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Tagung

GÄA Fachtag zum Thema „Buntes Grünland im Allgäu"

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Margarete Schreyer
am Freitag, 17.04.2020 - 10:50

Impulse für die Umwandlung von Grünland in bunt blühende Wiesen gab es beim Fachtag des Anbauverbandes GÄA e.V. in Mauerstetten.

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Frankenried/Lkr. Ostallgäu -  Dr. Matthias Wucherer, Leiter des Netzwerks Blühende Landschaft stellte dabei das Projekt „Buntes Grünland“ der Elobau Stiftung vor. Über einfache Möglichkeiten der Bienenhaltung auf Bauernhöfen referierte Fachberater Ulrich Hampl. Mit der Vorstellung ihres Biohofes in Isny-Kreuzthal konnte Biolandbäuerin Beatrix Schad viele zusätzliche Anregungen für mehr Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren rund um den Hof geben.

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Eine positive Mitgliederentwicklung zeigten die Zahlen des Verbandes beim zuvor abgehaltenen Regionalgruppentreffen. Einen deutschlandweiten Zuwachs von insgesamt 27 Betrieben konnte 2019 beim GÄA-Verband verzeichnet werden und zwar 17 Acker- oder Gemüsebaubetriebe, vier Milchviehhalter, drei Verarbeiter, zwei Handelsunternehmen und ein Zeichennutzungsvertrag. Die Gesamtfläche des Zuwachses betrug 3474,5 Hektar. Gekündigt haben 2019 neun Betriebe. Zwei gaben ihren Betrieb auf, vier wechselten zu EG Bio, zwei in andere Verbände, einer erhielt wegen Richtlinienverstöße die Kündigung. GÄA arbeitet eng mit Bioland zusammen. So finden im Bereich Qualitätssicherung ein regelmäßiger Austausch und gemeinsame Kontrollstellenschulungen statt. Weiter erarbeiten die beiden Anbauverbände derzeit gemeinsam ein Biodiversität-Konzept, das dann verpflichtend umgesetzt werden muss.

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„Der weltweite Verlust von Biodiversität findet auch bei uns statt“, machte Dr. Mathias Wucherer bei der Vorstellung des Projektes „Buntes Grünland“ deutlich. Das eigentliche Problem sei das Insektensterben, denn nur eine große Vielfalt an Insekten gewährleiste auch die Bestäubung der unterschiedlichsten Pflanzen. Als Gründe für das Insektensterben sieht Wucherer den Mangel an Nahrung. Bis vor einigen Jahrzehnten waren bunt blühende Wiesen die Hauptnahrungsquelle für Blüten besuchende Insekten wie Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und Co. Heute beschränke sich der Aufwuchs meist auf relativ wenige Gräserarten. Auch der Einsatz von Pestiziden und die Homogenisierung der Landschaft tragen zur Reduzierung der Insekten bei. Um wieder mehr Biodiversität zu erhalten sei es notwendig, die Kulturlandschaft zu verändern, „es sollte immer etwas blühen“, betonte der Referent. Dies gelte natürlich auch für Gärten und öffentliche Grünanlagen.

Projekt buntes Grünland

Das Projekt „Buntes Grünland“ möchte praxisorientierte Handlungsempfehlungen für die Wiederherstellung von artenreichen Grünlandbeständen aus Intensiv-Bewirtschaftung entwickeln und erproben. Dabei soll artenverarmtes Vielschnitt-Grünland wieder zu traditioneller Heuwiesen-Nutzung überführt und dadurch ökologisch aufgewertet werden. Der Versuch findet auf einer Fläche von 3,3 ha Grünland statt, welches in den letzten Jahren mit jährlich sechs Mähintervallen plus Düngergabe intensiv bewirtschaftet wurde. Auf dieser Versuchsfläche in Leutkirch Balterazhofen werden seit Frühjahr 2018 vier Methoden der Grünlandaufwertung exemplarisch durchgeführt. Die Behandlung reicht von einem Umbruchanteil von 15 bis 100 Prozent. In die jeweiligen Versuchsstreifen wurden zertifizierte Saatgutmischungen mit 50 % Gräseranteil und 50 % Blumenanteil eingesät.

Für eine Hälfte sind drei und für die andere Hälfte zwei Mahdtermine vorgesehen. Der Hitzesommer 2018 brachte bereits erste positive Ergebnisse, „nur in den Versuchsflächen stand der Aufwuchs sehr hoch, denn bei einer großen Pflanzenvielfalt sind immer Arten dabei, die mit Hitze und Trockenheit gut klarkommen“, so Wucherer. Bei dem Projekt werden vier verschiedene Methoden der Grünlandaufwertung getestet und miteinander verglichen. Die Studie ist auf 10 Jahre ausgelegt, die Ergebnisse sollen dann publiziert und unter Landwirten im Allgäu verbreitet werden. Wucherer forderte die Betriebsleiter auf, sich verstärkt mit den Möglichkeiten für mehr Biodiversität zu befassen, „sie müssen aus ihrem Betrieb ja keinen Nationalpark machen, aber wenn auf der einen oder anderen Fläche wieder mehr Wildblumen zu sehen sind honoriert dies der Bürger sicher mehr, als wenn mit hunderten Traktoren demonstriert wird“, so seine Meinung.

Blühenden Flächen und Sträucher als Nahrungsquelle

Auch eine Bienenhaltung auf dem Hof trägt dazu bei, den Wert von blühenden Flächen und Sträucher als Nahrungsquelle zu begreifen und daneben noch von der Befruchtungsleistung der Insekten zu profitieren. Dass dazu nicht unbedingt ein Bienenhaus notwendig ist, machte Fachberater Ulrich Hampl bei der Vorstellung einer einfachen Haltung in der Bienenkiste deutlich.

Sie ermöglicht eine eingriffsarme, extensive Bienenhaltung, bei der sich das Bienenvolk entsprechend seiner natürlichen Anlagen entwickelt. Es baut seine Waben selbst und kann sich über den Schwarmtrieb vermehren. Durch die besondere Bauweise ist eine einfache Inspektion und Betreuung gewährleistet, „die Bienenkiste ist die einzige Bienenwohnung in der man das ganze Volk auf einmal sieht“, so Hampl. Er selber braucht nur rund fünf Stunden im Jahr für die Betreuung seines Bienenvolkes in der Bienenkiste, „Man hat wenig Arbeit, wenn man den Bienen ihren Naturtrieb lässt und sie schwärmen dürfen“, so seine Erfahrung.

Biobäuerin und Blühbotschafterin Beatrix Schad

Wie begeistert sie von der großen Vielfalt an Pflanzen und Tieren auf ihrem Bauernhof ist, berichtete an diesem Nachmittag schließlich Biobäuerin und Blühbotschafterin Beatrix Schad aus Isny-Kreuzthal. Damit die Insekten genügend Futter finden hat die Familie ganz viele Blumen und Sträucher gepflanzt, die zu den unterschiedlichsten Zeiten blühen. Auch ein Trinkwasserangebot für die Tiere fehlt nicht. Über 50 Nistkästen lassen den Garten zu einem Vogelparadies werden.

Neben einer großen Mehlschwalbenkolonie siedelten sich auf dem Hof sogar die selten gewordenen Rauchschwalben und Mauersegler wieder an, „neben dem Angebot von Nisthilfen und Pfützen für das Nestbaumaterial hab ich CDs mit dem Gezwitscher der jeweiligen Schwalbenart in Dauerschleife laufen lassen und damit diese Arten wieder angelockt“, erzählte die Bäuerin. Nicht fehlen dürfen auch auf ihrem Hof die Bienen. Die Bienenkiste mit den fleißigen Insekten kann sie sogar vom Esstisch aus beobachten, „man hat als Bienenhalter einen ganz anderen Blick auf die Pflanzen rund um den Hof, weil man dabei die Natur aus den Augen der Bienen sieht“, bekennt die Biobäuerin.