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Goldenen Gockel erhalten

Ferienhof: Ausgezeichnetes erstes Jahr

Stolz auf ihre Auszeichnung mit dem Goldenen Gockel sind (v. r.) Xaver, Elisabeth, Maria und Christina Jörg.
Anja Kersten
am Donnerstag, 24.11.2022 - 12:42

Familie Jörg richtet eine großzügige Ferienwohnung ein und bietet nun Urlaub auf dem Bauernhof an. Nicht nur die Gäste sind begeistert.

Mit üppiger Blumenpracht in herrlicher Lage werden die Gäste empfangen.

Als im vergangenen Jahr die Ferienwohnung auf dem Hof der Familie Jörg in Gnadenberg bei Immenstadt (Lks. Oberallgäu) fertig war und im Juni die ersten Gäste kamen, meinte Tochter Maria noch zu ihrer Mutter, wie schön es wäre, wenn sie irgendwann einmal in den nächsten Jahren den Goldenen Gockel bekommen würden. Dieser Wunsch sollte schneller wahr werden, als sie gedacht hatte. Nicht einmal ein Jahr dauerte es, bis sie die Nachricht bekamen, dass sie in diesem Jahr mit dem Goldenen Gockel als eine der gastfreundlichsten Ferienhöfe in Bayern ausgezeichnet werden. Im ersten Moment dachten sie an einen Irrtum, doch dann war die Freude bei dem Betriebsleiterehepaar Elisabeth und Xaver Jörg und ihren beiden erwachsenen Töchtern Maria und Christina riesengroß. „Wir haben zwar immer zu den Gästen gesagt, sie dürfen uns gern bewerten, wenn es ihnen bei uns gefallen hat, aber ohne dabei an die Auszeichnung mit dem Goldenen Gockel zu denken“, erzählt Elisabeth Jörg. Tochter Maria ergänzt: „Wir wollten ein paar Bewertungen zusammenbringen, weil die für den Gast heutzutage ein wichtiges Buchungskriterium sind.“

Dass die Gäste dann die Ferienwohnung und die Gastfreundschaft so lobten, war für die Familie dann doch überraschend. Erst letztes Jahr ist die Familie Jörg, die in Gnadenberg einen Grünlandbetrieb mit 47 Milchkühen und Nachzucht als Haupterwerb bewirtschaftet, in die Vermietung eingestiegen. „Für uns war das ein Sprung ins kalte Wasser“, gibt Elisabeth Jörg zu. Sie kenne die Vermietung von Fremdenzimmern, wie man früher sagte, nur aus ihrer Kindheit, als man ein paar Zimmer für die Urlauber einrichtete, Bad und WC auf dem Gang waren und man die Stube für die Gäste leer räumte. Mit dem, was man heute unter Urlaub auf dem Bauernhof versteht, hätte das nichts mehr zu tun.

Xaver war anfangs noch skeptisch

Tatsache war, dass die Wohnung im 1. Stock nach dem Tod der Altenteiler leer stand. „Einige unserer Bekannten bieten Urlaub auf dem Bauernhof an, und das läuft gut“, schildert Maria die Überlegungen, die sie sich vorher gemacht hatten. Während die Frauen der Familie – Maria, Christina und Mutter Elisabeth – von Anfang an von der Idee begeistert waren, war Familienvater Xaver eher skeptisch. Urlauber auf dem Hof, denen er dann auch noch Rede und Antwort stehen sollte: Er wusste nicht, ob ihm das gefallen würde. Doch er ließ sich von den Frauen überzeugen. „Wenn Gäste auf den Hof kommen, muss die ganze Familie dahinterstehen“, sind sich alle einig.

In der Zwischenzeit sei aber Xaver derjenige, der besonders viel Spaß im Umgang mit den Gästen hätte. Vor allem, wenn er mit den Kindern im Stall ist und den Gästen seinen Beruf und die Landwirtschaft näherbringen kann. „Die Kinder waren glücklich“, schreibt eine Familie begeistert in den Bewertungen, oder eine andere: „Wir danken Ihnen für die unglaubliche Gastfreundschaft und die Möglichkeit, an Ihrem Alltag mit den Tieren teilhaben zu können.“

Das Streicheln und Füttern der Tiere, wie hier der Hühner, ist für die Kinder ein unvergessliches Erlebnis.

„Wir leben von der Landwirtschaft und von unseren Kühen. Wie wir arbeiten, wie unser Alltag aussieht, das dürfen die Urlauber gerne sehen“, sagt die Bäuerin. „Wir zeigen keine Bilderbuchlandwirtschaft, wir zeigen die Realität.“ So frage schon mal eines der Kinder, wenn es zum ersten Mal in den Stall geht, wo sie denn ihren Melkeimer hätte, erzählt Elisabeth lachend. Auch ihr Mann höre öfters von den Gästen, dass sie jetzt, was die Landwirtschaft beträfe, vieles anders sehen. Vielen sei bis dahin nicht bewusst gewesen, welche Arbeit hinter einem Liter Milch stecke. Die Gespräche mit den Gästen, die positiven Rückmeldungen oder wenn ein Kind ihre Hand nimmt und mit ihr zu den Hasen oder den Hühnern gehen will, um Eier zu holen, das tut gut, so Elisabeth. „Wir geben den Gästen viel, aber wir bekommen auch viel zurück.“

Berge und Kühe vor der Haustür

Und so manches, was die Familie gar nicht mehr wahrnimmt, die Gäste aber umso mehr begeistert, sehen sie auf einmal in einem neuen Licht. Wenn der Blick der Gäste bei ihrer Ankunft auf die Kühe vor der Haustüre, den Hof mit dem üppigen Blumenschmuck und die umliegenden Berge fällt und sie sagen: „Wisst ihr, wie schön ihr es eigentlich hier habt?“

Sie haben nicht viel verändert, damit die Gäste sich auf dem Hof wohl fühlen. Neun Hühner, zwei Ziegen, Katzen und ein paar Hasen gehörten schon vor der Vermietung zum Hof. Rund um den Hof gibt es viel Platz zum Spielen. Der Riesenschaukel, die bei den Kindern sehr beliebt ist, wurde ein neuer Anstrich verpasst. Ein Sandkasten, ein Fußballtor, ein Trampolin sowie ein Kettcar wurden neu angeschafft und bilden mit Rollern, Fahrrädern und Trettraktoren einen großen Fuhrpark.

Grüne, gelbe und rote Smileys weisen darauf hin, wo sich die Gäste aufhalten dürfen. „Wir machen bei der Ankunft der Gäste eine kurze Hofführung und erklären die Bedeutung der Smileys“, erzählt Elisabeth. Dass Rot Stopp bedeutet und Grün wie bei den Hühnern oder Hasen, dass die Gäste dorthin immer dürfen, sowie Gelb wie im Stall, dass sie dort nur mit den Bauern hineindürfen, verstehen auch die Kinder auf Anhieb.

Geräumige Ferienwohnung auch für größere Familien

Die Ferienwohnung im oberen Stock des Bauernhauses wurde vollständig renoviert. Einzig die Wände sind stehen geblieben. Bewusst hat sich Familie Jörg für nur eine, dafür aber große Ferienwohnung mit 95 Quadratmetern entschieden. Wohnungen mit drei Schlafzimmern werden eher weniger angeboten und so können auch Familien mit mehr Kindern einen entspannten Urlaub verbringen, ohne dass im Wohnzimmer eine Couch zum Schlafen ausgezogen werden muss, betont die Familie. Zwei Schlafzimmer sind mit jeweils zwei Betten ausgestattet. Das dritte ist ein Kinderzimmer mit einem Hochbett und dient gleichzeitig als Spielzimmer. Eine Kinder- und Babyausstattung steht ebenfalls zur Verfügung.

Durchdacht und stilsicher: Modern und mit einem Farbkonzept wurde die großzügige Ferienwohnung von Familie Jörg eingerichtet. In allen Zimmern findet sich die Farbe Rot wieder.

Es ist aber nicht nur die Größe der mit vier Sternen zertifizierten Wohnung, sondern auch die Einrichtung, die die Ferienwohnung zu etwas Besonderen macht. Sie sollte modern sein, gleichzeitig zu einem Bauernhof passen. Das Material sollte, auch vor dem Hintergrund von Corona, gut zu reinigen und strapazierfähig sein und es sollte nicht zu bunt werden. Die Familie Jörg hat sich viele Ferienwohnungen im Internet angeschaut und zusammen mit Tochter Christina, die Raumausstatterin ist und schon viele Ferienwohnungen eingerichtet hat, ein Konzept entwickelt. Dazu gehören massive Holzmöbel, hochwertige Matratzen und eine vom Schreiner angefertigte Küche. Die Nachtkästchen im Schlafzimmer sind hochgestellt, sodass sie beim Reinigen nicht weggeräumt werden müssen. Als Leitfarbe suchten sie sich die Farbe Rot aus, die sich in jedem Zimmer wiederfindet. In den Schlafzimmern ist die Bettwäsche rot, auf dem Sofa finden sich die Farbe in den Kissen, in der Küche bilden der Wasserkocher und der Toaster rote Farbtupfer.

Ausgebucht von Ostern bis Oktober

Die Belegdaten zeigen, dass die Familie mit der Größe der Ferienwohnung und der Ausstattung alles richtig gemacht hat. „Toll ausgestattete Wohnung mit durchdachten Details“ oder „sehr geräumig“, loben die Urlauber in den Bewertungen. Von den Osterferien bis Ende Oktober sind sie komplett ausgebucht, nur der November sorgt für eine kleine Verschnaufpause. „Und die brauchen wir auch“, sagt Elisabeth. Nicht nur, um Vorhänge und Betten zu waschen und kleinere Ausbesserungsarbeiten vorzunehmen, sondern auch, um am Samstag mal nicht die Ferienwohnungen reinigen zu müssen.

Vermietet wird immer nur wochenweise von Samstag auf Samstag. Unterstützung bei der Reinigung hat Elisabeth dabei immer von einer ihrer Töchter, die den Eltern neben ihrer Berufstätigkeit helfen. Maria beantwortet darüber hinaus noch die Anfragen der Gäste und macht die Buchungen. Wie viel Arbeit das sei, das hätten sie etwas unterschätzt, geben Maria und Elisabeth zu.

Zufriedene Gastgeber, zufriedene Gäste

Im Team sei die Arbeit aber gut zu bewältigen, ist sich die Familie einig. Von ihrer neuen Aufgabe als Gastgeber sind sie alle begeistert. Diese Begeisterung, aber auch für ihren Beruf als Landwirt, das spüren die Gäste. Und so fließen schon mal bei Kindern beim Abschied die Tränen, selbst dann, wenn die Eltern versprechen, dass sie im nächsten Jahr wiederkommen.