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Eschentriebsterben

Für den stabilen Auwald von morgen

Im kommunalen Auwald bei Illertissen informierte Revierförster Michael Mayr die Neu-Ulmer Kreisbäuerin Christiane Ade, Staatsministerin Michaela Kaniber und MdL Dr. Bate Merk (v. l.) über den Waldumbau, den das Eschentriebsterben erforderlich macht.
Patrizia Schallert
am Dienstag, 15.11.2022 - 09:35

Landwirtschaftsministerin Kaniber informiert sich über Eschentriebsterben

Illertissen/Lks. Neu-Ulm Dass ein Waldumbau nicht nur bei gefährdeten Fichtenreinbeständen erforderlich sein kann, sondern auch in einem von Laubholz dominierten Laubwald, erfuhr Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber bei einer Waldbesichtigung nahe Illertissen. Dort hatte das Eschentriebsterben großflächig zugeschlagen, als Ersatzmaßnahme wurde in dem Kommunalwald eine breite Palette von Mischbaumarten angepflanzt. Begleitet wurde die Staatsministerin von der Neu-Ulmer Landtagsabgeordneten Dr. Beate Merk, dem Leiter des AELF Krumbach-Mindelheim, Rainer Nützel, Revierförster Michael Mayr, dem Illertisser Bürgermeister Jürgen Eisen und Kreisbäuerin Christiane Ade.

Klimawandel schuld am Eschentriebsterben

Die Folgen des Klimawandels, die absterbenden Eschenbestände und eine üppige Konkurrenzvegetation machen es schwierig, hier einen neuen Wald aufzubauen, sagte die Staatsministerin „Ich freue mich, dass die Stadt Illertissen die Herausforderung angenommen hat und gemeinsam mit dem AELF Krumbach- Mindelheim schon heute für einen stabilen Auwald von morgen sorgt.“ Den Auwäldern komme eine besondere Bedeutung zu, so Kaniber. „Sie sind die grünen Lebensadern Bayerns, Hotspots der Artenvielfalt und sie schützen uns vor Extremwetterereignissen.“ Der Freistaat sei sich seiner Verantwortung für gesunde Wälder bewusst und habe den 700.000 bayerischen WaldbesitzerInnen allein im vergangenen Jahr 93 Mio € für den Waldumbau zur Verfügung gestellt.

Auch wenn es dem forstlichen Laien so erscheint, sei der Auwald keine heile Welt, erklärte Rainer Nützel. Der Forstdirektor erinnerte an den Klimawandel, dem letztlich auch das Eschentriebsterben zu verdanken sei. „Das Schlechteste ist, wenn wir nichts tun.“ Das Problem sei nur, dass heute kein Forstmann und kein Waldbesitzer wissen könnten, wie es um den Wald in hundert Jahren steht.

Esche dominiert im Altbestand

Der Waldbesitz der Stadt Illertissen beläuft sich auf rund 50 ha, davon sind 18 ha Landwald und 32 ha Auwald, der im Landschafts- und Wasserschutzgebiet liegt, sagte Michael Mayr, Leiter des Forstreviers Pfaffenhofen an der Roth. Die Betriebsleitung und Betriebsausführung des Stadtwalds obliegt dem AELF Krumbach-Mindelheim. Die Altbestände des Auwalds werden von der Esche mit einem Anteil von mehr als 80 % dominiert, dazu gesellen sich Eichen, Weiden, Pappeln und Edellaubhölzer.

Bei dem besichtigten Auwaldbestand handelt es sich vermutlich um durchgewachsene Mittelwälder, die früher einmal der Brennholzversorgung dienten, erklärte Mayr. Später sei die Brennholznutzung aufgegeben worden. Der „Mittelwald“ ist eine historische Waldbauform. Demnach besteht ein Mittelwald aus dem Oberholz, das alt werden darf, und dem Unterholz, das rund alle 30 Jahre als Brennholz geerntet wurde. Die mächtigen Kronen dieser Waldform bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Eschen fallen bei leichtem Wind um

Seit 2008 ist das „Eschentriebsterben“ bekannt. Verursacher ist der Pilz „Falsches Weißes Stängelbecherchen“. In der Vergangenheit wurden auch im Illertissener Stadtwald vermehrt Eschen beobachtet, die bereits bei geringem Wind umfielen. Dieses Risiko tangiere die Verkehrssicherungspflicht des Waldeigentümers.

2012 wurden mit den Umbaumaßnahmen begonnen und Rückegassen im Abstand von rund 30 m angelegt, nachdem Biotopbäume, Totholz und augenscheinlich noch vitale Eschen, die auf der Fläche belassen werden sollten, markiert worden waren. „Durch diese vitalen Eschen könnte eine resistente Naturverjüngung aufkommen“, hofft Mayr. In den vergangenen zehn Jahren wurden mit 72.095 Jungpflanzen bereits 12,8 ha Auwald umgebaut, dies entspricht knapp 1,3 ha jährlich. Der Baumartenanteil umfasst zu 49 % Stieleiche, 15 % Winterlinde, 8 % Hainbuche, 7 % Flatterulme, 6 % Bergahorn, 5 % Vogelkirsche und zu 10 % andere Baumarten. Die Pflanze kostet vier bis fünf Euro. Die Förderung beläuft sich auf rund drei Euro. Die Zuschüsse aus einem forstlichen Förderprogramms beliefen sich auf 141.977 €. Die Stadt Illertissen investierte 360.475 € in den Waldumbau. Hinzu kommen jährliche Kosten von 5.000 € für die Kultursicherung. Der Eigenanteil allein für diese Anlage liegt bei bisher insgesamt 218.500 €, sagte Mayr. „Diese Kosten muss sich eine Kommune leisten können und wollen.“