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Stallbau

Futtertisch: Tagsüber Sanieren und abends nutzen

Stall sanieren
Margarete Schreyer
am Dienstag, 29.10.2019 - 10:22

Welche Möglichkeiten und Vorgehensweisen es bei der Sanierung von Futtertischen in Milchviehställen gibt, zeigte das AELF Kaufbeuren bei einem Praxistag in Enzenstetten und Unterreuten bei Seeg im Ostallgäu.

Futtertische werden mit der Zeit durch die mechanische Futtervorlage und die organischen Säuren des Gärfutters stark in Mitleidenschaft gezogen. Es entstehen Risse und Löcher in denen sich Schmutz, Keime und Schimmel bilden. Rinder sind jedoch sehr geruchsempfindlich beim Fressen. Ein hygienisch sauberer Futtertisch ist deshalb der Garant für eine hohe Futteraufnahme sowie für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere.

Welche Möglichkeiten und Vorgehensweisen es bei der Sanierung gibt, sahen die Teilnehmer eines Praxisseminars, das vom Fachzentrum Rinderhaltung am AELF Kaufbeuren organisiert wurde, auf zwei Betrieben in der Gemeinde Seeg.

Bis zu einer Breite von 1,60 m zu beschichten

Meinrad Klein, der Leiter des Fachzentrums, machte eingangs deutlich, dass bereits beim Bau verschiedene Schutzmaßnahmen ergriffen werden sollten, damit die Futtertischoberfläche möglichst lange glatt und hygienisch bleibt. „Oft wird nur betoniert, doch was dadurch anfangs eingespart wird, kostet durch eine Sanierung dann doppelt“, so Klein. Er riet, den Futtertisch bis zu einer Breite von 1,60 m zu beschichten und sich über die Auswahl des Materials sowie über Nutzungsdauer, Rutschfestigkeit und Befahrbarkeit umfassend zu informieren.

Die Sanierung könne auch in Eigenleistung erfolgen, „doch alles was Sie selber machen, fällt aus der Garantie“, betonte Klein. Dies unterstrich auch Thomas Steinhauser von der Firma Saliplan GmbH. Selbermachen sei zwar eine Alternative, jedoch nur mit einer optimalen Beratung und Beurteilung vor Ort zu empfehlen. „Meist ist auch die notwendige Schutzausrüstung und das richtige Werkzeug dafür nicht vorhanden“, sagte Steinhauser.

Fläche gründlich reinigen

„Tagsüber sanieren, am Abend wieder benutzen“ – unter diesem Slogan stellte er dann die einzelnen Arbeitsschritte einer Futtertischsanierung vor. Als erstes werde das Objekt vorab besichtigt und ein Angebot mit Kostengarantie abgegeben. Je nach Größe der Sanierungsfläche nannte Steinhauser einen durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 80 bis 85 €, plus Material für den Ausgleich der Unebenheiten.

Die Erfahrung zeige, dass Kunstharzbeschichtungen, speziell auf Sanierungsflächen, einer professionellen und sorgfältigen Untergrundvorarbeit bedürfen. Hochdruck-Wasserstrahler und Gasbrenner würden oft nicht ausreichen, um eine optimale Haftung zu gewährleisten.

Einen Tag bevor der Profitrupp von Saliplan anrückt, müsse der Futtertisch mit dem Hochdruckreiniger gründlich gesäubert werden. Danach sind die Handwerker mit ihren Spezialmaschinen am Zug. Sie schleifen mit einem Kugelstrahler, grundieren, gleichen Unebenheiten aus und bringen die Kunstharzbeschichtung in der richtigen Stärke auf. „Eine Beschichtung kann immer nur so gut sein wie der Untergrund“, machte Steinhauser klar und sagte, dass seine Firma bisher keine einzige Reklamation im Haftungszeitraum hatte.

Das Ergebnis einer solchen Sanierung konnten die Teilnehmer dann auf dem Betrieb von Eduard Fichtl in Unterreuten sehen. Sein 30 m langer Futtertisch war 21 Jahre nach dem Neubau des Laufstalles ziemlich rau geworden. Die Arbeiter seien am Morgen dieses Tages angerückt, am Nachmittag konnten die Teilnehmer des Praxistages den Futtertisch bereits begehen, er war sogar schon wieder befahrbar. „Ich bin sehr zufrieden mit der gelei­steten Arbeit und hoffe, dass die Beschichtung wieder 20 Jahre hält“, bekannte Fichtl.

Sauber arbeiten für ein langlebiges Ergebnis

Fressfläche

Eine etwas günstigere Methode stellte an diesem Nachmittag der Maschinenring Ostallgäu in der Praxis vor. Der MR bietet diese schon seit Jahren an und arbeitet dabei eng mit der Firma Desecal agroCoating zusammen. Im Stall von Hans-Peter Stechele in Enzenstetten konnten die Besucher dem MR-Mitarbeiter Andreas Hauser bei den einzelnen Schritten der Untergrundvorbereitung auf die Finger schauen. Dabei wurde der vorgewaschene Futtertisch abgeflammt, ge­fräst, abgesaugt und grundiert. „Wir lassen die Grundierung lieber einen Tag aushärten“, erklärte Hauser den Landwirten.

Laut Martin Reßle vom MR Ostallgäu hat die Gemeinschaft insgesamt drei Mann für die Futtertischsanierung ausgebildet und die Maschinen dafür angeschafft. Große Ställe werden meist in zwei oder drei Arbeitsschritten gemacht, so steht für die Tieren immer ein Teil des Futtertisches bereit.