Kontroverse

Geplante Demonstration stößt auf Kritik

Milch
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Mittwoch, 09.06.2021 - 11:15

Die angekündigten Proteste von Milchbauern in Heimenkirch sind umstritten. Nun gibt es Forderungen, sich nicht daran zu beteiligen. Die Meinungen gehen dabei auseinander.

Heimenkirch - Die Meinungen rund um eine angekündigte Demonstration gehen auseinander:  Mehrere Milcherzeugergemeinschaften rufen ihre Mitglieder auf, sich nicht an geplanten Protesten bei Hochland am Freitag, 11. Juni 2021, in Heimenkirch zu beteiligen. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) hatte zu einer entsprechenden Kundgebung aufgerufen. In der Pressemitteilung des BDM hieß es, dass auch Hochland-Lieferanten ihre Milcherzeugungskosten nicht annähernd decken und ihre Rechnung nicht immer pünktlich zahlen könnten.

Die Vorsitzenden von acht Milcherzeugergemeinschaften aus Bayern und Baden-Württemberg betonen, dass seit einigen Monaten die Futtermittelkosten extrem steigen und die Milchpreise nach wie vor nicht kostendeckend seien. Die Existenz von vielen Milchviehbetrieben stehe akut auf dem Spiel. Die Aktionen mit dem Ziel, die politischen Rahmenbedingungen für die Milcherzeuger zu verbessern, werden deshalb ausdrücklich unterstützt, heißt es in der Pressemitteilung, die unter anderem von den Vorsitzenden der MEG Pfaffenwinkel, MEG Milchland Baden-Württemberg, MEG Ortenau, MEG Görisried, MEG Kempten-Oberallgäu und von Vorsitzenden Hubert Rupp von der Allgäuer Bergbauern-Milch unterzeichnet wurden.

Kein Verständnis für die Auswahl

Überhaupt kein Verständnis hätten die MEG-Vorsitzenden aber für die exemplarische Auswahl der Molkerei Hochland für die Protestaktion am 11. Juni in Heimenkirch. Die Molkerei Hochland würde sich seit Jahren „nicht nur durch einen weit überdurchschnittlichen Milchauszahlungspreis auszeichnen, sondern die Milcherzeuger auch am wirtschaftlichen Erfolg der Molkerei teilhaben lassen, indem vertraglich vereinbarte Milchpreise überzahlt würden“.

Hinzu komme, wie es in der Mitteilung weiter heißt, dass die Molkerei Hochland im Jahr 2018 Milcherzeuger aus Baden-Württemberg, die plötzlich aufgrund einer Molkereiinsolvenz keinen Abnehmer mehr hatten, aufgenommen und die betreffenden Betriebe in einer Notlage gerettet habe.

In einer Mitteilung des BDM zur angekündigten Demonstration hieß es, dass auch die Hochland-Molkerei sich gegen Vorschläge für eine Reform der Marktrahmenbedingungen verwehren würde. Gleichzeitig stellte der BDM klar, dass Besuche bei weiteren Molkereiunternehmen folgen sollen.

Auch Hochland-Lieferanten müssten immer höhere Auflagen erfüllen. Es dürfe nach Ansicht des BDM auch bei einer Molkerei, die den zweithöchsten Milchpreis in Bayern bezahle, demonstriert werden. 

Vielversprechende Konzepte in Planung

Anderer Meinung sind hier die Milcherzeugergemeinschaften in ihrer Pressemitteilung. Die Proteste am 11. Juni würden ein Unternehmen treffen, „das nicht nur Vorreiter im Milchpreis ist, sondern überdies auch soziale Verantwortung beweist“, betont Thomas Bertl, der Sprecher der Hochland-Milcherzeugergemeinschaften. Aktuell seien vielversprechende Konzepte für einen hochpreisigen Absatz von Molkereiprodukten in Planung. Diese Konzeptionen würden durch eine negative Darstellung des Unternehmens gefährdet, was die Vorsitzenden der Hochland-Milcherzeugergemeinschaften, wie sie schreiben, verhindern wollen.

Bertl betont: „Milcherzeuger von anderen Molkereien, die beabsichtigen, zur Demonstration am 11. Juni 2021 nach Heimenkirch zu kommen, fordern wir auf, vor ihren eigenen Molkereien zu demonstrieren, da diese einen weitaus schlechteren Milchpreis bezahlen.“

Der BDM rechnet am Freitag, 11. Juni 2021, mit mehreren Teilnehmern bei der Demonstration. Wie es hieß, seien rund 50 Traktoren angemeldet. Wie viele Milchbauern es am Ende tatsächlich werden, könne aktuell noch nicht eingeschätzt werden. Das Motto der BDM-Kundgebung lautet „Wer sich nicht rührt, wird nicht gehört“.