Waldbau

Frischholz mit Augenmaß einschlagen

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Externer Autor
am Montag, 07.01.2019 - 16:47

WBV Aichach: Der Klimawandel wirkt sich auf den Wald schon voll aus

Aichach Das zurückliegende Jahr mit der extremen Witterung stellte die Waldbesitzer vor großen Herausforderungen. Dies wurde auch bei der 66. Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Aichach mit insgesamt 1649 Mitgliedern deutlich. ,,Die Klimaveränderung hat auf die Wälder schon voll durchgeschlagen. Nur durch ein schnelles, schlagkräftiges Handeln der WBV konnte im Aichacher Raum Schlimmeres verhindert werden“, blickte WBV-Vorsitzender Peter Erhard auf ein schwieriges Jahr.

Politik weiß, wie wichtig der Wald für uns ist

Da die Wälder dem Klimawandel voll ausgesetzt seien, müsse alles getan werden, um sie zu stabilisieren. Ein Forstumbau sei notwendig, damit der Wald auch künftig seine Nutz-Schutz- und Erholungsfunktion nachhaltig erfüllen kann. Im Waldpakt des Freistaates seien zusätzliche Haushaltsmittel für den Forstumbau zugesichert worden und kommen auch den WBVs zugute, sagte Erhard. Die Politik sei sich somit der Bedeutung der Wälder bewusst.
Die WBV Aichach habe heuer 58 000 Festmeter Holz vermarktet, davon waren 13 000 fm Käferholz, die Vermarktungszahl war in etwa identisch mit dem Vorjahr. Dass es in diesem trockenen Sommer nicht mehr war, sei der Schlagkraft der WBV zu verdanken. Besonders dankte Erhard dafür den beiden WBV-Geschäftsführern, dem Landwirtschaftsamt, den Einschlagunternehmen und nicht zuletzt den Waldbauern für ihre schnelle Schadholzaufarbeitung.
Durch die Trockenheit und Stürme sei sehr viel Schadholz angefallen und als Folge seien die Holzpreise stark gefallen. So riet der Vorsitzende, den Einschlag von Frischholz stark einzuschränken, erst das Schadholz aufzuarbeiten und warten bis sich die Preise erholt haben.
Trotzdem dürfe man die Durchforstung nicht vernachlässigen, um die Wälder stabil zu halten. Eine gute Durchforstung sei die beste Investition für den Wald. Eine nachhaltige Holznutzung bremse auch den CO2-Anstieg in der Atmosphäre.
AELF-Chef Wolfgang Sailer stimmte diesen Argumenten zu. Auch im neuen Jahr müsse verstärkt auf die Käferbekämpfung geachtet werden. Gegenwärtig liege in Deutschland und den Nachbarländern mehr als 50 Mio. fm Schadholz am Boden. „Deshalb müssen unsere Waldbauern darauf achten, dass nicht zuviel Holz auf den Markt kommt. Also den Frischholzeinschlag mit Augenmaß betreiben.“

Temperatur steigt, Niederschläge sinken

Über den notwendigen Waldumbau – Klimawandel, Standortverhältnisse, Baumarteneignung – im Gebiet der WBV Aichach informierten Revierleiter Ralf Lojewski und Günter Biermayer, Mitglied der Vorstandschaft und Behördenleiter am AELF Fürstenfeldbruck. Der Temperaturanstieg um über zwei Grad bei sinkenden Niederschlägen mache vor allem den Fichtenbeständen zu schaffen. Standortkartierungen hätten ergeben, dass die Waldstandorte im Raum Aichach mit 64 % besser Wasser speichern als leichtere Böden. Daher seien noch bedingt Fichten-Zwischengenerationen möglich.
Im Waldpakt seien 200 Mio. € zusätzliche Fördermittel für den Waldumbau in Bayern vereinbart worden, freute sich MdL Peter Tomaschko. Die Stadt sei mit der Spitalwaldstiftung selbst Forstbesitzer und kläre mit dem Walderlebnispfad die Bevölkerung auf, sagte Bürgermeister Klaus Habermann. BBV-Kreisobmann Reinhard Herb erinnerte an die nachhaltige Waldarbeit seiner Berufskollegen und ihren Beitrag zur Energiewende. Franz Hofner

WBV: Umsatz von 3,86 Mio. €

Die Waldbesitzervereinigung (WBV) Aichach mit ihren umfangreichen Leistungen für die Waldbauern – Beratung, Planung, Organisation und Verkauf rund um den Wald – ist auch wirtschaftlich bedeutsam. Im vergangenen Jahr erzielte die gemeinsame Holzvermarktung einen Umsatz von 3,86 Mio. €.

Laut der beiden Geschäftsführer Bernhard Breitsameter und Martin Hollfelder wurden insgesamt 57 728 Festmeter Holz vermarktet, der größte Teil davon Nadelholz, Papierholz 8192 Raummeter. 502 Waldbesitzer haben über die WBV Holz verkauft – in Zusammenarbeit mit 16 Sägewerken vorwiegend in der Region und mit 273 privaten Kleinabnehmern. Von Juni bis Oktober wurden 150 Käferholzbaustellen organisiert. Auch das Dienstleistungsangebot mit Waldpflegeverträgen wurde weiter ausgebaut. Breitsameter nannte Preise für Fichtenstammholz (lang) von 85 bis 87 € je fm und für Fixlängen von 75 bis 76 € für Papierholz von 31,85 €/rm. Auch die Preise für Laubholz (Eiche, Esche, Buche) seien erfreulich.

Vorsitzender Peter Erhard berichtete von einer 14-tägigen Erlebnisreise der WBV mit 43 Teilnehmern nach Moskau-Baikalsee, der Mongolei und Peking, ebenso von Lehrfahrten zur Interforst nach München und Hohenzollern zum Schloss Sigmaringen.

Außerdem berichtete Erhard von Plänen, gemeinsam mit den Maschinenringen (die beiden Ringe Aichach und Friedberg wollen zum „MR-Wittelsbacher Land“ fusionieren) eine Geschäftsstelle, im neuen Gewerbegebiet bei Gallenbach, zu bauen. Die Planung sehe er auf einem guten Weg, sagte Erhard. FH