Versorgungsleitungen

Gasleitung in Schwaben geplant

Michael Ammich
am Montag, 02.12.2019 - 09:31

Zwischen Wertingen und Kötz, und ab Grundremmingen, sind zwei neue Erdgasleitungen in Planung.

Schwaben

Wertingen/Grundremmingen - Mal angenommen: Sie sind unterwegs und sehen auf einer ihrer Wiesen irgendwo zwischen Wertingen und Kötz einen Trupp Bauarbeiter, die dort offensichtlich Bodenproben nehmen oder Vermessungsarbeiten durchführen. Sie wissen aber von nichts. Niemand hat Sie informiert. Kann das sein? Wenn man den Aussagen der Projektleiter des Fernleitungsnetzbetreibers bayernets mit Sitz in München glauben darf, dann nicht.

Warum diese Frage? Zwischen Wertingen im Landkreis Dillingen und Kötz im Landkreis Günzburg wird von bayernets nämlich eine neue Erdgasfernleitung gebaut. Darüber hinaus ist auch eine Gasanschlussleitung von einer bestehenden Leitung im Gemeindegebiet Dürrlauingen zum Kraftwerksstandort Grundremmingen in Planung.

Beide Leitungen sind im so genannten Netzentwicklungsplan begründet. Das Projekt Wertingen-Kötz etwa soll den bestehenden und zukünftigen Gasbedarf für Stadtwerke, Regionalversorger, Gewerbe, Industrie und neue Kraftwerke im Regierungsbezirk Schwaben und im Südosten Baden-Württmbergs decken. Zudem erhöhe die Maßnahme die Versorgungssicherheit in Süddeutschland. 
 

Vorbereitungen laufen

Derzeit befinde man sich in der Vorbereitung der behördlichen Genehmigungsverfahren, heißt es bei bayernets. Für beide Projekte ist die Inbetriebnahme für das Jahr 2022 geplant, erklären der für die Leitung Wertingen-Kötz zuständige Projektleiter Richard Schreiber, und sein Kollege Stephan Zacherl, zuständig für den Anschluss Grundremmingen. Über den exakten Verlauf der Leitungen und das Ausmaß des Bodeneingriffs könne mit Verweis auf geographische, geologische und hydrologische Gegebenheiten gegenwärtig noch nichts gesagt werden. Es sei hier noch zu früh. Vieles hänge letztlich von den örtlichen Gegebenheiten ab.

Auf der Strecke Wertingen-Kötz werde voraussichtlich eine Leitung mit 700 mm Durchmesser, beim Anschluss Wertingen mit 500 mm eingebracht. Sind die Rohre einmal im Boden, sei ein Mindestmaß der Überdeckung von einem Meter die Vorschrift.

Besteht somit für betroffene Landwirte und weitere Grundstückseigentümer kein Grund zur Sorge?  Wieder ein „Nein“, wenn es nach den Vertretern der bayernets geht.  Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit sollen in naher Zukunft Informationsveranstaltungen in betroffenen Gemeinden stattfinden. Man sei derzeit dabei, mit der Verwaltung, also den betroffenen Gemeinden und Bürgermeistern, die ersten Gespräche vorzubereiten.

Schadensregulierung oft unbefriedigend

Und wie sieht es mit der Entschädigung aus, etwa für Dienstbarkeiten, Flurschäden, Aufwuchsschäden, Drainagen, Bodenschutz etc.?  Oder auch bei nicht unbedingt vorhersehbaren Schäden aufgrund von plötzlicher Witterungsänderungen? Auch hier sichern die Projektleiter Entschädigungen „im Rahmen der geltenden Gesetze“ zu. Im Zuge der weiteren Planungen werde man auf die entschädigungsrechtlich Betroffenen als auch auf den Bayerischen Bauernverband zukommen.

Soweit die Theorie. Allerdings gab und gibt es beim Bau der ca. 87 km langen so genannten „Monaco“-Erdgasfernleitung von Burghausen nach Finsing östlich von München durchaus Probleme, insbesondere auch was den Bodenschutz und dessen Regulierung im Nachgang betrifft.  

Franz Sedlmeier, beim BBV Oberbayern zuständiger Umwelt- und Bewertungsreferent, sieht hier bei der bayernets sieben Monate nach Einweihung der Leitung im April 2019 an manchen Abschnitten „kein Verständnis, was die Beseitigung noch bestehender Schädigungen des Bodens betrifft. Und das obwohl es auf deren Homepage wörtlich heißt: „Die Wiederherstellung und Rekultivierung der in Anspruch genommenen Flächen erfolgt in Absprache mit landwirtschaftlichen Sachverständigen. Die wiederhergestellten Flächen werden gemeinsam mit den Bewirtschaftern bzw. Eigentümern abgenommen.“

Bis heute lasse die bayernets einzelne Landwirte entlang der Monaco-Leitung mit dem geschädigten Boden allein, obwohl erstmals in Bayern vor der Maßnahme von der Genehmigungsbehörde, der Regierung von Oberbayern, eine bodenkundliche Baubegleitung festgesetzt worden war. Da sei man an manchen Stellen für die 1200 mm-Leitung in den Boden reingefahren, obwohl es von der Witterung her quasi unmöglich gewesen sei, sagt Sedlmeier. An eine landwirtschaftliche Nutzung sei an manchen Stellen aufgrund der massiven Schädigungen auf absehbare Zeit nicht zu denken. 

Beim BBV Schwaben in Augsburg ist Ulrich Hins der Referent in Sachen Landwirtschaftliche Bewertung und Schätzung. Von den beiden geplanten Erdgas-Leitungen in Schwaben wisse er „offiziell“ noch nichts. Bayernets sei bisher nicht auf ihn zugekommen. Es sei indes einmal davon die Rede gewesen, bei Leipheim ein Gaskraftwerk zu bauen. Aber auch hier habe er schon länger nichts mehr gehört. Falls die Landwirte jedoch näheres über die weitere Vorgehensweise bei den neuen Erdgasfernleitungen erfahren sollten und sich Fragen auftun, dann werde er sich gerne einschalten und der Bauernverband selbst zu Informationsveranstaltungen einladen.