Erzeugergemeinschaft Franken-Schwaben

Ferkelpreise: Wer hätte das geahnt?

Franken-Schwaben
Michael Ammich
am Freitag, 29.11.2019 - 07:56

Die schwäbischen Zuchtsauenbestände wurden stark abgebaut. Die erfreuliche Preisentwicklung war nicht hervorsehbar.

Franken-Schwaben

Gottmannshofen/Lks. Dillingen - Hätten die Ferkelerzeuger vor einem Jahr gewusst, dass die Ferkel- und Schweinepreise durch die Decke gehen, wären die schwäbischen Zuchtsauenbestände vermutlich weniger stark abgebaut worden. So aber setzte sich der Rückgang der Ferkelproduktion unvermindert fort, was sich auch in den Vermarktungszahlen und damit dem Jahresumsatz der Erzeugergemeinschaft Franken-Schwaben - Tierische Veredelung niederschlug. Auf der Mitgliederversammlung in Gottmannshofen stellte Vorstandsvorsitzender Stephan Neher den Schweinehaltern gar einen weiteren Preisschub nach oben in Aussicht.

Land schafft Verbindung als Beispiel für aktive Öffentlichkeitsarbeit

„Die Preise sind in der Landwirtschaft allgemein und in der Veredlung im Besonderen gar nicht so schlecht“, stellte Neher fest. „Aber die Stimmung unter den Landwirten entspricht nicht den Marktperspektiven.“ Obwohl die Agrarbranche in Deutschland noch immer ein bedeutender Wirtschaftszweig sei, werde sie von der Gesellschaft nicht als solcher wahrgenommen. Neher empfahl seinen Berufskollegen, nicht denselben Fehler zu machen wie viele Verbraucher, nämlich aus einem bloßen Bauchgefühl heraus Entscheidungen zu treffen. Vielmehr gelte es, die Interessen der Landwirtschaft gemeinsam offensiv zu vertreten. Als Beispiel für diese Haltung führte der EG-Vorsitzende das Netzwerk „Land schafft Verbindung“ an, weil es in der Öffentlichkeit in einer Weise auftrete, dass niemand an ihm vorbeikommt.

Andererseits räumte Neher ein, dass die Landwirte in der Produktionstechnik zwar „kompetent ohne Ende“ seien, es aber nie gelernt hätten, sich in der Öffentlichkeit entsprechend darzustellen und ihr eigenes Handeln auch einmal selbstkritisch zu hinterfragen. Und so forderte er die EG-Mitglieder auf, sich aktiv in die sozialen Medien einzubringen und diesen Raum nicht anderen zu überlassen. Außerdem sollten sich die Landwirte fragen: Wo haben wir ein Problem und wie gehen wir bei seiner Lösung vor? Es komme darauf an, Strategien zu entwickeln anstatt zu jammern.

Einbruch der chinesischen Zuchtsauenbestände

Wer hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass die Schweinepreise seit Monaten nur noch eine Richtung kennen - und zwar die nach oben, sagte Neher. Als Ursache für das Preishoch machte er den massiven Abbau der Zuchtsauenbestände in China aufgrund der dort grassierende Afrikanischen Schweinepest aus. Diese reiße eine derart große Lücke, dass sie auch in den kommenden Monaten nur schwer von der EU, Brasilien und den USA geschlossen werden kann.

Die deutschen Schweinehalter sollten sich jedoch nicht in Sicherheit wiegen, nachdem kürzlich ein mit der ASP infiziertes Wildschwein nur 80 km von der deutschen Ostgrenze entfernt aufgefunden wurde. Vorerst jedoch verschaffe das gute Image der deutschen Schweineproduktion große Marktchancen in China. Dessen Bevölkerung lege nämlich größten Wert auf die Lebensmittelsicherheit. Neher appellierte an seine Kollegen, diese Chance nicht durch Nachlässigkeit bei den Schutzmaßnahmen gegen die ASP zu vertun.

Sorgen bereitet dem EG-Vorsitzenden nach wie vor das zähe Hin und Her um die betäubungslose Ferkelkastration. „Die Landwirte sind bereit, ihre Tiere vor Schmerzen zu bewahren, aber es darf dadurch nicht zu einem Strukturbruch kommen.“ Die Landwirtschaft habe besonders in Bayern eine gute Zukunftsperspektive. „Es wird zwar schwieriger für uns, aber nicht schlechter“, zeigte sich Neher überzeugt. „Alle Probleme sind eine Frage vorhandener Alternativen.“ So seien beispielsweise in der Wertschöpfungskette noch lange nicht alle Möglichkeiten zum Kostensparen ausgeschöpft.

Vermarktungszahlen gehen zurück

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„Eine Landwirtschaft ohne tierische Veredelung wird es in Bayern nicht geben“, betonte auch EG-Geschäftsführer Burkhard Hock. Allein schon der Umfang der landwirtschaftlichen Nutzfläche erfordere die Veredelung. Hock zufolge wurden über die EG Franken-Schwaben im Wirtschaftsjahr 2018/19 insgesamt 1.201.408 (–72.896) Ferkel und 694.299 (–28 876) Schlachtschweine vermarktet, dazu 41.422 (+636) Stück Großvieh, 34.532 (–3266) Kälber und 8.430 (–743) Fresser. Der Jahresumsatz sank aufgrund der rückläufigen Stückzahlen von 254,2 Mio. € im Vorjahr auf 239,9 Mio. €.

Seit 2012 gehen die Vermarktungszahlen im Ferkelbereich zurück, erklärte Hock. Daran konnte heuer offenbar auch das monatelange Preishoch nichts ändern. Der EG-Geschäftsführer rechnet damit, dass China auch in den kommenden Jahren auf den Import von Schweinefleisch angewiesen ist. Im Ferkelbereich erzielte die EG 2018/19 einen Umsatz von 64.408.038 (–5.281.264 ) Mio €.

Die vermarkteten Ferkel stammten zu 40% aus Franken, zu 35% aus Schwaben, zu jeweils 12 % aus Baden-Württemberg und Ostdeutschland sowie zu 1% aus der Oberpfalz. Pro Woche fallen rund 300 Spanferkel an, was sich für die EG aufgrund ihrer Abhängigkeit von einem einzigen Abnehmer eines Tages als Risiko erweisen könnte. Mit Blick auf die Diskussion um die Ferkelkastration ist sich Hock sicher, dass der Markt „noch viele, viele Jahre nach kastrierten Ferkeln verlangt“ - ganz gleich, welche Form der schmerzlosen Kastration sich am Ende durchsetzen wird.

Seit 2017 zeichnet sich auch bei den Vermarktungsmengen im Schlachtschweine-Sektor eine rückläufige Tendenz ab. Diese setzte sich heuer fort, obwohl die Preise entgegen des bekannten Zyklus einen Höhenflug erleben, der bis jetzt nicht zuende ist. Allerdings sei bei den Schlachtunternehmen ein wachsender Widerstand gegen die anhaltende Preisspirale wahrzunehmen. 2018/19 erzielte die EG in der Schlachtschweine-Vermarktung einen Umsatz von 112.205.661 (–437.408) €.

51 % der abgesetzten Schweine stammten aus Schwaben, 35 % aus Franken, 3 % aus dem restlichen Bayern und 2 % aus Thüringen und Hessen. Die mit Abstand größten Abnehmer der Schlachtschweine waren Müller Fleisch und Ulmer Fleisch.

Wie sich der Schweinemarkt weiter entwickeln wird, hängt von vielen noch offenen Fragen ab, sagte Hock. Welche Haltungsformen werden sich durchsetzen? Wie entwickelt sich der Fleischverzehr, der in Deutschland heuer um 8 % zurückging? Wie sehen die Tiertransportfahrzeuge der Zukunft aus? Wie können Tiertransporte im Klimawandel mit seinen steigenden Temperaturen künftig ablaufen?

Unbefriedigende Bullenpreise

Im Großviehbereich erwiesen sich insbesondere die Bullenpreise als unbefriedigend, oder - um es mit Hock zu sagen: Sie waren so niedrig wie schon zwei Jahre lang nicht mehr. So nahm die EG allein bei der Jungbullenvermarktung 2 Mio. € weniger ein als im Vorjahr. Zurückzuführen sei die Preismisere auf die starke Konkurrenz aus Südamerika, aber auch aus Irland, das mit Blick auf den Brexit neue Abnehmer sucht. Zu 47 % kam das über die EG vermarktete Großvieh aus Schwaben, zu 41 % aus Franken, zu jeweils 5 % aus Oberbayern und Baden-Württemberg sowie zu 2 % aus angrenzenden Regionen.

In der Kälbervermarktung führte die Blauzungenkrankheit zu erheblichen Problemen. Aufgrund der Vermarktungsbeschränkungen in den Sperrgebieten entstand ein großer Druck und die Preise sanken. Inzwischen sind die Kälber laut Hock in den Sperrgebieten jedoch massiv geimpft worden, um Absatzprobleme zu vermeiden.

Abschließend warf der Geschäftsführer einen Blick auf den Fuhrpark der EG Franken-Schwaben. Mit den 48 Lkw der Erzeugergemeinschaft wurden im vergangenen Wirtschaftsjahr insgesamt 153 526 t lebende Tiere transportiert. Zudem standen den 133 Mitarbeitern 40 Pkw zur Verfügung. In den Fuhrpark wurden 873 879 € investiert. „Aber der Tierschutz wird weitere Investitionen erforderlich machen“, sagte Hock. „Skandale wollen und können wir uns hier nicht leisten.“