Ackerbau

Ernteaussichten in Schwaben

Dr. Michael Ammich
am Mittwoch, 22.07.2020 - 08:08

Wetterkapriolen, aber zufriedenstellende Erträge in Nord- und Mittelschwaben.

Mähdrescher

Zur Aussaat der Winterungen im Herbst 2019 war es übermäßig warm und trocken, im milden Winter fehlte die Frostgare, im folgenden Frühjahr war es wiederum außergewöhnlich warm und trocken, bis im Mai die Nachtfröste zuschlugen.

Es müsste also eigentlich nicht wundern, wenn die Ernte heuer aufgrund der Witterungskapriolen unterdurchschnittlich ausfallen würde. Das tut sie aber nicht. Lediglich die Gerste hatte ihre Probleme, ansonsten dürfen die Bauern in Nord- und Mittelschwaben auf zufriedenstellende Erträge hoffen.

Zweiter Schnitt bringt hohe Erträge

Noch im Spätsommer 2019 ließen sich im Dauergrünland vereinzelt Schäden durch Maikäferengerlinge beobachten, die teils sogar zu Totalschäden an der Grasnarbe führten, berichtet Helmut Stöcker vom AELF Nördlingen. Als einzige Maßnahme zur Schädlingsbekämpfung blieb hier dem Landwirt nur die intensive Bodenbearbeitung unter warmen Bedingungen. Anschließend führte kein Weg an der Neuansaat vorbei.

Aber auch ohne Engerlinge zeigte sich im niederschlagsarmen Frühjahr im Grünland ein „recht mäßiger“ erster Aufwuchs, so Stöcker. Der zweite Schnitt auf den Wiesen und im Feldfutterbau brachte dann jedoch hohe Erträge.

Strukturschäden in feuchten Flächen

Immerhin, für die Winterkulturen fielen die Niederschläge im Herbst zu günstigen Zeiten. Sie liefen gleichmäßig auf und überdauerten gut entwickelt die Winterzeit. Wo im Herbst keine Unkrautbekämpfung erfolgte, konnten sich allerdings auch die Beigräser, vor allem der Ackerfuchsschwanz weiterentwickeln.

Zupass kamen den Landwirten die Fröste um den 20. Januar. Die frostigen Tage wurden genutzt, um Zwischenfrüchte unterzupflügen. Meist waren die Flächen befahrbar, nur auf tonigen Standorten war der Boden unter der Oberfläche zu feucht, sodass es mancherorts zu Strukturschäden kam.

Ungräser widersetzen sich

Die Niederschlagsmengen, die im Herbst und Winter fehlten, fielen dann umso mehr im Februar vom Himmel und sorgten doch noch für eine ausreichende Winterfeuchtigkeit der Böden. Auf eine Frostgare im zeitigen Frühjahr warteten die Bauern jedoch vergebens. Dem warmen und regenreichen Februar schlossen sich nämlich extrem trockene und warme Frühjahrsmonate an.

Die im Wachstum weit fortgeschrittenen Ungräser in den Wintergetreidebeständen widersetzten sich auch aufgrund der geringen Luftfeuchtigkeit den Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung. Außerdem zeigten sich nach dem frühen Befahren der Flächen mit schweren Maschinen vor allem auf tonigen Standorten Strukturschäden, die sich dort nicht nur auf das Vorgewende begrenzten.

Trockenstress verringert Seitentriebe

Mitte April verringerte sich durch den Trockenstress bei allen Arten von Wintergetreide sehr stark die Anzahl der Seitentriebe. Wo die Böden nur ein geringes Wasserspeichervermögen aufwiesen, mussten deshalb insbesondere Gerstebestände umgebrochen werden.

Die Zuckerrüben liefen unter den trockenen Bedingungen häufig nur lückenhaft auf. Zusätzlich machte den Rüben schon früh ein starker Schädlingsdruck durch Erdflöhe und Blattläuse zu schaffen.

Auch der Winterraps litt stark unter der Trockenheit, so dass hier die Ertragserwartungen auf ein durchschnittliches Niveau korrigiert werden müssen. Auf der anderen Seite war im Raps ein eher geringer Schädlingsbefall zu verzeichnen.

Hohe Temperaturen, wenig Regen

Im Mai hielt die Trockenheit in weiten Teilen Nord- und Mittelschwabens an. Seit September lagen die monatlichen Durchschnittstemperaturen stets und teils erheblich über dem langjährigen Mittel – der Klimawandel lässt grüßen. Allein im Februar, März und Juni bewegten sich die Niederschläge über dem langjährigen Mittel. Allerdings kam es bis Mitte Mai wiederholt zu Nachtfrösten und damit zu Folgeschäden an Mais, Zuckerrüben und Wintergerste. In kalten Lagen erfroren selbst noch im Halm befindliche Ähren.

In den Frühkartoffelbeständen mussten die Landwirte zur Frostberegnung greifen. Über alle Kulturen hinweg minderte die trockene Frühjahrswitterung jedoch das Infektionsgeschehen bei Pilzkrankheiten.

Nur die Gerste leidet

Beendet wurde die lang anhaltende Trockenheit erst ab dem 4. Juni, als endlich die sehnlichst erwarteten Niederschläge fielen. Für die Gerste kamen sie auf vielen Standorten jedoch zu spät, bedauert Stöcker. In manchen Beständen bildeten sich neue Nebentriebe, der Zwiewuchs zeigte sich weit verbreitet.

So ist es kein Wunder, dass es bei der Gerste nach Frost und Trockenheit oft stark unterdurchschnittliche Erträge gab. Anfang Juni blühte der Weizen, aber mögliche Infektionen mit Fusarien wurden durch die niedrigen Temperaturen gebremst.

Ingesamt haben die noch ausreichenden Niederschläge die Ertragserwartungen bei den späteren Getreidearten wie Winterweizen, Dinkel und Wintertriticale wieder ansteigen lassen. In den Maisbeständen kam es in Hanglagen vereinzelt zu stärkeren Erosionsgeschehen. Besonders bei Kulturen, die im Spätsommer und Herbst geerntet werden, rechnet Stöcker aktuell mit guten Erträgen.

Deckungsbeiträge der Kulturen

Die Deckungsbeiträge für die einzelnen Kulturen hängen freilich nicht nur von den Ertragsaussichten in Schwaben ab, sondern auch von den internationalen Notierungen, den produktionstechnischen Fähigkeiten des Landwirts und der Kostenentwicklung.

Der Leiter des AELF Nördlingen, Manfred Faber, beließ es denn auch bei einer groben Schätzung: pro ha 2500 € bei der Speisekartoffel, 2400 € bei der Veredelungs- und 1600 € bei der Stärkekartoffel, 780 € beim Dinkel, 340 € beim Körnermais, 350 € beim Silo- und Biogasmais, 340 € beim Qualitätsweizen, 250 € beim Winterraps und traurige 350 € bei der Zuckerrübe.