Marktnische

Für Hundeleckerlis gibt es einen Markt

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Anja Kersten
am Dienstag, 29.09.2020 - 08:09

Auf ihrem Betrieb in Stötten stellt Familie Schreyerregionales Bio-Hundefutter aus Schlachtnebenprodukten her. Die Hundehalter reißen sich darum.

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Die Verbraucher sind sich einig, dass ein geschlachtetes Tier „from noise to tail“ verwertet werden sollte, also dass alle Teile sinnvoll verwertet werden. Tatsache ist aber auch, dass Innereien wie Leber, Herz oder Nieren nur selten auf ihren Tellern zu finden sind. Und was niemand will, landet zwangsläufig im Müll. Renate und Stefan Schreyer haben sich diese Verschwendung lange mit Unbehagen angesehen. „Als Bio-Landwirte wirtschaften wir in einem Kreislauf und dann schmeißen wir Lebensmittel weg, das passt nicht“, sagt Stefan Schreyer.

In Stötten führt die Familie Schreyer einen Milchviehbetrieb mit 50 Kühen, Nachzucht und Mast sowie 57 ha Nutzfläche. Es waren schließlich ihre zwei Mischlingshunde Mia und Flash, die Renate Schreyer auf die Idee brachten, Hundeleckerlis aus den übrig gebliebenen Fleischabschnitten für den Schinken herzustellen. Die ersten Versuche mit Fleisch ohne Konservierunsgstoffe wurden im Backofen in der Küche gemacht. Die beiden Hunde waren „ganz narrisch“ auf diese Leckerlis, erinnert sich die Biobäuerin. Sie bot erste Kostproben auf den Weihnachtsmarkt in Stötten an, wo sie reißenden Absatz fanden. Dieser Erfolg bestärkte Schreyer weiter an einem Hundefutter aus Schlachtabfällen zu tüfteln - bio, regional und ohne Konservierungsstoffe.

Hundebesitzer sind bereit, Geld auszugeben

„Der Markt für solche Leckerlis ist vorhanden“, betont die Bäuerin. Viele Verbraucher, die selbst Wert auf die regionale Herkunft ihres Essens legen, möchten ihren Hund nicht mit Fleisch füttern, das beispielsweise aus China kommt. Sie sind gerne bereit, dafür auch Geld auszugeben. Außerdem leiden immer mehr Hunde an Unverträglichkeiten und Allergien aufgrund bestimmter Futtermittelbestandteile, sagt Schreyer.

Durch Recherchen im Internet, Gespräche mit Hundezüchtern und vor allem mit einer Tierärztin klärte die Unternehmerin ab, welche Inhaltsstoffe Hunde in ihrem Futter brauchen. Sie informierte sich, wie Hundefutter haltbar gemacht werden kann, ohne Konservierungsstoffe zuzusetzen.

Drei Jahre und viele Versuche später kann Renate Schreyer heute ein breites Sortiment an Hundefutter anbieten - mit dem Unterschied, dass es nicht mehr in der eigenen Küche im Ofen getrocknet wird, sondern in einem Trockenschrank, der in einem eigenen Raum für die Hundefutterproduktion steht. Vom Veterinäramt und der Futterüberwachung mussten für die Futterproduktion Genehmigungen eingeholt werden, zu denen bestimmte Standards gehören.

Die Hundewurst geht durch den Fleischwolf

Einmal im Monat lässt der Biohof zwei bis drei Rinder in Ruderatshofen schlachten. Die frischen Innereien wie Leber, Milz, Niere, Herz, Zunge und den Schlund kocht Renate Schreyer zwei Stunden lang in einem großen Topf. Anschließend lässt sie die Masse für die Hundewurst durch den Fleischwolf, füllt sie in Dosen ab und verschließt sie. So kommt das Hundefutter ohne Konservierungsstoffe aus und ist dennoch bis zu einem Jahr haltbar. Pansen und Lunge werden im Trockenschrank bei 80 °C einen Tag lang vorgetrocknet, dann in Würfel geschnitten und nochmals ein bis eineinhalb Tage lang getrocknet.

Selbst für die Rinderohren und das Euter hat die Unternehmerin eine Vermarktungsmöglichkeit gefunden. Das Fell an den Rinderohren wirkt wie eine Zahnbürste für das Hundegebiss und reinigt die Zähne. Aus dem Euter und der Kopfhaut stellt Schreyer Cow-Sticks her. Für den Betrieb in Sötten ist „from noise to tail“ jetzt kein leerer Begriff mehr, sondern Realität.

Direkte Vermarktung

Vermarktet wird das Hundefutter größtenteils direkt, nachdem sich unter ihren Kunden, die Fleischpakete am Hof abholen, auch einige Hundebesitzer befinden. 3,50 € bezahlen sie für 100 g Leckerlis, für die Dose Hundefutter 2,50 €. Auch in ausgewählten Läden in der Umgebung wie einem Bioladen in Marktoberdorf oder im „Pfotenstadl“ in Peißenberg ist das regionale Bio-Hundefutter aus dem Schreyer-Hof erhältlich. Zusätzlich hat Renate Schreyer einen Online-Shop aufgebaut, über den mittlerweile rund 10 % der Hundefuttermittel abgesetzt werden.