mit Libanon-Zedern. Auch über die ursprünglich aus Nordamerika stammende Douglasie werde in Fachkreisen weiter diskutiert. Die Folgen des Klimawandels stellen eben manche bisherige waldbauliche Gewissheit in Frage.