Versammlung

Der Frust hockt tief

MN-BBV LI Gebietsversmmlung-Isa-17.3.
Isabel Kubeth de Placido
am Dienstag, 16.04.2019 - 14:35

Beim BBV Lindau hadern die Bauern mit Blauzunge und Volksbegehren.

Herbatshofen/Stiefenhofen Blauzungenkrankheit, anonyme Anzeigen von konventionell betriebenen Höfen, das Bangen um die Weiterführung des Spitalhofs, Wildschweine und noch immer das Volksbegehren Artenvielfalt. Das sind die Themen, die die Landwirte des BBV Lindau zuletzt beschäftigten. Kein Wunder also, dass rund 50 Landwirte aus dem oberen Landkreis zur Gebietsversammlung gekommen sind. „Themen gibt es ja genug, die uns unter den Nägeln brennen“, sagte Kreisobmann Elmar Karg und sollte damit keinesfalls untertreiben.
Bei seinem Abriss der aktuellen Themen stellte sich heraus, dass es derzeit doch einiges gibt, was die Emotionen hochkochen lässt. Angefangen bei der Blauzungenkrankheit, die zwar in verschiedenen Gebieten Baden-Württembergs aufgetreten ist, den Landkreis Lindau bisher jedoch noch verschont hat. Trotzdem ist der Landkreis sogenanntes Restriktionsgebiet. Dies wiederum hat Auswirkungen für alle jene Landwirte, die ihr Vieh auf den Markt bringen wollen. Verkaufen dürfen sie ihre Tiere nur dann, wenn sie für diese einen Impfschutz vorweisen können. Dies geschieht wiederum über eine Blutuntersuchung. War der Endtermin dafür ursprünglich auf den 28. Februar gelegt, so konnte der Termin dank des Einsatzes verschiedener Verbände auf den 31. März verschoben werden. Karg stellte eine weitere Verschiebung in Aussicht: „Es besteht die Chance, dass die Zeit verlängert wird“, sagte Karg. Denn es habe sich herausgestellt, dass der Impfstoff teilweise gar nicht verfügbar ist. Auch deswegen hofft Karg, dass das Ministerium auf den Vorschlag der Verbände vom 16. Februar eingeht, dass Kälber, die mit Milch von geimpften Tieren gefüttert wurden, zumindest als Übergangslösung, als immunisiert gelten.
Kopfzerbrechen bereiten den Landwirten auch die Anzeigen, infolge derer mittlerweile rund zwölf Betriebe durch das Veterinäramt überprüft wurden. Dabei geht es um die Zahl der Liegeplätze im Kuhstall, also darum, ob der Stall den gesetzlich vorgeschriebenen Vorgaben entspricht und die Tiere genügend Platz haben. „Bisher wurden nur konventionelle Betriebe angezeigt“, sagte Karg und erklärte: „Wir wissen nicht, wer das ist, ob das eine Tierschutzorganisation ist oder eine Einzelperson.“ Der Antrag auf Akteneinsicht habe lediglich gezeigt, dass die Anzeigen anonym erfolgen „und da ist man machtlos“. Für die Bauern sind diese Anschuldigungen jedoch ein „Unding“. Insbesondere weil die Überprüfungen die Vorwürfe „in allen Fällen widerlegt“ haben.
Was das Ärgernis Wildschweine betrifft, so will der Verband das Thema nun „von unten heran anpacken“, wie Karg sagte. Bisher habe man noch keinen Fuß auf den Boden gebracht und die Wildschweine im Degermoos, die über den Winter verschwunden waren, seien jetzt wieder da. Deshalb sei geplant, das Thema landkreisübergreifend und zusammen mit der Jägerschaft in den Griff zu bekommen.
Auch das Thema „Volksbegehren Artenvielfalt“ sei längst noch nicht beendet. Karg berichtete vom ersten Runden Tisch, an den sich Ende Februar rund 30 Gruppen verschiedener landwirtschaftlicher Institutionen und Naturschutzverbände gesetzt und miteinander gesprochen hatten. Jede von ihnen hatte dort Gelegenheit ihre Sicht der Dinge darzulegen. Als Fazit sei, so berichtete Karg, daraus hervorgegangen: „Wir sind nicht gegen die Landwirtschaft, es geht nicht ohne Landwirtschaft und nicht nur die Landwirtschaft wird’s richten.“ Ein Fazit, das Karg schon mal als einen Erfolg wertete, wenngleich nicht nur er sich an diesem Abend aufregte. Aber schließlich, so veranschaulichte der Kreisobmann: „Der Frust hockt tief. Uns hat man wie einen Hägel durch die Arena gezogen“.

Zuvor hatte Herbert Guggenmoos vom BBV-Service informiert, welche Versicherungen für die Landwirte sinnvoll und wichtig sind. Letztendlich riet er dazu, die Policen gründlich zu überprüfen oder vom BBV-Service überprüfen zu lassen.