Entwicklung

Forst befindet sich im Wandel

Wald Allgäu
Susanne Lorenz-Munkler
am Freitag, 12.02.2021 - 08:01

Unser Allgäu startet eine Serie, in der die Arbeit der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse heute und morgen vorgestellt wird.

Über die Hälfte der Wälder in Bayern sind heute in Privatbesitz. Eine nachhaltige Entwicklung dieser Bestände ist gerade in Zeiten des Klimawandels unabdingbar. Nur durch eine nachhaltige Wald-Bewirtschaftung kann garantiert werden, dass der Wald auch in Zukunft seine für den Menschen überlebensnotwendigen Funktionen übernehmen kann.

Denn Wälder liefern nicht nur den umweltfreundlichen, nachwachsenden Rohstoff und Energieträger Holz. Auch ihre Schutz- Funktionen sind für alle Lebewesen auf dem Kontinent erheblich. Der Wald reinigt Luft und Wasser, bietet Schutz vor Muren und Lawinen und ist Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Wälder haben auch eine enorme wirtschaftliche Bedeutung. Bundesweit sind rund 1,1 Mio. Menschen im Cluster „Forst und Holz“ beschäftigt. Und schließlich gewinnt die Erholungsleistung und der Freizeitwert des Walds gerade in der Corona-Zeit immer mehr an Bedeutung.

Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie

Vor rund 50 Jahren bildeten sich im Allgäu die ersten forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse, die primär eine rein ökonomische Ausrichtung hatten. Es ging in erster Linie um eine Bündelung des Angebots der Waldbesitzer und um die Schwachholzvermarktung, für die es damals in Schwaben wenig Möglichkeiten gab. Seitdem ist viel passiert.

Die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse müssen heute weit mehr als Holz vermarkten. Sie müssen einen oft abenteuerlichen Spagat zwischen Ökonomie und Ökologie hinlegen. Rund 50 Prozent der Waldbesitzer sind heute schwabenweit in solchen Zusammenschlüssen organisiert. Denn die Besitzgrößen des Waldbesitzes werden immer kleiner. Der Verein ermöglicht die Bündelung des Holz-Angebots und die Koordination der dringend notwendigen Pflegemaßnahmen.

Daneben müssen sie Kalamitäten und riesige Sturmschäden bewältigen, den klimatauglichen Waldumbau zu Mischwald vorantreiben und immer wieder neue Herausforderungen meistern. Denn der Klimawandel wartet nicht.

Viele der Waldbesitzervereinigungen und Forstbetriebsgemeinschaften feierten im vergangenen Jahr während der Coronapandemie ihr 50-jähriges Bestehen. Will heißen: sie feierten es nicht, sie konnten ihre Pioniere nicht ehren und ihre schwierige und verantwortungsvolle Arbeit nicht der Öffentlichkeit präsentieren. Deshalb wollen wir mit einer Artikel-Serie den forstlichen Zusammenschlüssen eine Plattform bieten, sich darzustellen.

Wir sprechen mit den Funktionären über ihre Visionen und Prognosen, aber auch über praktische Dinge, wie Vor- und Nachteile des Einsatzes von Harvestern.

Den Auftakt unserer Serie bildet das Porträt eines der langjährigsten Kämpfer für den privaten Waldbesitz, Ignaz Einsiedler, der vor kurzem nach 50 Jahren den Vorsitz der WBV Kempten Land und Stadt abgegeben hat.