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Waldnutzung

Forstbranche muss mehr mitreden

Das Team der FBG-Geschäftsstelle: Dieses bilden Geschäftsführer Philipp Hanner (M.) und (v. l.) Stephanie Rieger, Christoph Pascher, Stefanie Schäfer (2. v. r.) sowie Kerstin Drexel.
Toni Ledermann
am Mittwoch, 21.09.2022 - 12:23

Ohne Holzenergie sind die gesteckten Klimaziele nicht erreichbar. Das machte Sabine Hiendlmeier, stellvertretende Abteilungsleiterin bei „Carmen“, in ihrem Gastreferat bei der Jahresversammlung der FBG Augsburg-West deutlich.

Fischach/Lks. Augsburg - „Wie heizt Deutschland?“, fragte sie eingangs und erklärte: Rund die Hälfte der deutschen Haushalte heizt mit Öl, 25 % mit Gas, und etwa 15 % mit Fernwärme (Rest: Sonstiges). Der Anteil erneuerbarer Energie am Wärmemarkt liege derzeit bei 16 %, davon seien 75 % Holz. „Dies muss sich ändern“, sagte sie, denn das politische Ziel in Deutschland laute aktuell: Klima-Neutralität im Jahr 2045.

Ernauerbare sind Freiheitsenergien

Bruno Baumeister, Vorsitzender der FBG Augsburg-West, freut sich über die gute Arbeit der FBG.

Seit dem Ukraine-Kriegsbeginn werde erneuerbare Energie gar als „Freiheitsenergie“ bezeichnet, was durchaus interessant sei für die Holzbranche. Seit 2020 bestehe verstärkte Nachfrage nach Holzbrennstoffen, meist nach Pellets. Wie stark in Bayern das Interesse am Brennstoff Holz ist, zeige auch die Tatsache, dass in Bayern jeder dritte Haushalt einen Holzofen besitzt. Auch gebe es einen starken Zubau an Holzheizungen. Dabei verschwieg sie nicht, dass Einzelraumfeuerungen, aufgrund von Feinstaubausstoß, oft kritisch gesehen werden. Gleichwohl lägen Förderprogramme für Holzfeuerungen aktuell auf Höchstniveau.

„Unsere FBG ist gut durch die Corona-Krise gekommen“, freute sich der Vorsitzende der FBG Augsburg-West, Bruno Baumeister, bei der Jahreshauptversammlung in Fischach über die Geschäftsjahre 2019/2020 und 2021. Im Team der FBG habe es 2021 einen Personalwechsel gegeben: Philipp Fluhr wechselte zu den Bayerischen Staatsforsten, Stefanie Eder ist aus familiären Gründen ausgeschieden. Neuzugang ist seit November 2021 Kerstin Drexel. Die 25-Jährige studierte in Weihenstephan Forstingenieurwesen und absolvierte darauffolgend die Staatsprüfung in Lohr am Main. Die junge Frau stellte sich den etwa 40 anwesenden Mitgliedern kurz vor und bedankte sich für das Vertrauen. Die stellvertretende Geschäftsführung übernimmt Christoph Pascher, der seit 2018 im Team der FBG ist.

Baumeister lobte zudem die gute Arbeit der Mitarbeiter und des Geschäftsführers Philipp Hanner, der die beiden Geschäftsjahre „wieder hervorragend“ gemeistert habe. Die Zusammenarbeit zwischen Forstbetriebsgemeinschaft und dem AELF bezeichnete Baumeister als „eng und zukunftsorientiert“.

Pflegeverträge zur Flächenbetreuung

Ende 2021 hatte die FBG Augsburg-West 871 Mitglieder mit 7707 ha Waldfläche, berichtete Geschäftsführer Philipp Hanner. Über 51 Pflegeverträge betreut die FBG 1279 ha. Die FBG vermarktete im Geschäftsjahr 2020/2021 insgesamt 38 877 Festmeter Holz. 2020 und 2021 wurden insgesamt 33 Veranstaltungen, darunter auch zwölf Motorsägenkurse, abgehalten.

Seit 2019 habe die FBG in Zusammenarbeit mit AELF, Gemeinden und Privatpersonen begonnen, ein Netz von Trockenlagerplätzen zur Schadholzlagerung in Notzeiten zu errichten, berichtete Hanner weiter, wobei alle Lagerplätze mindestens 500 Meter vom nächsten Fichtenwald entfernt sind. Dadurch konnte besonders im Jahr 2020 „Druck aus den Waldflächen“ genommen werden.

Gerade für Kleinwaldbesitzer sei die FBG wichtig, da hier Sammelanträge für Kleinmengen unter 50 Festmeter abgewickelt werden können, erinnerte Hanner. Im Jahr 2020 konnten für etwa 3600 Festmeter solche Sammelanträge gestellt werden.

Auf den Einsatz von Insektiziden konnte verzichtet werden

Trotz zunehmender Gefahr von Borkenkäferbefall mussten keine Insektizide und sonstige Umweltgifte eingesetzt werden, informierte der Geschäftsführer weiter. Gut angenommen von den Mitgliedern wurde überdies die Bundeswaldprämie: „Vater Staat“ zahlte jedem „zertifiziertem“ Waldbesitzer bekanntlich 100 €/ha im Rahmen des Corona-Konjunkturprogramms. Möglich wurde dies durch die PEFC-Zertifizierung für alle Mitglieder über die Mitgliedschaft in der FBG. In der FBG Augsburg-West konnte für 4163 ha die Bundeswaldprämie beantragt, also 416 300 € für die Waldbauern. Hanner wies noch darauf hin, dass bald schon die Plastikschutzhüllen im Forst nicht mehr bezuschusst werden. Man will Plastik im Wald vermeiden. Doch gebe es bereits alternative Hüllen aus Holz.

Hanner wagte auch eine Blick nach vorne. Der Ukraine-Krieg und Corona haben zu größeren Holzpreisschwankungen geführt. Um gegen die immer größer werdende Abhängigkeit von Großsägewerken zu steuern, versuche die FBG verstärkt lokale Säger zu bedienen. Der Druck von außen und das allgemeine Interesse am Wald werden wohl weiter zunehmen, ebenso die Rufe nach Flächenstilllegungen im Wald.

Die Forstbranche muss viel aktiver werden

Politisch wurde Hanner zum Schluss seines Referats: Die Forstbranche müsse viel aktiver werden, um ihren Anliegen auch Gehör zu verschaffen. „Sonst übernehmen dies andere für uns, mit entsprechend eventuell negativen Konsequenzen.“

Die Buchführungszahlen über die Geschäftsjahre 2019/2020 und 2020/2021 stellte Thomas Geißler von der „berata-Steuerberatungsgesellschaft“ (Augsburg) vor: Im Geschäftsjahr 2019/2020 wurde ein Jahresüberschuss von 22 612 €, im Geschäftsjahr 2020/2021 von 42 481 € erzielt. Die Prüfung der Kasse gab keinerlei Anlass zur Beanstandung, wie Clemens Mayer vortrug. Darauf folgte die einstimmige Entlastung der Vorstandschaft und des Geschäftsführer.

Ein Grußwort sprach Ralf Gang vom AELF Augsburg, Abteilungsleiter Forsten. Er appellierte an die Waldbesitzer, mehr Interesse am Wald-Wild-Verhältnis zu zeigen. Im Amtsgebiet des AELF Augsburg gebe es zehn Hegegemeinschaften, wobei acht davon „rot“ eingestuft sind. Der Verbiss sei dort „zu hoch“. Der ungeschützte Aufwuchs von gängigen Hauptbaumarten sei da nicht möglich. Nötig sei daher die enge Zusammenarbeit von Waldbesitzern und Jägern, um hier voranzukommen. Eine Möglichkeit wäre, mehr „Jagdeinrichtungen“ in den betroffenen Gebieten aufzustellen.