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Ernte 2022

Nein zu Flächenstilllegungen

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Birgit Böllinger
am Dienstag, 19.07.2022 - 17:09

Bei der Erntefahrt des BBV Dillingen äußert sich deutlich der Ärger über die Pläne der Bundesregierung, vier Prozent der Ackerfläche stillzulegen. In Zeiten der zunehmenden Lebensmittelknappheit sei dies der völlig falsche Weg.

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Wie schnell sich in unruhigen Zeiten alles verändert, das zeigte schon der Treffpunkt der diesjährigen Erntefahrt im Kreis Dillingen: Der Gasthof Straub, in der Mitte Pfaffenhofens in einem denkmalgeschützten Gebäude gelegen, gilt als eine der schönsten Wirtschaften in Bayern. Doch seit dem Tod von Erika Straub, die mit ihrer Kochkunst die Seele der Wirtschaft war, war die Zukunft des Gasthauses ungewiss. „Und Corona hat das beschleunigt“, bedauert Josef Straub junior.

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Doch der Haupterwerb der Familie liegt seit jeher in der Landwirtschaft. Und da kann Straub in diesem Jahr zufrieden sein. Bis auf einen Hagelschaden stünden Weizen, Mais und Rüben gut da, der Ertrag bei Wintergerste und Futterstroh sei ordentlich gewesen. Mit etwas Sorge blicke er auf die angekündigte, länger anhaltenden Trockenphase auf den Weizen, „doch insgesamt läuft es heuer gut“, sagte der Landwirt. Im Donauried profitiere man von den tiefgründigen, schweren Böden. „Von der Ertragskraft her sind wir hier zwischen Zusam und Donau gut aufgestellt, die Trockenheit macht uns noch nicht so zu schaffen wie anderswo.“

Doch nicht nur der Zustand der Felder lässt sich sehen. In der Gemarkung Pfaffenhofen wurden in den vergangenen Jahren rund 20 Mio. Euro in die Flurneuordnung investiert, auf rund 4000 ha in den Ortsteilen der Gemeinde Buttenwiesen. „Wir haben hier eine gute Infrastruktur für die Landwirtschaft geschaffen und zugleich auch viel für den Naturschutz getan, beispielsweise durch einen Biotopverbund“, sagte Bürgermeister Hans Kaltner. 1176 Landwirte sind im Kreis tätig, bewirtschaftet werden 38 000 ha Ackerfläche, 8000 ha Grünland und rund 15 000 ha Wald.

„Wir Landwirte wollen es nicht länger erdulden, dass ständig unser Eigentum abgegraben wird.“

„Corona, und der Krieg in der Ukraine jetzt, zeigen: Die Landwirtschaft ist eine Schlüsselbranche“, betonte Kreisobmann Klaus Beyrer. Zum einen zeigten die Krisen der vergangenen Zeit, wie wichtig es sei, „Ernährungssouveränität im Land“ zu haben, zum anderen müsse die heimische Landwirtschaft auch in der Lage sein, ihren Beitrag zur Ernährung der Welt zu leisten. Auf großes Unverständnis stießen daher die Pläne der EU und der Bundesregierung, welche die 4-Prozent-Regelung nach wie vor umsetzen will. „Es kann doch nicht sein, dass wir jetzt gute Ackerflächen stilllegen, in einer Zeit, in der eine massive Hungerkrise dort“, ärgert sich Beyrer. Im Landkreis Dillingen würden dadurch rein rechnerisch 12 000 t Weizen weniger angebaut und geerntet, die Brachfläche umfasse etwas das Gebiet von 30 Betrieben.

„Wir Bauern stellen uns der Transformation“, sagte dazu auch Kreisbäuerin Annett Jung. Naturschutz und Nachhaltigkeit betreibe man seit Generationen, sei es doch jedem Landwirt ein Anliegen, seinen Nachfolgern einen gesunden Betrieb zu übergeben. Angesichts des allgemeinen Flächenverbrauchs sei es nicht einsehbar, warum hochwertiger Ackerboden als Brachfläche dienen solle, „wir Landwirte wollen es nicht länger erdulden, dass ständig unser Eigentum abgegraben wird“, schimpfte Jung.

Die „Kulturlandschaft, wie man sie bei uns sieht“, sei der Mittelweg zwischen der notwendigen Lebensmittelproduktion und den Anliegen des Naturschutzes, ergänzte BBV-Geschäftsführer Eugen Bayer. Die Bauern bräuchten von der Politik die Rahmenbedingungen, die sie in die Lage versetzen, „die Nahrungsmittelsicherheit vor der Haustür“ zu gewährleisten.