Eierproduzenten

Geflügelhaltung: Hygiene steht ganz oben

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Toni Ledermann
am Donnerstag, 14.05.2020 - 08:00

Schwäbische Geflügelerzeuger wappnen sich gegen Salmonellengefahr

Thannhausen/Lks. Günzburg Traditionell treffen sich die schwäbischen Geflügelerzeuger zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung im Hotel „Sonnenhof“ (Thannhausen), um von ihrem Vorsitzenden Erwin Büchler und dem Fachberater für Kleintierzucht und -haltung, Tierwirtschaftsmeister Peter Haible vom AELF Pfaffenhofen a. d. Ilm sowie weiteren Referenten über Neuigkeiten aus ihrem Bereich informieren zu lassen.

Der schwäbische BBV-Geschäftsführer Markus Müller ermunterte die Bauernschaft mehr Selbstbewusstsein zu zeigen. „Sie leisten gute Arbeit und dies müssen wir gemeinsam nach außen tragen. Wir ernähren das Land auf gut bäuerliche Weise und sind mit dem Ausland konkurrenzfähig. Wichtig ist, dass wir zusammenstehen müssen,“ so Müller der auch das Corona-Problem und deren Auswirkungen ansprach. Für Tiere sei das Virus ungefährlich!

Büchler dankte Müller für sein Engagement für die Bauern beklagte den unzufriedenstellenden Eierpreis, auch im Biobereich. In diesem Zusammenhang bedauerte er, dass viele Verbraucher zwar von gesunden Produkten schwärmen – aber an der Theke dann doch zu den Billigprodukten greifen.

Weide für Hühner

Peter Haible vom Fachzentrum Kleintierhaltung Pfaffenhofen sprach die Fördersituation an und dabei den Flächennutzungsnachweis (FNN) 2020. Er ging auch auf die „Hinweise zu Nutzungscodes“ ein und erläuterte unter anderem die Förderung von Hühner-Auslaufflächen, die ganzjährig keinen Bewuchs mehr aufweisen.

Weiter heißt es dem Papier „Fachrechtliche Vorgaben der Düngeverordnung sind zu beachten: Bei maximal 120 kg Nährstoffausscheidung an P205 je Hektar und Jahr kann von einer ordnungsgemäßen Weide gesprochen werden.“ Darauf hin bat Markus Müller um die entsprechenden Unterlagen, da er Verhandlungsbedarf in dieser Angelegenheit sieht und entsprechend aktiv werden will: „Hierzu muss es eine bessere Lösung geben.“ Ein Bauer klagte, dass dies nicht umsetzbar sei und deshalb zurückgegeben werden soll!

Nach dem Kassenbericht von Paul Jakob erfolgte einstimmig die Entlastung des Gremiums.

Wenn Salmoneller festgestellt werden

Über „Vorgehensweise bei einem positiven Salmonellenbefund“ referierte Dr. Stefanie Rupp vom Veterinäramt Günzburg. Dabei stellte sie auch das Salmonellen-Monitoring „Zuchthühner“ vor: Bei Beprobungen in der Brüterei gelte: Fortlaufend alle zwei Wochen jede Herde über 250 Tiere.

Zum Salmonellen-Monitoring im Bereich „Legehennen“, erläuterte die Referentin im Bereich Betriebseigene Proben: „Beprobung in Aufzuchtbetrieben, nur bei Betrieben über 350 Junghennen, bei Ankunft der Eintagsküken und unter 14 Tagen vor Beginn der Legephase. Die Beprobung am Haltungsbetrieb, bei jeder Herde in Betrieben über 1000 Legehennen, erstmalig in der 22. bis 26. Lebenswoche und fortlaufend alle 15 Wochen.
Die Veterinärin erläuterte auch welche Salmonellen in die verschiedene Kategorien fallen: In die „1“ Salmonella Enteritidis, Salmonella Thyphimurium, monopharische Salmonellen. In die Kategorie Salmonellen der Klasse 2 fallen Salmonella Hadar, Salmonella Vierchow und Salmonella infantis. Impfstämme seien jeweils ausgenommen. An der Elterntierhaltung werden diese fünf Stämme beprobt.
Was ist zu tun bei positiven Proben in diesem Bereich? Der Verdacht auf eine Infektion liege vor, wenn bei betriebseigenen Untersuchungen Salmonellen der Kategorie 1 oder 2 festgestellt wurden. Dies gelte auch wenn von Amts wegen Salmonellen in diesen Kategorien festgestellt wurden. Reinigen und Desinfektion schon bei Verdacht auf Infektion oder bei festgestellter Infektion mit Salmonellen der Kategorie 1 nötig. Aber auch nach Entfernen der Hühner und Eier aus dem betroffenen Betrieb oder Betriebsabteil. Desinfiziert müssen die Ställe, aber auch Ausläufe, Vorräume, Einrichtungen, Geräte und Gegenstände. Danach müsse eine Erfolgskontrolle durch Bakteriolie von Tupfern und Abklatschproben erfolgen. Die Untersuchungsergebnisse müssen ein Jahr aufbewahrt werden, gerechnet vom Tag der Untersuchung an.

Prävention ist wichtig

Dr. Rupp legte den Hühnerhaltern ans Herz, vorab alles zu tun, um einen Salmonellenbefall zu verhindern. Zur Prophylaxe gehören unter anderem Maßnahmen zur Erhöhung der Biosicherheit wie betriebseigene Schutzkleidung, Hygieneschleusen, das sauber halten von Dunglagerplätzen, der Schutz des Betriebsgeländes vor Unbefugten, ein Futterlager in geschlossenen, sauberen Silos, regelmäßige Reinigung und Dessinfektion der Tränken. Impfverpflichtungen seien zu beachten, eine bauliche Trennung der Stallabteile, sowie den Auslauf trocken zu halten und regelmäßig zu kalken. Auf eine entsprechende Frage teilte sie mit, dass die Salmonellen in Biogasanlagen ab 60 Grad vernichtet würden.

Haible informierte die Mitglieder, dass dieser Komplex oft über die Landkreise unterschiedlich gehandhabt werde. Dies gilt auch für die Regierung, bedauerte der Fachmann. Deshalb sollte bei kritischen Fragen beim jeweiligen Veterinäramt Rücksprache gehalten werden. Mit Blick auf Müller mahnte er brancheneinheitliche Kriterien an. Es sollte versucht werden, einheitliche Vorgaben zu bekommen. Auf Nachfrage teilte er mit, dass es immer mehr mobile Hühnerhäuser gebe. In Schwaben schon 120 solcher Anlagen.

Bei Rückruf-Aktionen nicht den eigenen LKW einsetzen

Zu verschiedenen Kriterien der Salmonellen-Krankheit nahm Dr. Christian Schwarzer, Geschäftsführer des Landesverbandes der Bayerischen Geflügelwirtschaft e.V. Stellung und gab auch interessante Ratschläge. So sollten bei Eier-Rückruf-Aktionen nicht der eigene LKW eingesetzt werden, da es sich um Sondermüll handele. Besser sei die Entsorgung über eine Spezialfirma. Auch sprach er an, dass nach längerer Vorlaufzeit in Bayern nun ein 30-seitiger Salmonellen-Leitfaden herausgegeben wurde, in dem die Behörden entsprechend angeleitet werden. Sein Haus habe mit einem fachkundigen Juristen einen Vertrag gemacht, um die unterschiedlichen Aussagen der Landratsämter zu koordinieren. Es sei zu dieser Thematik auch ein Workshop geplant.

Er gab auch den Ratschlag vor dem Beginn der Untersuchungen nachzufragen, was genau untersucht wird? Werde dies nicht genannt, soll beim Landratsamt nachgefragt werden, worum es geht. Kommt nach etwa einer Woche immer noch kein Ergebnis, solle man laufend nachhaken ob es einen Befund gibt, da das Problem immer komplexer werde, je länger die Untersuchung zurückreicht. Nach der Probenahme: Ware separieren bis der Befund da ist.

Regelmäßig desinfizieren

Wichtig sei, die Anlage regelmäßig zu desinfizieren und in festen Intervallen zu reinigen. Schwarzer: „Das Nadelöhr ist die Packstelle. Alle beweglichen Teile abbauen und in die Waschmaschine geben. Gut sei es, wenn die Eier vom Hof weg sind, da dann keine Verwechslungsgefahr mit den sauberen Eiern gegeben ist.“ Oder sie schnell zum Aufschlagen geben.

Über „Neues bei der Packstelle und Kontrollen“ referierten Dr. Andrea Grimm und Christian Bürzele vom Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte beim LfL-München. Sie erläuterten die Kriterien für eine Packstelle und welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, wenn Eier auf einem öffentlichen Markt, ab Hof oder an Wiederverkäufer abgegeben werden. Auch wiesen sie beispielsweise darauf hin, dass Eierpackstellen zulassungspflichtig sind, sofern mehr als ein Drittel der Eier an andere Betriebe des Einzelhandels abgegeben werden!“ Auf der Eier-Verpackung müssen Güteklasse, die Packstellennummer, das Mindesthaltbarkeitsdatum und der Name und die Adresse des Verkäufers angebeben sein.