Holzvermarktung

Wohin geht der Holzmarkt?

Holzmarkt
Susanne Lorenz-Munkler
am Dienstag, 15.12.2020 - 08:14

Ein Gespräch mit Dirk Scheer, Bereichsleiter Holzvermarktung bei in.Silva.

Scheer

Lks. Ober/Unter-/Ost-/Westallgäu - Mit 30 bis 40 Euro pro Festmeter hatte der Fichtenholzpreis im Juni 2020 einen historischen Tiefstand erreicht. Ursache waren die Frühjahrsstürme mit Orkanstärke und Käferfraß, die zu einem massiven Überangebot auf dem Europäischen Holzmarkt geführt hatten. Und dann kam noch Corona. Der Rohholzhandel in Europa geriet ins Stocken und der Schnittholzmarkt geriet massiv unter Druck, als die Grenzen dicht gemacht wurden. Wie sieht es heute aus? Wir sprachen darüber mit Dirk Scheer, Bereichsleiter Holzvermarktung bei der Internationalen Holzhandels- und Logistikgenossenschaft in.Silva eG mit Sitz in Leutkirch im Allgäu.

Wochenblatt: Die Holzlager im Allgäu sind leer. Hat sich die Lagerung von Holz nach den Stürmen im Februar bewährt?
Scheer: Bezüglich der Waldschutzwirkung hat sich die Auslagerung auf jeden Fall gelohnt. Die Problematik ist bei diesen Trockenlagern außerhalb vom Wald eher die Qualitätsverschlechterung durch Sonne/Wind/Trockenheit. Die angefallenen Holzmengen konnten leider nicht schnell genug von den Abnehmern aufgenommen werden. Je nach Lagerdauer haben sich die Partien teilweise massiv verschlechtert.
Wochenblatt: Wie hat sich der Fichtenholzpreis im Laufe des Sommers entwickelt?
Scheer: Auch im weiteren Verlauf des Sommers bestimmten weiterhin Kalamitäten den Holzmarkt. Aufgrund der anhaltend hohen Käferholzmengen in Nord- und Teilen Ostbayerns sowie Mitteldeutschlands und dem angrenzenden Ausland gab es keinen Engpass in der Versorgung. Trotz des Ausbleibens weiterer Kalamitäten und Glück mit den Niederschlägen (hier im Süden) haben sich die Preise bis Ende Oktober nicht erholt. Seit Anfang November spüren wir eine gesteigerte Nachfrage und die Preise haben sich auch auf ein akzeptables der gesamten Situation angepasstes Niveau eingependelt.
Wochenblatt: Wieviel erlöst man derzeit für einen Festmeter Fichtenholz? Welche Tendenz zeichnet sich ab?
Scheer: Aktuell bewegen wir uns mit Abschlüssen bis ins erste Quartal 2021 im Langholz B 2b zwischen 75-85€ und im Kurzholz BC 2b zwischen 70-75€.
Wochenblatt: Welche Rolle spielt bei den Verhandlungen die in.Silva eG? Welche Möglichkeiten hat sie?
Scheer: Durch die Bündelung des Angebots und eine professionelle Holzverkaufsabwicklung stärkt die in. Silva die Wettbewerbsfähigkeit von Waldbesitzern und ihren Selbsthilfeorganisationen. Ihren Mitgliedern sichert die in. Silva die Abnahme von Kleinmengen zu attraktiven Konditionen. Angesichts zunehmender Konzentrationsprozesse auch im Bereich der Holzwirtschaft trägt die in. Silva dazu bei, den Marktzugang auch für kleinste Waldbesitzer zu erhalten.
Wochenblatt: Wie sollen sich die Waldbesitzer jetzt verhalten, auch angesichts weiterer drohenden Turbulenzen als Folge der Coronapandemie?
Scheer: Jetzt ist die richtige Zeit, um Aufgeschobenes nachzuholen und den Wald mit Durchforstungen fit gegen Käfer und Trockenheit zu machen. Aktuell raten wir dazu, das Zeitfenster mit stabilen Preisen und Unternehmerkapazität zum Holz machen zu nutzen.
Eine Verweigerung bezüglich Holzernte und Pflegemaßnahmen bringt weder dem Wald noch den Waldbesitzern etwas. Im Zweifelsfall bedient sich auch die im Süden ansässige Holzindustrie des Fernbezugs und baut weitere neue Versorgungskanäle auf.
Wochenblatt: Angesichts der volatilen Märkte mit teilweise miserablen Preisen für Schnittholz, Hackgut und Hackschnitzel ist manch ein Waldbesitzer frustriert und fragt sich, ob die „Sparkasse Wald“ noch zeitgemäß ist? Wie sehen Ihre Prognosen für das neue Jahr aus?
Scheer: Ich rechne in den nächsten Jahren weiter mit diesem volatilen Marktgeschehen. Die Sicht den Wald als Sparkasse zu sehen und nichts zu machen hat sich sicherlich in der „alten“ Sichtweise überholt!
Der Privatwald hat viele Gesichter und für jeden Eigentümer hat „sein“ Wald einen anderen Wert: emotionale Verbundenheit, Erholungsraum oder Jagdrevier, die Eigenversorgung mit Brennholz oder „sichere Geldanlage“. Ohne engagierten Waldeigentümer und ohne nachhaltige Waldbewirtschaftung gibt es nicht nur keinen Klimaschutz, sondern auch die vielen anderen Funktionen unserer Wälder gibt es dann nicht.
Neben all diesen Aspekten ist der Wald aber auch Lieferant des nachhaltigen Bau- und Rohstoffes Holz, bei permanenter Pflege und Nutzung des Waldes und klugem Ausnutzen des Markt-Verlaufes können in den meisten Regionen trotz Kalamität weiterhin kontinuierlich Erträge erzielt werden.