Die Freude am Beruf erhalten

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Toni Ledermann
am Montag, 20.08.2018 - 15:18

Freisprechungsfeier für die Landkreise Neu-Ulm, Günzburg und Unterallgäu in Mindelheim.

Je mehr Vergnügen du an deiner Arbeit hast, desto besser wird sie bezahlt.“ Mit dieser Aussage des Schriftstellers Mark Twain war die Freisprechungsfeier und Abschlussfeier der Landwirtinnen und Landwirte aus den Landkreisen Günzburg, Neu-Ulm und Unterallgäu im „Forum“ von Mindelheim überschrieben. Bildungsberater Markus Hofmann vom AELF Mindelheim hatte diese Aussage gewählt, um zu verdeutlichen, dass Geld nicht alles ist!

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Behördenleiter Dr. Ludwig Merk vom AELF Mindelheim gratulierte den Absolventinnen und Absolventen und deren Angehörigen und Freunden für ihre Energie und Mithilfe bei diesen Schritt, der nun einen neuen Lebensabschnitt einleitet. Mit Blick auf den neuen Schulleiter der Mindelheimer Berufsschule, Georg Renner, wies er darauf hin, dass den Lehrkräften beider Schulen die Sicherung des dualen Systems und eine fundierte Ausbildung sehr am Herzen liegt. Um die Verbundenheit beider Schulen zu dokumentieren, wurden in diesem Jahr erstmals eine gemeinsame Zeugnisverteilung und die Ehrung der besten Absolventen durchgeführt. Bisher wurde dies getrennt abgehalten.
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Die beiden Schulleiter dankten dem Prüfungsausschuss für die konstruktive Mitarbeit und dafür, dass sie wieder viel Zeit investiert haben – und dies trotz der laufenden Erntearbeiten. Dr. Merk appellierte an alle Landwirte, ihren Betrieb für Auszubildende zu öffnen, um nicht daran die Nachwuchsarbeit scheitern zu lassen. Er dankte auch Markus Hofmann für die vielen Vorbereitungs- und Durchführungsarbeiten für diesen Abend. So präsentierte Hofmann bei der Zeugnisvergabe beispielsweise von jeder Absolventin und jedem Absolventen ein Foto und die Angabe der jeweiligen Ausbildungsbetriebe.

Merk ging auf den oben aufgeführten Leitspruch ein und sagte, dass damit sicher nicht nur die monetäre Entlohnung gemeint sei, sondern die Freude am beruflichen Tun, die bekanntlich auch ideelle Zufriedenheit vermittelt, was sich positiv auf das Umfeld auswirke. „Lob und Anerkennung werden Dich in Deinem Verhalten und Tun bestätigen und wiederum neu anspornen, was noch mehr Freude und Zufriedenheit bewirkt.“ Diese immaterielle Art der Bezahlung sollten die jungen Leute immer im Auge behalten. Berufsschulleiter Renner begrüßte ebenfalls den gemeinsamen Abschluss. Dies zeige, wie eng der Schulterschluss der Partner in der dualen Ausbildung sei. Auch wies er darauf hin, dass die Landwirtschaftsabteilung in seiner Schule sehr wichtig ist. Immerhin wurden 40 Schülerinnen und Schüler in zwei Klassen ausgebildet. „Dies sei durchaus nicht üblich und wir freuen uns riesig, dass das so ist.“

Wille zur Ausbildung ist in hohem Maß da

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Zu den aktuellen Ausbildungszahlen führte Bildungsberater Markus Hofmann aus: „In der Landwirtschaft besteht der Wille zur Ausbildung im zunehmenden Maße.“ Dies zeigen die Fakten: So stieg die Zahl der Ausbildungsplätze im Mindelheimer Einzugsbereich um 13 auf 102. Davon waren 2017/18 insgesamt 63 belegt. Hinzu kommt, dass diese Höfe sehr breit aufgestellt sind. Neben dem Klassiker Milchviehhaltung werden nahezu alle Betriebszweige ausgebildet, auch Besonderheiten wie Biogas, Hühnerhaltung und Direktvermarktung. Hinzu kommt die verkehrsgünstige Lage an der A 96.
„Eine gewisse Normalisierung“ sieht der Referent beim BGJ. Statt dem Hype mit 42 jungen Leuten im vergangenen Jahr habe sich dies auf 21 BGJ-Schüler normalisiert. Aktuell sei die Klasse mit 20 Schülern gut aufgestellt. Zum Komplex „Bildungsprogramm Landwirt (BiLa)“ führte Hofmann aus, dass sich dieses Programm an landwirtschaftliche Unternehmer und Unternehmerinnen richtet, die einen außerlandwirtschaftlichen Beruf erlernt haben und ihren Betrieb im Nebenerwerb weiterführen möchten. Zurzeit nehmen daran zwischen 30 und 40 Personen jährlich teil. Auch in diesem Jahr stellte Hofmann den Schüler vor, der das schönste Berichtsheft erstellt hat. Dieser Azubi-Oscar ging an Andreas Steinbrück, dessen Berichtsheft sogar zwei Ordner umfasst.
Feierlich erfolgte die Ehrung der Prüfungsbetriebe durch Dr. Merk, Georg Renner und Markus Hofmann: Dies sind Werner Baur (Türkheim), Peter Farion (Ichenhausen), Ulrich Hienle (Kirchdorf), Jörg Kienle (Salgen), Manfred Kögel (Ettringen), Bernhard Ledermann (Rammingen), Michael Metz (Bad Wörishofen) und Franz Steppich (Mattsies). Immerhin wird durch die Prüfungen der Hof für drei Tage blockiert!
Eine besondere Ehrung nahm Georg Renner im Rahmen dieser Festveranstaltung vor: Der geschätzte Pädagoge und Landwirtschaftsmeister Andreas Suiter (Oberkammlach) ist seit 1985 bis zum Ende dieses Schuljahres vor allem als Praxismeister im Berufsgrundschuljahr tätig gewesen. Dafür bekam er bereits in diesem Jahr eine Ehrenurkunde für sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Er ist einfach die gute Seele des Hauses und zeigte unter anderem großes Einfühlungsvermögen gerade auch für schwächere Schüler.

Die Absolventen schauen zurück

Dass die jungen Leute ihr Herz auf dem richtigen Fleck haben, zeigte der Rückblick der Absolventen Andreas Steinbrück und Daniel Kräften, die über diese intensive Ausbildungszeit berichteten, aber auch, dass die Geselligkeit nicht zu kurz kam. Sie berichteten über die Zwischen- und Abschlussprüfung „und wer zu spät mit dem Lernen begonnen hatte – musste dies nun büßen“. Letztlich verging die Zeit wie im Fluge und nun sei auch schon die Prüfung vorbei. Auch sie bereicherten ihren Vortrag mit aussagekräftigen Fotos! Als „Dankeschön“ erhielten mehrere Fachlehrer kleine Präsente überreicht.
In ihren Grußworten würdigte MdB Stephan Stracke, stellvertretende Landrätin Marlene Preissinger und Unterallgäus BBV-Kreisobmann Martin Schorer, der auch für die Nachbarlandkreis-Obmänner sprach, die Leistungen der jungen Leute, ihrer Angehörigen und der Schule. Schorer brachte es auf den Punkt: „Ihr habt es geschafft und einen wichtigen Abschnitt Eures Lebens hinter Euch gebracht.“ Großes Lob zollte er auch allen am Erfolg beteiligten und dankte den Sponsoren, die diesen Festabend mit ihrer Spende unterstützt haben. Er appellierte auch an alle Junglandwirte, der Gesellschaft zu verdeutlichen: „Wir machen Euch satt mit unseren Produkten.“ Alle Landwirte, gleich ob klassisch oder bio, müssen gemeinsam das Boot in die richtige Richtung bringen. „Ich bitte Euch, macht dabei mit.“

Auch heuer war die Zeugnisverteilung der Höhepunkt des Abends. Am Schluss stand die Ehrung der besten fünf jungen Leute: Mit der Traumnote von 1,20 lag der Lokalmatador Martin Holzheu (Erkheim) auf dem ersten Rang. (Die weiteren Sieger sind aus der Bildunterschrift zu ersehen). Zwischen den einzelnen Programmpunkten spielte in der großen Besetzung die Ehemaligenkapelle des vlf Unterallgäu mit ihrem Dirigenten Hermann Frei.