Staatsforsten

Forstausbildung: Ich war immer draußen

20_forstpraktikant_3
Michael Ammich
am Donnerstag, 14.01.2021 - 07:54

Was macht man so bei einem Praktikum bei den Staatsforsten? Wir haben einen 21-Jährigen begleitet, der in Triesdorf Forstingenieurwesen studiert.

20_forstpraktikant_4

Förster ist für viele Menschen immer noch ein Traumberuf. Dazu tragen nicht nur Fernsehfilme wie „Forsthaus Falkenau“ bei, sondern auch das uralte Bedürfnis des Menschen nach einem Leben in und mit der Natur. Bevor sich der Traum erfüllt, sind jedoch lange Jahre des Lernens angesagt. Lukas Bauer aus Dinkelscherben(Lks. Augsburg) studiert im dritten Semester Forstingenieurwesen und hat im Herbst ein Praktikum am Forstbetrieb Zusmarshausen der Bayerischen Staatsforsten absolviert.

„Dabei habe ich absolut keinen forst- oder landwirtschaftlichen Hintergrund“, sagt der 21-Jährige. Aber schon als Kind hat Lukas Bauer immer gern im Wald gespielt, der unmittelbar an sein Elternhaus angrenzt. „Wir haben Lager gebaut und getan, was man sonst noch so als Kind in den Wäldern treibt.“

Erste Erfahrungen in der Forstarbeit als „Bufdi“

20_forstpraktikant_1

Zum Forst kam Lukas erst nach seinem Abitur am Gymnasium bei St. Anna in Augsburg, als er im Sommer 2018 seinen Bundesfreiwilligendienst leistete. Dabei verschlug es den „Bufdi“ an die Bildungs- und Begegnungsstätte Wartaweil bei Herrsching am Ammersee. Dort ging er dem Hausmeister zur Hand. „Ich hatte damals viel mit Geländepflege und mit Wartungsarbeiten im Übernachtungshaus zu tun.“ Außerdem durfte Lukas auf einem zur Bildungsstätte gehörenden Waldgrundstück erste Erfahrungen in der Forstarbeit sammeln.

„Das Arbeiten draußen in der Natur hat mir gefallen“, sagt Lukas. Also bewarb er sich um einen Studienplatz für das Forstingenieurwesen an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Den Numerus clausus als Zulassungsbeschränkung hatte er mit seiner Abiturnote erfüllt. Sein Ziel ist der Bachelor-Abschluss. Derzeit studiert Lukas im dritten von sieben vorgesehenen Semestern.

Grundstudium: Wenig Mathe und nicht trocken

20_forstpraktikant_6

Das Grundstudium empfindet der Dinkelscherbener keineswegs als trocken. Er war selbst erstaunt, wie wenig Mathematik und Physik, dafür umso mehr Biologie das Grundstudium umfasst. Allenfalls in der Statistik waren bisher Rechenkünste gefragt. Aus den angebotenen Wahlpflichtmodulen muss der Student fünf auswählen, mit denen er bereits im Studium Schwerpunkte setzen und sich spezialisieren kann.

Lukas hat sich zum einen für das Modul „Informatik – unbemannte Luftfahrzeuge im Forst“, sprich Drohnen, entschieden. Dabei geht es z. B. darum, dreidimensionale Modelle von Wäldern zu erstellen. Das zweite Modul beschäftigt sich mit SAP, einer Software für Geschäftsprozesse. „Die beiden Module geben aber keine berufliche Richtung vor, ich habe sie nur aus Interesse gewählt“, betont Lukas. „SAP könnte mir später bei einer Unternehmensführung nützlich sein.“

Allerdings hat die Coronakrise auch dem Forststudenten ein paar Striche durch die Rechnung gemacht. So gab es im zweiten Semester an der Hochschule nur wenige Präsenzveranstaltungen. Grundlegende Kenntnisse zur Botanik und Zoologie konnte sich Lukas schon im ersten und zweiten Semester aneignen. Besonders gefallen haben ihm hier die Bestimmungsprüfungen, bei denen es beispielsweise Sing- und Greifvögel, Gehölze und Hölzer zu erkennen galt.

Praktikum zur Holzernte und Projektarbeit

Zwischen dem zweiten und dritten Semester des Forstingenieurstudiums ist an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf mindestens ein achtwöchiges Praktikum vorgeschrieben. „Dabei liegt der Fokus auf dem Kennenlernen der Holzernte“, erklärt Lukas. Deshalb wird vor dem Beginn des Praktikums der Erwerb eines Kettensägenscheins vorausgesetzt. Lukas konnte den Schein kostengünstig über die Hochschule erwerben.
Den Praktikumsplatz konnte er sich aussuchen. Seine Wahl fiel auf den staatlichen Forstbetrieb Zusmarshausen. Im Forstbetrieb konnte Lukas die typischen Tätigkeiten bei der Holzernte wie das Entasten oder das Ablängen vertiefen. Darüber hinaus arbeitete er im Wald bei der Jugendpflege, beim Freistellen von Zukunftsbäumen und beim Pflanzen mit. Im Praktikum musste Lukas außerdem ein Praxisprojekt durchführen. Er verfasste eine kleine Arbeit über das Räumen einer Kalamitätsfläche und ihre Aufforstung mit Rot- und Stieleichen.

Eigenverantwortung und Gefahreneinschätzung

„Im Praktikum habe ich auch das eigenverantwortliche Handeln und die Gefahreneinschätzung bei der Waldarbeit gelernt“, sagt Lukas. Jetzt weiß er zudem den Zeitaufwand für die verschiedenen Forstarbeiten besser abzuschätzen. In 60 jagdpraktischen Stunden war Lukas mit dabei, wenn es Hochsitze zu bauen und aufzustellen galt, er half mit beim Aufbrechen von erlegtem Wild und arbeitete mit Hunden. Ein Höhepunkt war seine Teilnahme an einer Drückjagd. Alles in allem hat das Praktikum seine Vorstellungen erfüllt. „Im Büro war ich nie, ich war immer draußen.“
Im sechsten Semester, dem Praxissemester, darf Lukas einen Revierleiter begleiten und den Alltag eines Försters kennenlernen. Das passt, denn Lukas strebt genau eine solche Stelle an. Wenn alles optimal läuft, könnte er Revierleiter bei den Bayerischen Staatsforsten werden. An der Tätigkeit eines Revierleiters gefällt Lukas besonders das praxisnahe Zusammenspiel von Verantwortung und Gestaltung eines eigenen Waldgebiets.
Um Revierleiter im Staatsdienst, in einem kommunalen Forstbetrieb oder einem großen Privatwald zu werden, muss Lukas nach dem Studium allerdings noch ein Jahr lang die Forstschule in Lohr am Main als Forstanwärter absolvieren. Nach den Abschlussprüfungen ist er dann endlich ein staatlicher anerkannter Förster und hat seine Ausbildung abgeschlossen. Voraussetzung für die Zulassung zur Anwärterschule ist der Erwerb des Jagdscheins. Damit hat Lukas jetzt im dritten Semester bereits begonnen.
Anstelle der Anwärterprüfung könnte ein angehender Förster an einer Hochschule auch den Master erwerben, dem meist der Eintritt in den Staatsdienst und ein Referendariat folgen – sofern es die Abschlussnoten zulassen. Eine Stelle im höheren Forstdienst bei den Staatsforsten streben nämlich sehr viele Bewerber an, die Auswahl erfolgt nach dem Notendurchschnitt.

In der Natur für eine gute Zukunft arbeiten

Gleich wie es kommt, für Lukas Bauer ist mit dem Beruf des Försters nicht nur das Arbeiten in der Natur verbunden, sondern auch der Wunsch, für eine gute Zukunft zu arbeiten. Darunter versteht der Student das nachhaltige Handeln, um zukunftsfähige Wälder zu schaffen und zu erhalten. Dazu gehöre auch die Jagd als wichtige Naturschutzaufgabe. „Der Wald ist nicht nur eine bedeutende ökonomische, sondern auch eine ökologische Ressource.“